Colleen Hoover – Verity

Posted on 3. Juni 2020 by Dörte

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Original: Verity
13.03.20 | 368 Seiten | Bold | Autorin

Die Jungautorin Lowen Ashleigh bekommt ein Angebot, das sie unmöglich ablehnen kann: Sie soll die gefeierten Psychothriller von Starautorin Verity Crawford zu Ende schreiben. Diese ist seit einem Autounfall, der unmittelbar auf den Tod ihrer beiden Töchter folgte, nicht mehr ansprechbar und ein dauerhafter Pflegefall.
Lowen akzeptiert – auch, weil sie sich zu Veritys Ehemann Jeremy hingezogen fühlt. Während ihrer Recherchen im Haus der Crawfords findet sie Veritys Tagebuch und darin offenbart sich Lowen Schreckliches …

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„Die Welt war ihr Schreibblock. Keine Oberfläche war vor ihr sicher.“

 

 

Brutal, verstörend und ekelhaft. Dass ich einmal diese Wörter in einer Colleen Hoover Rezension benutzen würde, hätte ich nie im Leben gedacht. Doch diese treffen ziemlich genau, was ich beim Lesen empfunden habe. Ich kann mich nicht dran erinnern, wann ich das letzte Mal einen Roman gelesen habe, der mich so wütend gemacht hat, wie dieser. Gleichzeitig ist mir bei manchen Szenen wahrhaftig übel geworden, weil diese an Grausamkeit absolut nicht zu überbieten sind. Ich war sehr oft kurz davor, das Buch abzubrechen, nicht, weil es schlecht ist, sondern weil mir schlecht davon wurde. Ich konnte es nicht ertragen. Warum ich trotzdem dran geblieben bin? Nun, „Verity“ ist schlicht wie ein Unfall: Man möchte eigentlich nicht (mehr) hinschauen, man kann aber nicht anders.
Schon zu Beginn habe ich mich gefragt, ob ich wirklich in einem Colleen Hoover Roman gelandet bin, oder ob ich aus Versehen ein anderes Buch ausgewählt habe. Ein kurzer Blick bestätigte jedoch, dass ich wirklich gerade „Verity“ las. Der Einstieg war jedoch alles andere als typisch für die Autorin. Dass sich dies auf den gesamten nachfolgenden Seiten weiter durchziehen würde, konnte ich zu dem Zeitpunkt jedoch noch nicht ahnen. Was sich für mich gewohnt angefühlt hat, war der Schreibstil, diese locker, leichte Schreibweise, die mich durch die Seiten hat fliegen lassen. Zudem ist die Spannung ab der ersten Seite vorhanden und lässt einen nicht mehr los. Ich musste immer weiter lesen und konnte nicht aufhören. Selbst die Pausen, die ich zwischendurch machen musste, weil manche Szenen eben so brutal sind, lässt die Spannung nicht verebben. 

Die meisten Leute, die nach New York kommen, legen es darauf an, entdeckt zu werden. Wir Übrigen kommen hierher, um uns zu verstecken.

Das Tempo ist hoch, die Spannung noch höher, dazu eine Geschichte, wo man nicht weiß, wo vorne und hinten ist. Ich habe stellenweise bei sommerlichen Temperaturen gefroren und eine Gänsehaut bekommen. Das ist mir wahrlich noch nie passiert. Wer hier also einen „typischen“ Colleen Hoover Liebesroman erwartet, der sollte sich schnell von dieser Annahme verabschieden. An dieser Stelle muss ich einfach auch darauf hinweisen, dass ich keine Ahnung habe, warum dieser Roman als Jugendbuch betitelt wird. Dort hat er absolut nichts verloren! Wenn man die ersten Seiten gelesen hat, lässt man sich erst noch von der Geschichte treiben. Die Autorin Lowen ist unsere Protagonistin, deren Weg wir begleiten. Sie spricht persönlich mit dem Leser und lässt ihn an wirklich allem teilhaben. Man kann tief in sie hineinschauen. Ich mochte sie auf der Stelle, sie hat so was Unsicheres an sich, dem ich unbedingt auf die Spur kommen wollte. Als sie auf Jeremy trifft gerät ihre Welt aus den Fugen, denn dieser ist der Ehemann der gefeierten Autorin „Verity Crawford“, deren Romane sie zu Ende schreiben soll. Lowen lässt sich darauf ein, nichts ahnend, was sie alles erwarten wird. Sie findet Veritys Tagebuch, welches sie Seite für Seite liest.
Die Stellen mit dem Tagebuch waren für mich stellenweise unerträglich brutal. Ich musste öfter das Buch zur Seite legen und durchatmen, weil es einfach zu schrecklich war. Ich weiß nicht, wie viele Tränen ich vergossen habe. Die Geschichte außerhalb des Tagebuchs hat mir ab und zu Angst gemacht, warum verrate ich an dieser Stelle aber nicht.

„An dem Ort, an den ich mit euch gehen werde, ist kein Licht. Und das war meine letzte Warnung.
Dunkelheit voraus.“

Eine Ahnung hatte ich zwar, die sich zum Teil auch bestätigte, was für ein grandioses Ende sich Colleen Hoover für ihren Roman jedoch aus dem Ärmel geschüttelt hat, damit habe ich zu keiner Zeit gerechnet. Ich weiß noch genau, wie ich beim letzten Kapitel die Augen verdrehte, weil ich sofort an ein typisches Klischee denken musste. Aber dann zeigte mir die Autorin eine lange Nase, indem sie alles, aber wirklich alles in Frage stellte, was ich mir im Laufe der Geschichte zusammen gereimt hatte. Bis jetzt beschäftigt mich das Buch. Ich denke drüber nach, drehe und wende alles, und weiß einfach nicht, was ich davon halten soll. Es sind im Nachhinein betrachtet ein paar Dinge geschehen, die mir unlogisch erscheinen. Ganz egal, aus welcher Sicht betrachtet. Zudem bin ich mir auch unsicher, wie ich eine solch schreckliche Geschichte überhaupt bewerten soll?! Nüchtern betrachtet kann ich ganz klar sagen, dass ich lange nicht mehr, wenn überhaupt, ein solch spannendes Buch gelesen habe. Eigentlich wollte ich es ja sogar abbrechen, weil es mir zu brutal war. Das spricht für einen Pageturner. Auf der anderen Seite würde ich es auch einfach gerne unbewertet lassen, weil ich „sowas“ eigentlich gar nicht lesen, geschweige denn, erleben möchte.

„[…] Unsere Liebe füreinander hat ihre Grenzen. Die Liebe zu unseren Kindern ist bedingungslos.“

Colleen Hoover versteht ihr Handwerk. Sie konnte mich von ihrem Können erneut überzeugen, indem sie es tatsächlich geschafft hat, dass ich wie ein Gaffer ihr Buch zu Ende lesen musste, obwohl ich die Geschichte/die Tagebucheinträge wirklich brutal schrecklich fand. Ich bin fassungslos darüber, zu was Menschen fähig sind. Dieses Buch werde ich nicht vergessen!

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Weitere Rezension: Rikas Bookshelf

Brutal | Colleen Hoover - Verity

 

Auch sehr lesenswert: Was perfekt war

 

 

 

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