Lisa Genova – Mehr als nur ein halbes Leben

Posted on 4. April 2020 by Dörte

Original: Left Neglected
16.08.13 | 384 Seiten | Bastei Lübbe | Autorin

Sarah hat alles, wovon sie immer träumte: einen interessanten Job, ein schönes Haus und eine wundervolle Familie. Nur eins hat sie nicht: Zeit. Jede Stunde ihres Tages ist verplant, zur Ruhe kommt sie nie. Bis sie nach einem schweren Verkehrsunfall im Krankenhaus aufwacht. Sie kann ihre linke Körperhälfte nicht mehr steuern und ist bei jedem Schritt auf Hilfe angewiesen. Sarah ist gezwungen, ihr Leben dramatisch zu entschleunigen. Doch während es ihr allmählich besser geht, stellt sie sich immer öfter die Frage: Will ich mein altes Leben überhaupt zurück?

 

 

 

Ich bedauere die Abende, in denen ich so müde bin, dass ich einschlafe, bevor ich ihm sagen kann, dass ich ihn liebe.

 

 

Wenn das Schicksal ganz hart zuschlägt ist das für jeden ein Schlag in die Magengrube. Sarah kann da ein Lied von singen. Die Protagonistin ist sehr erfolgreich, was allerdings auch sehr viel Arbeit bedeutet. Für ihre Kinder und ihren Ehemann bleibt da leider sehr wenig bis gar keine Zeit mehr übrig. Es hat mich erschreckt, für welchen Weg sich Sarah entschieden hat. Doch schon am Anfang bemerkt man, dass sie in manchen Situationen auch mit sich selbst hadert: Soll sie wirklich zum Meeting gehen? Oder doch lieber das letzte, wichtige Fußballspiel ihres Sohnes sehen? Letztendlich entscheidet sie sich für beides und bemerkt schnell, das halbe Sachen absolut nicht ihr Ding sind, weil sie schlicht nicht funktionieren. Ich selbst würde mich immer für meine Familie entscheiden, aus diesem Grund haben mich manche Entscheidungen der Protagonistin auch sehr erschreckt. Nichtsdestotrotz ist es aber natürlich jedem selbst überlassen, welchen Weg man gehen möchte. Sehr gut gefallen hat mir, dass die gesamte Geschichte von Sarah selbst erzählt wird. So kann man einen Blick hinter ihren Kopf werfen und erfährt, was sie denkt und was sie fühlt. Besonders bei der Zeit nach ihrem Unfall ist es sehr interessant zu erfahren, wie sie selbst mit der Situation klar kommt und was sie für Emotionen durchlebt.

„Bob, ich weiß, dass ich eine linke Hand habe, aber ich habe keine Ahnung, wo sie ist.“

Es ist erschreckend zu lesen, was einem passieren kann, was ein „Left Neglected“ mit einem anstellt. Zuvor habe ich von einer solchen Erkrankung noch  nie etwas gehört. Sarah nimmt nach einem schweren Autounfall die linke Seite nicht mehr wahr. Ihr Gehirn signalisiert ihr, dass sie nicht mehr existent ist, dabei ist sie keinesfalls gelähmt. Sie könnte sich normal bewegen, wenn ihr Gehirn da mitspielen würde. Ab diesem Moment wurde die Geschichte etwas ruhiger und hat mich noch nachdenklicher gemacht. Aber auch Sarah ist ständig damit beschäftigt nachzudenken. Wird sie wieder gesund? Wann kann sie wieder arbeiten gehen? Will sie überhaupt so weiter machen wie vor dem Unfall? Es ist spannend zu lesen, wie sehr Sarah kämpft und wie sehr sie von ihrer Familie unterstützt wird. Ganz besonders ihre Mutter möchte ich hier erwähnen, denn die Beziehung zwischen Mutter und Tochter war keine leichte. Wie sich alles entwickelt, hat mich stellenweise berührt. Und auch ihr Sohn Charlie hat einen ganz tiefen Platz in meinem Herzen ergattern können. Wenn er die Bühne betrat, schien sofort die Sonne.
Und damit wäre ich auch schon bei meinem negativen Punkt: Die Emotionen haben mich nur stellenweise berührt und konnten mich nicht in der Gänze umhauen. Wirklich mitfühlen konnte ich leider nicht, obwohl ich mir das gerade bei einer solchen Geschichte gewünscht hätte.

Keine Sorge, ich gebe nicht auf sage ich zu meinem widersprüchlichen Selbst.

Sarahs Geschichte konnte mich leider nur zum Teil überzeugen und berühren. Auf der einen Seite war es erschreckend zu lesen, was die Protagonistin durchlebt, aber auf der anderen Seite haben mich ihre Emotionen nicht erreicht, was ich schade finde. Positiv ist auf jeden Fall, dass die Geschichte aus Sarahs Sicht erzählt wird und ich den Familienzusammenhalt sehr, sehr gut finde. Auch die Botschaft                                                            unterschreibe ich in der Gänze: Es gibt nichts wichtigeres als die Familie!

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