Leigh Bardugo – Grischa, Die Trilogie

Posted on 15. April 2020 by Dörte

Original: Shadow and Bone
Grischa #1| 26.09.19 | 352 Seiten | Knaur. | Autorin

Alina ist eine einfache Kartografin in der Ersten Armee des Zaren von Ravka. Jemand, der entbehrlich ist – ganz anders als ihr Kindheitsfreund Malyen, der erfolgreiche Fährtenleser und Frauenschwarm. Doch als Alina Mal bei einem Überfall auf unerklärliche Weise das Leben rettet, ändert sich alles für sie, denn sie findet heraus, dass sie eine Grisha ist, die über große Macht verfügt.
Alina wird ins Trainingslager der Grisha versetzt, der magischen und militärischen Elite Ravkas. Dort findet sie einen ganz besonderen Mentor: Den ältesten und mächtigsten der Grisha, der nur der »Dunkle« genannt wird und der schon bald ganz eigene Pläne mit Alina verfolgt.

 

 

„Warum vergeudest du deine Kraft mit dem Kampf gegen dein wahres Wesen?“

 

 

Ein bisschen märchenhaft empfinde ich besonders den Beginn der Trilogie. Alina ist Kartografin der ersten Armee des Zaren von Ravka und führt zusammen mit ihrem besten Freund Maljen (genannt Mal) ein einfaches Leben. Zusammen aufgewachsen sind sie in einem Heim, wo sich ihre Freundschaft Tag für Tag zu einer sehr engen entwickelte. Alina und Mal sind füreinander da. Ihr Umgang miteinander ist sehr besonders, was mir von Beginn an sehr gut gefallen hat. Als Leser lernt man beide und deren Hintergründe erst einmal kennen, bevor etwas einschneidendes geschieht, was alles verändert, auch die Freundschaft der Protagonisten.
Alina rettet ihrem Freund das Leben und setzt dabei Kräfte ein, von deren Existenz sie noch nicht mal wusste. Sie wird fortan als Retterin gefeiert und ist plötzlich eine Grischa und demnach auch höher gestellt als Mal. Alina wird von ihm getrennt und zieht in den Palast ein, wo sie den Anführer kennenlernt: Der Dunkle ist ganz vernarrt in seine „Sonnenkriegerin“ und hat großes mit ihr vor. Sie soll mit ihm zusammen die schreckliche Schattenflur erledigen, damit alle Menschen wieder ohne Angst und in Frieden leben können.
Bis dahin haben sowohl Alina, als auch Mal und alle anderen Figuren noch einen ziemlich langen, überaus spannenden Weg vor sich.

Du bist seit langer Zeit mein erster Hoffnungsschimmer.

Besonders gefallen hat mit, dass das gesamte Buch über Alina mit dem Leser spricht. Sie redet in der Ich-Form, was mir die Figur sehr nahe gebracht hat. Ich mochte sie gleich ab der ersten Seite und sehe sie als eine sehr starke Frau. Man merkt von Seite zu Seite, was sie für eine Entwicklung durchmacht. Am Anfang noch naiv und unbeholfen, ist sie später das komplette Gegenteil. So ist der Verlauf und zwar absolut nachvollziehbar.
Leigh Bardugo hat ein paar überraschende Wendungen in ihre Geschichte gebracht, mit denen ich tatsächlich auch nicht gerechnet hätte. Ich mochte es sehr, wie sie mit etwas vor den Latz knallte, mit dem ich erstmal klar kommen musste. Zudem versteht sie es ebenfalls, auf die Gefühle ihrer Protagonisten einzugehen. So habe ich gefühlt, wie sehr Alina ihren besten Freund vermisste und auch die Funken, die im Laufe der Geschichte mal hin und her fliegen, haben mich mitten ins Herz getroffen.
„Goldene Flammen“ liest sich außerdem recht flüssig. Der Schreibstil ist sehr einfach und leicht zu lesen, was ebenfalls ein Pluspunkt ist, genau wie das enorm hohe Tempo, mit dem man durch die Geschichte rast.
Ich habe mich in der Welt verloren und bin immer noch ganz außer Atem, wenn ich daran denke, wie der erste Band endete. Es ist so spannend, das ich mir sogleich den zweiten Band zur Hand nehmen werde.

„In dieser Welt voller Schönheit war ich fehl am Platz, und wenn ich keine Möglichkeit fand, meine Macht zu benutzen, würde ich nie einen Platz darin finden.

Ich bin hellauf begeistert von der Welt, aber in erster Linie von den Protagonisten und den ganzen Figuren, die die Bühne in „Goldene Flammen“ betreten. Sie sind allesamt sehr authentisch und echt.
Zudem ist das Setting einfach grandios. Die einzelnen Szenen liefen wie ein Film vor meinen Augen ab. Ich habe es sehr genossen, die spannende, temporeiche Geschichte zu verfolgen und freue mich jetzt auf den zweiten Band.

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Grischa #2: Jetzt wird es etwas nervig

 

Original: Siege and Storm
Grischa #2 | 26.09.19 | 448 Seiten | Knaur. | Autorin

Nach ihrem furchtbaren Kampf gegen den Dunklen, den ältesten und mächtigsten der Grisha, mussten Alina und Mal aus Ravka fliehen. Doch selbst jenseits der Wahren See sind sie nicht sicher: Der Dunkle hat überlebt und ist entschlossener denn je, sich Alinas besondere Kräfte zunutze zu machen. Denn nur mithilfe ihrer Magie kann es ihm gelingen, den Thron von Ravka an sich zu reißen.
In die Enge getrieben, bittet Alina schließlich den berüchtigten Freibeuter Stormhond um Hilfe und macht sich auf, die Armee der Grisha anzuführen.

 

 

Ein typischer Mittelband. Genau so empfinde ich den zweiten Teil der Grischa-Trilogie. War ich am Anfang noch außerordentlich begeistert von den Entwicklungen und vom enorm hohen Tempo, welches auch die Fortsetzung zu bieten hat, ließ diese just in dem Moment nach, an den die Figuren erneut den Palast erreichten. Dort kam das Tempo genau so zum Erliegen, wie die Spannung. Ich musste mich tatsächlich dazu zwingen, um überhaupt weiter zu lesen.
Bis dahin war die Fahrt eher rasant. Besonders interessant empfinde ich die Entwicklung Alinas, wenngleich mich auch die Protagonistin im Laufe der Geschichte immer arroganter rüber kam. Von dem kleinen, verletzlichen Mädchen ist nichts mehr übrig. Ihre Gier nach Macht und noch mehr Macht wirklich ermüdend. Zudem wird die Beziehung zu Mal immer schwieriger und somit auch furchtbar anstrengend. Mal nervt, Alina heult rum. Das hat mich wirklich immens gestört.

„Weißt du, wie es Helden und Heiligen ergeht, […]?“, fragte ich, […] „Am Ende finden sie alle den Tod.“

Positiv ist zu erwähnen, dass wir in „Eisige Wellen“ neue Figuren kennenlernen, die sehr interessant und spannend sind. Vor allem der Kapitän „Stormhond“ hat es mir total angetan. Dieser ist auch immer für einen witzigen Spruch gut und hat am Ende sogar noch eine immense Überraschung auf Lager.
Wenn man die Zeit im kleinen Palast weg nimmt, hat man mit „Eisige Wellen“ einen erneut spannenden und mitreißenden Fantasyroman in der Hand, der sich leicht und auch schnell lesen lässt. Ich hätte mir wirklich gewünscht, einige Stellen hier und da ein bisschen einzukürzen, damit man nicht so lange auf der Stelle tritt und mit Informationen überschüttet wird, die wirklich irrelevant sind. Das war anstrengend und ermüdend. Am Ende wurde ich jedoch für meine Geduld belohnt: Es erwartete mich ein wirklich grandioses Ende, welches erneut einen Cliffhanger zu bieten hat, der einen neugierig auf den letzten Band macht. Dadurch, dass ich allerdings schon ein bisschen mit diesem hier kämpfen musste, werde ich „Lodernde Schwingen“ zu einem späteren Zeitpunkt lesen.

Ich bin deinetwegen hier. Du bist meine Flagge. Du bist meine Nation. Aber das ist offenbar nicht mehr wichtig. […] „

Vom ersten Band der Trilogie war ich beeindruckt. So sehr, dass ich gleich zu diesem gegriffen habe. Bedauerlicherweise wurde ich jedoch enttäuscht. „Eisige Wellen“ kann leider nicht mit dem ersten Band mithalten. Weder was das Tempo, noch was die Spannung angeht. Besonders der Mittelteil zieht sich wie Kaugummi. Doch am Ende wird man fürs Durchhalten belohnt. Ich bin schon neugierig, wie es weiter geht. Besonders wie sich Alina weiter entwickelt und auch die Figur „Stormhond“ hat mich neugierig gemacht.

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Grischa #3: Wirklich schlechter Abschluss

 

Original: Ruin and Rising
Grischa #3 | 26.09.19 | 432 Seiten | Knaur. | Autorin

Tief unter der Erde versteckt sich Alina vor dem Dunklen, der nun endgültig die Macht in Ravka übernommen hat. Um sie hat sich ein Kult gebildet, der sie als Sonnenkriegerinverehrt – doch in den Höhlen kann Alina ihre Kräfte nicht anrufen. Und die einst mächtige Armee der Grisha ist fast vollständig zerschlagen.
Alinas letzte Hoffnung gilt nun den magischen Kräften des legendären Feuervogels – und der winzigen Chance, dass ein geächteter Prinz noch leben könnte. Gemeinsam mit Mal macht sich Alina auf die Suche. Doch der Preis für die uralte Magie des Feuervogels könnte alles zerstören, wofür sie so lange gekämpft haben.

 

 

 

Nachdem ich vom zweiten Band der Reihe schon nicht so begeistert gewesen bin, habe ich eine Zeit gebraucht, um mir den letzten überhaupt zur Hand zu nehmen. Ich hatte Angst erneut gelangweilt zu werden. Eben wieder auf der Stelle zu stehen.
Im letzten Band hat Alina und ihre „Crew“ den zweiten Kräftemehrer bekommen und ist nun auf der Suche nach dem letzten. Zudem steht ja auch noch die große Schlacht gegen den Dunklen an. Der Abschluss versprach also sehr, sehr viel. Vor allem große Spannung. Ich war sehr skeptisch und sollte letztendlich auch Recht behalten. Die Geschichte dümpelt am Anfang erneut vor sich hin. Alina ist ewig unter der Erde, ohne das irgendwas passiert, was die Geschichte endlich voran treibt. Ich weiß gar nicht, wie lange ich mich durch die Seiten gequält habe, bis es zumindest endlich mal wieder an die Oberfläche ging. Dort erneut das, was die Protagonistin am Besten kann: Sie redet darüber, was alles noch gemacht werden muss und es werden Pläne geschmiedet, wie diese zu erreichen sind. 

Trauer hat ein Eigenleben, sie zehrte von sich selbst.

Und das Seitenlang. Zwischendurch gibt es immer mal wieder einen kleinen Kampf, der wohl ein bisschen Action in die Geschichte bringen soll. Die Ausgänge dessen waren allerdings stets so vorhersehbar, das selbst diese mich genervt und gelangweilt haben. Im Grunde genommen geht es um den Feuervogel, den Alina noch braucht um alle drei Kräftemehrer beisammen zu haben. Bis sie sich aber endlich mal auf die Suche nach dem Federvieh machen, vergehen endlose Seiten, in denen sich die Autorin in die detaillierte Beschreibung der Umgebung verliert und dabei ihren Plot völlig aus den Augen verliert. Ich kenne jede Farbe eines jeden Blattes und weiß genau, wie der Himmel zu welcher Zeit gefärbt war, um es mal überspitzt zu sagen. Was wirklich in Alina oder den anderen Figuren vor ging, das weiß ich allerdings nicht. Ich bin bis jetzt noch völlig ahnungslos, was mit den Protagonisten passiert ist. Wann wurden sie so blass, so unscheinbar und so unfassbar nervig? Mal ist so vernarrt in Alina, dass er keinerlei Vernunft mehr versprüht. Und Alina ist so geblendet von der Macht, die sie besitzen will, dass auch sie mir von Seite zu Seite unsympathischer wurde.
Leigh Bardugo hat zwar noch ein paar Plottwists eingebaut, letztendlich war allerdings auch mit einem dieser zu rechnen.  Aber war da nicht noch etwas wichtiges? Klar! Die große Schlacht gegen den Dunklen, die vielleicht einem kleinen Kampf glich. Mal eben so auf ein paar Seiten abgehandelt, als würde sie nicht im Mittelpunkt stehen. Das fand ich echt schade! Zudem gibt es erneut so viele Dinge, die ich an den Handlungen der Protagonisten einfach nicht nachvollziehen konnte…

Gut möglich, dass die Liebe letztendlich nur die Sehnsucht nach einem Glanz war, den man nie erhaschen konnte.

Der letzte Band beinhaltet leider nicht das grandiose, spannende Finale, was ich mir gewünscht hätte und was ich schlicht erwartet habe. Die eigentliche Handlung nur in ein paar Seiten abgegolten, dabei aber viel über das Setting und andere Nebensächlichkeiten geschrieben. Auch der Kampf und die „Sache“ mit dem Feuervogel hätte ich mir intensiver gewünscht. Schade!

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Fazit

Ich war am Anfang noch hin und weg von Grischa. Gerade der erste Band ist super spannend. So sehr, dass ich ihn gar nicht mehr aus der Hand legen konnte. Im zweiten geht es schon los, dass die Geschichte in die Länge gezogen wurde und am Ende, in „Lodernde Schwingen“ hat sich die Autorin zu sehr in ihrer Welt verloren und diese dem Leser näher gebracht, als ihre Figuren. Auch den Plot fand ich am Ende nicht gut umgesetzt. Hier hätte ich mir einfach mehr gewünscht. Dort mehr Einzelheiten und dafür mal weniger von anderem, was einen nicht weiter bringt.
Am Ende bin ich wirklich froh, dass ich die Grischa-Trilogie jetzt endlich fertig gelesen habe. So weiß ich jetzt, dass ich den Hype darum absolut nicht verstehen kann und auch, dass ich kein weiteres Buch der Autorin lesen werde.

 

Die Grischa-Reihe: Goldene Flammen | Eisige Wellen | Lodernde Schwingen

 

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3 Comments

  • Dana 3. Mai 2020 at 16:45

    Hey,

    schade, dass dich die Trilogie im Endeffekt nicht überzeugen konnte … bei mir war es tatsächlich genau andersherum und ich fand sie mit jedem Band besser. Ich gebe zu, dass manchmal handlungstechniches nicht allzu viel passiert, dennoch habe ich die Reihe durchweg als sehr fesselnd empfunden und mochte gerade Alinas Entwicklung sehr gerne!

    Liebe Grüße
    Dana

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    • Dörte 4. Mai 2020 at 8:33

      Liebe Dana,
      da sieht man mal wieder wie unterschiedlich die Geschmäcker sind, was gut ist! Die Entwicklung von Alina hat mich zusehends genervt. Sie wurde mir immer unsympathischer, was ich ja auch schon gesagt habe. Schade, dass die Reihe mich nicht überzeugen konnte, ich habe echt gehofft, ich würde sie mögen.
      Dir einen schönen Tag.
      Alles Liebe
      Dörte

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  • April: Was war bei mir so los? Rückblick | Books and Family 4. Mai 2020 at 10:41

    […] War okay | War viel zu langweilig Drei Schritte zu dir | Lodernde Schwingen […]

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