Ist Angst ansteckend?

Posted on 18. März 2020 by Dörte

Wie ihr sicherlich schon mitbekommen habt, ist es gerade sehr ruhig hier auf meinem Blog*. Warum? Das ist der aktuellen Lage geschuldet. Zuerst habe ich den Geburtstag meines Mannes vorbereitet und dann wurde die Krippe, wegen des Virus geschlossen. Ich muss sagen, dass ich über das Thema eigentlich kein Wort verlieren wollte. Und auf den Zug der Angst wollte ich auch nicht aufspringen. Doch soll ich euch mal etwas sagen? Langsam aber sicher habe ich auch Angst! Die allgemeine Lage beunruhigt mich. Ich bin total unsicher und weine sehr viel.

 

Corona und Schwangerschaft

Da der Virus noch nicht so sehr erforscht ist, ist es auch noch unsicher, wie eine werdende Mutter und ihr Ungeborenes darauf reagieren. Geht der Virus auf das Ungeborene oder ist es total geschützt? Gibt es Anzeichen, dass das Baby bei der Geburt vielleicht einen Schaden zurück behalten hat? Und wie reagiert eine Schwangere generell, wenn sie infiziert ist? Wie laufen die Vorsorgeuntersuchungen ab, oder werden diese dann gar gestrichen, bis sie gesundet ist?! Fragen über Fragen, auf die es eben keine 100%ige Antwort gibt. Zwar heißt es, dass insbesondere Kinder und Neugeborene nichts zu befürchten hätten, wirklich erwiesen ist dies aber auch nicht. Zudem habe ich auch gelesen, dass Schwangere nicht zur Risikogruppe gehören, sondern ziemlich gut geschützt sind. Das hat mir erst Mut gemacht, bis ich zu der Stelle kam, wo geschrieben stand, dass es aber auch nicht sicher ist, weil der Virus eben noch nicht in der Gänze erforscht wurde. Wenn ich nicht schwanger wäre, hätte ich sicherlich auch Angst, allerdings wohl nicht so sehr. Ich mache mir sehr große Sorgen um meinen ungeborenen Sohn. Um den weiteren Verlauf der Schwangerschaft und auch um die Geburt.

 

Dystopisch

Habt ihr, als Bücherwürmer nicht auch das Gefühl, dass wir gerade selbst die Protagonisten in einer Dystopie sind? Ich weiß gar nicht, wie oft ich schon gesagt habe, dass genau dies total zutrifft. Da gibt es eine Person, die nicht auf den Panikzug aufspringen möchte. Die sich zurück hält und weiter macht, wie bisher. Es interessiert sie nicht, ob die Menschen nun hamstern oder nicht. Auch nicht, dass die Autobahnen überfüllt sind, weil alle das Weite suchen. Und dann? Dann sitzt sie da mit Nichts. Sie bekommt nichts mehr zu Essen und zu Trinken, weil alle Supermärkte geplündert wurden und da ist auch niemand mehr, weil alle geflüchtet sind. Glücklicherweise ist es bei den meisten Dystopien so, dass es am Schluss irgendwie noch ein gutes Ende nimmt. Und ja, natürlich sind es hier auch nicht solche Ausmaße, aber ich habe selbst schon gedacht: „Ach Mann, hättest du man das blöde Klopapier gestern doch mitgenommen!“ Denn plötzlich gibt es das nicht mehr.

 

Die Angst und die Ansteckung

Wie ich schon sagte, haben wir uns nicht verrückt machen lassen. Wir haben soweit es ging wie immer gelebt. Nur noch intensiver aufs Händewaschen geachtet. Minis habe ich hinterher immer noch mal gewaschen, weil er alleine das natürlich noch nicht so gründlich hinbekommen. Desinfektionszeugs hatte ich eh schon immer bei mir, weil kleine Kinder eben auch gerne mal etwas anfassen, was nicht so lecker ist, und hinterher dann irgendwas essen wollen. Wir haben also aufeinander geachtet und eingekauft wie immer. Vielleicht haben wir die Menschen, die zuhauf Zeugs gebunkert haben, sogar ein bisschen belächelt, das gebe ich zu. Wir waren ruhig, vielleicht nicht gerade entspannt, aber wir haben uns auch nicht verrückt gemacht. Die Angst war ziemlich weit weg.
Doch dann wurden die Schulen und Krippen geschlossen, die Ereignisse überschlugen sich. Auf einmal war plötzlich alles anders. Mein Mann bat mich darum, nicht mehr einkaufen zu gehen. Er würde alles besorgen, was wir brauchen. Ich bleibe mit Mini zu Hause und mache nur Spaziergänge mit ihm. Spielplätze, Freunde treffen, etc. Alles ist tabu. Nicht nur zu unserem Schutz, sondern auch zum Schutz der anderen. Mein Mann hat am Montag eingekauft und sich tatsächlich von der Angst anstecken lassen. Er wollte nicht so viel kaufen, tat es aber doch, weil er schlicht Angst hat, bei den ganzen Hamsterkäufern nichts mehr zu bekommen und seine Familie nicht mehr ernähren zu können.

 

Danke an den Einzelhandel!!!

Wir wissen, dass die Lager voll sind und ich weiß auch, wie es läuft, schließlich arbeite ich selbst im Einzelhandel, aber wenn da so eine Masse an Menschen plötzlich durchdreht, dann ist das echt ansteckend. Angst ist schlimm. Sie lässt einen irrational handeln. Angst ist ansteckend. Ich habe es miterlebt und ich lebe gerade immer noch damit. Keine Ahnung, wie ich reagieren würde, wäre ich nicht im Beschäftigungsverbot. Ich glaube, ich würde durchdrehen. Die vielen Menschen in den Supermärkten. Ich kann mir vorstellen, wie manche sind. Wie manche rücksichtslos durch die Gänge gehen und ihren Frust, nein, ihre Angst an den Angestellten auslassen. Und diese? Die müssen sich immer freundlich verhalten… Ich ziehe meinen Hut vor euch! Danke, dass ihr so tolle Arbeit leistet!

 

Die Sache mit der Rücksichtnahme

Und da wäre ich auch schon beim Thema: Rücksicht gibt es bei den meisten momentan nicht. Sie sind so blind vor Angst und Panik, dass sie sich selbst die Nächsten sind. Das ist erschreckend! Besonders die ältere Generation, die als Risikogruppe gilt, sehe ich hier friedlich durch die Stadt spazieren. Beim Einkaufen, oder gar mit ihren Enkeln auf dem Spielplatz spielen. Ich kann es nicht nachvollziehen, wie man jetzt in so einer Situation sagen kann „Man lässt sich nicht einsperren“. Darum geht es gar nicht. Es geht darum die Risikogruppen vor dem Virus zu schützen, denn wenn das alles so weiter geht, werden die Ressourcen einfach knapp. Es gibt nur Summe X an Sauerstoffgeräten. Sind diese vergeben, ist pups. Ich kann mir kaum vorstellen, dass irgendjemand Lust darauf hat entscheiden zu müssen, wer nun eines bekommt und wer nicht. Leben oder Sterben? Diese Ignoranz macht mich krank! Ich selbst habe es unterschätzt. Ich habe gedacht, das dauert jetzt ein paar Wochen und dann kräht kein Hahn mehr danach. Und jetzt sitze ich hier, habe selbst Angst und schreibe diesen Artikel, während mein Sohn „Die Maus und den Elefanten“ schaut. Ich möchte und werde ihn schützen, so gut ich das kann. Er bemerkt zwar, dass etwas anders ist, aber versteht es natürlich noch nicht.

 

Die Sache mit der Influenza

Das ist auch noch eine Sache, die mich wahnsinnig macht. Erst den Corona Virus ins Lächerliche ziehen und dann zu sagen, dass die Influenza ja eh viel schlimmer ist. Gegen diese gibt es allerdings eine Impfung! Man kann beides nicht miteinander vergleichen. Das Eine ist erforscht, das Andere gerade ganz neu. Natürlich macht das einem Angst. Das ist doch normal!

 

Zum Schluss

Ich hoffe sehr, dass unsere Dystopie keine Trilogie, oder eine noch längere Reihe wird und das wir schon knapp über die Hälfte gelesen haben. Ich hoffe, dass es hilft zu Hause zu bleiben und dass wir vielleicht irgendwann im Sommer wieder einigermaßen „normal“ leben können. Eine Freundin hofft das auch, glaubt aber nicht daran. Ich drücke uns jetzt einfach mal die Daumen. Zudem wäre es toll, wenn wir alle zusammenhalten würden. Aufeinander Rücksicht nehmen, einander helfen würden. Nehmt den Virus bitte Ernst, aber bekommt keine Panik. Ich weiß, dass es gerade eine schwere Zeit ist, ich bin mir aber sicher, dass wir sie überstehen werden. Zu welchem Preis steht jedoch noch in den Sternen.

 

Bleibt gesund und passt auf euch auf! 

 

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1 Comment

  • j125 22. März 2020 at 14:17

    Hallo Dörte,

    ich glaube definitiv, dass Angst ansteckend ist. Das ist ja das gefährliche. Im Grunde ist Angst ja ein Schutzmechanismus, aber wenn sich so viele davon anstecken lassen, dann setzt das rationale Denken aus und dann kommt es zu solchen Zuständen.

    Ich nehme mich da aber nicht aus, denn ich habe vor einer Woche noch überlegt, ob ich mir Brötchen beim Bäcker oder bei Netto hole. Ich bin dann zu Netto gegangen, damit ich gleichzeitig auch noch eine Packung Klopapier und eine Packung Nudeln mitnehmen kann, obwohl ich von beidem noch eine fast volle Packung Zuhause hatte und ja nur mich versorgen muss.

    Ich finde das auch ganz furchtbar, dass einige Menschen ihren guten Manieren (sofern sie überhaupt welche haben) vergessen. Wie kann man sich um Klopapier prügeln? Ich versteh das nicht. Klopapier kann man im Falle eines Falles nicht essen… Was nicht heißen soll, dass ich gerechtfertigt finde, sich um Nudeln zu prügeln.

    Als ich in den Nachrichten gehört habe, dass man in Italien erstmal schaut, ob die Person überhaupt eine Überlebenschance hat und wenn nein, sie gar nicht erst an die Geräte anschließt, fand ich das ganz furchtbar. Es ist sicher sinnvoll, tut deswegen aber nicht weniger weh.

    Für mich persönlich sind die Geschäftsschließungen gerade alles andere als praktisch und eine Ausgangsbeschränkung kann ich auch überhaupt nicht gebrauchen, aber wenn das notwendig ist und es tatsächlich Wirkung zeigt, dann sollte man es auf jeden Fall umsetzen.

    Ich hoffe jetzt erstmal, dass es bald einen günstigen Schnelltest gibt, damit man die Leute, die trotz allem noch Kontakt zu vielen Menschen haben (müssen) testen kann. Ich arbeite selbst mit Kunden und ich mag mir gar nicht vorstellen, wieviele Leute in Verwaltungen, Supermärkten etc. arbeiten und infiziert sind, ohne Symptome zu haben.

    Ich wünsche dir und deiner Familie jedenfalls alles Gute. Bleibt gesund und versuche positiv und stark zu bleiben. Du weißt ja, dass genau das Eigenschaften sind, die ich an dir so bewundere ♥ Du bist ein Stehaufmännchen und auch die jetzige Situation wird dich stärker machen.

    Alles Liebe
    Julia

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