Mechtild Borrmann – Die andere Hälfte der Hoffnung

Posted on 25. Februar 2020 by Dörte

02.11.15 | 320 Seiten | Knaur. | Autorin

Valentina wartet auf die Rückkehr ihrer Tochter aus Deutschland. Seit Monaten hat sie nichts mehr von ihr gehört. Sie scheint spurlos verschwunden – wie viele andere Studentinnen, die angeblich ein Stipendium in Deutschland erhalten haben. Valentina lebt dagegen in der verbotenen Zone von Tschernobyl, ihrer alten Heimat. Um dem trostlosen Warten und dem bitterkalten Winter zu trotzen und die Hoffnung nicht zu verlieren, beginnt Valentina ihre Lebensgeschichte aufzuschreiben. In Deutschland versteckt währenddessen Martin Lessmann eine junge osteuropäische Frau vor ihren Verfolgern. Als sie sich kurz darauf die Pulsadern aufschneidet, rettet er sie ein zweites Mal – und erfährt Ungeheuerliches.

 

 

 

War sie jemals vorbereitet gewesen? Konnte man sich auf den Tod vorbereiten?

 

 

Mechtild Borrmann versteht es wie keine andere Zeitgeschichte und Krimi miteinander zu verknüpfend. Auch in „Die andere Hälfte der Hoffnung“ begeben wir uns als Leser in die Vergangenheit. Valentina lebt in der Sperrzone und schreibt von der Zeit kurz vor dem schweren Reaktorunglück in Tschernobyl. Dabei nimmt sie kein Blatt vor den Mund. Ihre Worte haben mich zutiefst berührt. Valentina erzählt, wie sie ihren Mann kennenlernte, ihren Sohn auf die Welt brachte und wie schnell sich ihr Leben in den 80er Jahren veränderte, als der Reaktor explodiert ist. Es hat mich erschreckt, was damals geschehen ist und wie mit den Menschen umgegangen wurde. Zudem ist das gesamte Zeitgeschehen an Grausamkeit einfach nicht zu überbieten.
Valentinas Geschichte ist einer von insgesamt drei Erzählsträngen. Am Ende verbinden sie sich und ergeben eine logische und sehr berührende Geschichte. Bis dahin erfährt man viel aus Tschernobyl und viel aus der Gegenwart. Da wäre zum Beispiel auch noch Martin Lessmann, der eine junge Frau rettet, nichts ahnend, worauf er sich da eingelassen hat. 

Das hysterische Krächzen der Geigenzähler, wenn die Strahlung der Männer gemessen wurde, ist mir bis heute im Ohr.

Lessmann setzt sich für die Frau ein und erfährt so einiges. Außerdem begleiten wir auch noch einen Kommissar, der sich auf die Suche nach Valentinas Tochter macht.
Die einzelnen Stränge haben allesamt ihre eigene Spannung und ihren eigenen Zauber. Ich mag den Aufbau, den die Autorin gewählt hat, sehr. So schwebt am Ende eines Kapitels meist ein großes Fragezeichen, welches aber erst in einem späteren Kapitel aufgeklärt wird, da die Figuren und das Setting von Kapitel zu Kapitel springen. Dadurch hält Borrmann die Spannung stets auf einem sehr hohen Level.
Den Weg zum Ende und zur Auflösung der Geschichte, hat viele Überraschungen zu bieten, mit denen ich allesamt nicht gerechnet hätte. Mir gefällt sehr, wie die Autorin mit ihren Worten spielt und einem das Ereignis, sowie ihre Figuren sehr nahe bringt. Besonders mit Valentina habe ich sehr mitgelitten und  hatte des Öfteren auch mal ein Tränchen im Auge. Wie es den Mädchen in Deutschland erging, und wie ich das empfunden habe,  möchte ich erst gar nicht erwähnen.

Alles war falsch, und es gab nichts, was ich hätte richtig machen können. […] Aber so was kann man nicht denken, ohne die Hoffnung zu verlieren. Und ohne Hoffnung wird man verrückt!

„Die andere Hälfte der Hoffnung“ ist ein sehr starker Roman von Mechtild Borrmann, der mit viel Spannung, einem hohen Tempo und einer großen Portion Gefühl punkten kann. Mir gefällt die Art Borrmanns ihre Geschichten zu Papier zu bringen. Ich bin erneut davon begeistert, wie sie ihre Figuren gezeichnet hat und was sie für eine Botschaft übermittelt: Niemals die Hoffnung zu verlieren!

************************************************************************************************************************

 

Weitere Rezension: Mein Lesezauber
Die andere Hälfte der Hoffnung

 

 

Dir hat der Beitrag gefallen? Dann mach doch auch andere darauf aufmerksam!

No Comments

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.