Haben wir verlernt miteinander zu reden?

Posted on 7. Januar 2020 by Dörte

Seit langer Zeit beschäftigt mich dieses Thema. Angefangen hat es eigentlich, als ich „Was perfekt war“ von Colleen Hoover gelesen hatte. Da spielt das Reden auch eine sehr wichtige Rolle. Zu sehr ins Detail gehe ich da aber jetzt natürlich nicht. Alle, die das Buch kennen wissen genau, wovon ich rede. Jedenfalls gehe ich da jetzt einfach mal schlank von aus.

 

Social Media ist – gefühlt – unser Aus

Denn wer kennt es nicht? Da schreibt man mal eben schnell eine Whatsapp. So zwischen Tür und Angel, denn in der heutigen Zeit muss alles schnell gehen. Hier gibt es Druck vom Chef, dort quengeln die Kinder. Unsere Leben gleichen einer Fahrt mit dem ICE. Wo bleibt da die Zeit für das Zwischenmenschliche?
Ich will mich da überhaupt nicht frei sprechen. Auch ich bevorzuge die schriftliche Art und Weise der Kommunikation. Telefonieren dauert bei mir meist ewig lange, weil einmal angefangen, höre ich nicht mehr auf zu reden. 😉 Und dafür reicht mir meist, wie oben schon erwähnt, meine Zeit einfach nicht aus. Wenn ich allerdings etwas als wirklich wichtig empfinde, dann suche ich das Gespräch unter vier Augen und, ganz wichtig: Ich mag es lieber meine Familie und meine Freunde um mich zu haben, da kommuniziere ich natürlich auch und lasse das Handy Handy sein.

 

Missverständnisse über Missverständnisse

Gerade in einer Whatsapp Nachricht, in einer Email, oder sonst auf dem schriftlichen Weg, kann so viel falsch verstanden werden. Wenn man sich gegenübersteht und sich gegenseitig foppt, dann merkt man das sofort. An der Gestik oder Mimik seines Gegenübers. Eine Nachricht hat sowas aber nicht. Da schreibt einer etwas, was er als lustig empfindet und der andere versteht es falsch, obwohl das sonst nie der Fall gewesen war. Vielleicht hatte der Empfänger eh schon einen schlechten Tag und kann einfach nicht anders. Dann versucht man es richtig zu stellen und schreibt, schreibt und schreibt. Aber was passiert? Man macht es nur noch schlimmer. Das Ende vom Lied ist ein Zerwürfnis. Man schreibt nicht mehr, man blockiert sich und reden? Hallo? Auf keinen Fall! Schließlich hat man das vorher ja auch schon nicht (mehr) getan.

 

Verlernen wir das Reden also?

Ich weiß es nicht. Ich stelle mir fast jeden Tag genau diese Frage und jeden Tag komme ich zu keinem Ergebnis. Seit ich Colleen Hoover gelesen habe, sind ein paar Monate vergangen. In dieser Zeit sind ständig Dinge passiert, bei der mir diese Fragestellung wieder in den Sinn kam. Top aktuell ist dieses Thema bei mir übrigens auch gerade. Ich selbst glaube nicht, dass ich es verlernt habe über meine Sorgen und Nöte, über meine Ängste, aber auch über meine Freude und Ziele zu sprechen. Ich glaube aber gleichzeitig, dass man es irgendwann auch Leid sein kann ständig über dasselbe zu sprechen. Sich ständig zu wiederholen, ohne, dass es beim Gegenüber so richtig ankommt. Hier fällt mir gleich wieder der Spruch ein: „Ich bin nur dafür verantwortlich, was ich sage und nicht dafür, was du verstehst!“ So geht es mir gerade. Ich bin es Leid missverstanden zu werden, obwohl ich mich klar ausdrücke. Ich meine nicht etwas anderes, wenn ich sage: „Du bist mir wichtig!“ Und da steht auch nichts zwischen den Zeilen, wenn ich schreibe: „Ja okay, das ist eine gute Idee!“ Warum muss man in Geschriebenes so viel hineininterpretieren und kann es nicht einfach als das hinnehmen, was da auch steht?!

 

Warum sprechen wir also nicht (mehr) miteinander?

Gibt es Streitigkeiten, weil wir uns nicht mehr ausdrücken können, oder weil wir uns absichtlich falsch verstehen? Geht es nicht nur um das Reden, sondern auch um das Zuhören? Weil wo ein Redner ist, ist natürlich auch jemand, mit dem gerade gesprochen wird. Muss die Fragestellung also eher lauten „Hören wir einander nicht mehr zu?!“ Es ist gerade ein bisschen wie die Frage nach dem, was zuerst dagewesen ist, das Ei oder das Huhn. Ohne das Eine gibt es das Andere nicht.
Ich finde es traurig, dass es so ist, wie es ist. Das Freundschaften den Bach runter gehen, weil man sich nicht mehr ehrlich sagen kann, was einen stört, oder was einem an dem anderen liegt. Sagt man das Eine, ist man vielleicht beleidigt, weil man es falsch versteht. Sagt man das Andere, glaubt man es nicht, weil man es nicht glauben will.
Dass Ehen keinen Bestand haben, weil man „keine Lust“ hat, miteinander ein „Problemgespräch“ zu führen. Und wenn man spricht, dann streitet man sich. Man schreit sich an, vergreift sich im Ton und zerreißt so das Band, was sich einmal entwickelt hatte. Ist es das wert? Nein!

 

Über jeden Sche*ß sprechen!

Denn wenn es euch berührt, ist es kein Sche*ß! Und jeder, der einem wichtig ist, wird zuhören. Wird helfen, wird sprechen. Da bin ich mir sicher. Ich handhabe das so. Was mich bewegt, stört, freut, wird angesprochen. Jede Kleinigkeit. Es wird nicht zerredet, sondern angesprochen und so kann sich nichts anstauen. Letztendlich ist es doch meist so, wenn man viel runterschluckt, was im einzelnen gar nicht so wild gewesen wäre, entpuppt sich bei einem Haufen Kleinigkeiten zu einer ziemlich großen Bombe. und wenn die hoch geht: Halleluja!
Wenn man erstmal nicht mehr miteinander sprechen kann, aus welchen Gründen auch immer, dann hat man verloren. Zumindest sehe ich das so. Wenn es nichts mehr zu reden gibt, dann ist das zweifellos das Ende.

 

Wie seht ihr das?
Eure Meinung interessiert mich brennend!

 

 

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5 Comments

  • Yvo (Wuschel) 7. Januar 2020 at 11:21

    Liebe Dörte,

    ich bin da voll bei dir! Wobei sich mir die Fußnägel hochrollen bei dem Sprichwort „Ich bin nur verantwortlich für das was ich sage, nicht für das was du verstehst“. – Da hab ich ein kleines Trauma hinter mir. Inzwischen verwende ich diesen Spruch aber tatsächlich selbst wieder.

    Gerade wie du sagst „Wir antworten zwischen Tür und Angel“. Das ist so grausam. Ich versuche das zumeist zu vermeiden, außer es ist machbar. Die Antwort auf eine simple Frage beispielsweise. Ansonsten kann es sein, dass ich eine Nachricht lese und später antworte. Natürlich kann es dann auch passieren, dass ich vergesse zu antworten, aber bisher muss ich sagen -toi, toi, toi, es wurde mir nachgesehen. Unlängst beschwerte sich eine Bekannte, dass ich die blauen Haken aus hätte bei WA. Ich erklärte ihr, dass genau solche Aussagen für mich das Problem dahinter seien, denn wer schon darauf achtet, das der andere liest, der wird auch erwarten, dass man direkt antwortet. Aber warum? Warum darf ich mir nicht die Zeit nehmen und der Person meine Wertschätzung zeigen indem ich das tue? Ich finde das wichtig und wünsche es mir auch von meinem Gegenüber. Soll er doch lange brauchen zum Antworten, gerne, nur zu, dafür dann bitte mit Bedacht.
    Ist es wirklich wichtig, dann versuche ich die Person telefonisch zu erreichen. Und möchte ich ernsthafte Gespräche führen, dann trifft man sich eben mit der Person.

    Ich habe auch die eine oder andere Person im Bekanntenkreis, die schlichtweg schreibfaul ist. Nicht nur, dass die Texte dann immer sehr kurz sind, nein, sie enthalten dann auch noch etliche Abkürzungen und es kommt – aus meiner Sicht – permanent zu Missverständnissen. Zudem nervt es mich ungemein, dass ich jedes Mal nach dem Sinn der Nachricht fragen muss. Warum können die Menschen nicht einfach schreiben was sie wollen und fertig? Von solchen Personen distanziere ich mich ganz klar, zumindest in Sachen Kommunikation im geschriebenen Wort. Dafür ist mir meine Zeit zu schade und mein Nervenkleid.

    Also ja, wir verlernen das Reden. Wir verlernen uns auszudrücken, zu verstehen, zuzuhören. Fatal finde ich immer wieder in den Buchcommunities, wo der Schwerpunkt auf dem Lesen liegt, aber dennoch nur die Hälfte gelesen wird. „Oh, das war doch kein Print? Ich dachte es gäbe ein Print“ – Nein, stand auch so in der Ausschreibung. Aber gut. Ich könnte darüber vermutlich noch bis morgen schreiben. 😀 Ich denke, dass du weißt was ich meine.

    Und jetzt gehe ich mich für die ABC-Challenge anmelden. xD
    Liebe Grüße,
    Yvo

    Reply
    • Dörte 13. Januar 2020 at 13:42

      Hallo Liebes,
      tut mir Leid, dass sich dir bei dem Satz die Fußnägel aufrollen. 😐 Weißt du, ich bin es nur so Leid, dass ich mich manchmal selbst zensieren muss bei dem, was ich sage. Wenn ich etwas sage, dann meine ich das genau so, wie ich es gesagt habe und nicht so, wie die betreffende Person denkt, wie ich es meine. Es ist nur so anstrengend und genau deshalb ist der Satz momentan so unfassbar passend. Wenngleich sich das jetzt auch erledigt hat, da ich mit der betreffenden Person sowieso fertig bin.
      Ach ja, die blauen Haken bei Whatsapp. Die habe ich auch ausgeschaltet aus eben diesen Gründen! Das hätte ich tatsächlich auch noch mit in den Artikel mit reinschreiben können.
      Manchmal hat man eben nicht die Zeit ausführlich zu antworten und lässt es dann erstmal. Mir passiert es dann sogar häufig, dass ich es vergesse. *schäm* Aber das wissen die meisten auch und sehen es mir nach.
      Warum können die Menschen nicht einfach schreiben was sie wollen und fertig? Genau so! Das würde ich mir auch wünschen und nicht ständig dieses Hin und Her. Klare Ansagen und fertig und nicht dieses indirekte Blabla.
      Weißt du, wo ich es auch vermehrt bemerke? Wenn ich Gewinnspiele veranstalte. Dort steht: Beantworte Frage XY in den Kommentaren und was bekomme ich als Antwort auf die Frage: „Wie findet ihr gerade das Wetter“? „Ich würde sehr gerne gewinnen, weil ich das Buch schon lange lesen möchte.“ Oder: „Vielen Dank für das Gewinnspiel, da versuche ich doch gerne mal mein Glück.“ Ähm… What? Das kann ich nicht verstehen. Du?
      Brav, dass du dich angemeldet hast. 😉
      Alles Liebe
      Dörte

      Reply
  • Hibiscusflower 9. Januar 2020 at 16:38

    Aber auch hier wollte ich etwas geschrieben haben, liebe Dörte.

    Um deine Eingangsfrage schlicht und einfach zu beantworten – JA!

    Ich bin mir gerade nicht sicher, ob ich viel näher darauf eingehen mag,
    da auch mich diese Problematik ziemlich beschäftigt, besonders weil
    ich mich in unserem Umfeld ziemlich einsam damit fühle.

    Ich habe mich bewusst gegen WA oder einer der unendlich vielen Plattformen
    entschieden, weil mir auch ohne all dem schon oft die Zeit vorn und hinten fehlt.

    Interessanterweise erspart mir dies so einige `Sinnlosnachrichten´, Missverständnisse
    und was dies noch so alles mit sich bringt. jedenfalls beobachte/höre ich das zumindestens
    im Umfeld. Und schon fühle ich mich in meiner Entscheidung bestätigt, selbst wenn man mich
    nicht selten groß angeschaut wird, weil man nicht bei x,y,z ist.

    Letzteres belustigt mich mittlerweile sogar. `lass uns mal…´ – `ich stehe doch jetzt mit dir
    zusammen…´ – `ah, ich muss noch eben der schreiben, dem antworten…´ – `na dann,
    bis irgendwann´.
    Ich hoffe, du kannst erahnen, welchen Part ich hier habe?

    Und ganz ehrlich? Es stört mich einfach nicht! Mal abgesehen davon, dass ich eh keine
    große Plaudertasche bin, Klatsch und Tratsch mich nicht interessieren, gibt es nicht viel,
    das ich weniger mag als Oberflächlichkeiten.

    Und genau diese schleichen sich ein, lassen vergessen, was man wirklich will und noch
    viel schlimmer, man gibt sich damit zufrieden, weil man eine Masse davon hat und wo sollte
    dabei noch die Klasse ein Plätzchen finden.

    Ich stehe auf richtige Gespräche, gemeinsames Lachen und auch offene Worte, die mal
    zwicken und zwacken. Doch dazu sollte man sich auch in einem Raum/am gleichen Ort
    befinden.

    Danke für deinen tollen Beitrag, die Oldschool-Hibi, die sich früher zum Spielen verabredet
    hat und tatsächlich noch draußen war und nicht verabredet und jeder für sich allein per
    Phone unterhaltend 😀

    Reply
    • Dörte 13. Januar 2020 at 13:48

      Liebe Hibi,
      diese Sinnlosnachrichten, von denen du sprichst, die kenne ich (leider) auch. Jetzt gerade in Zeiten von Whatsapp gibt es zig Gruppen. Bei jedem Pups wird eine erstellt, in der man dann erstmal drin ist. Und dann gehen die Nachrichten los, die stellenweise nur noch aus Bildern und Videos bestehen, die mich, sorry, nicht so sehr interessieren. Klar ist es praktisch, dass man so „mal eben schnell“ etwas miteinander klären kann, aber da haben wir ja wieder dieses Gehetze. *seufz* Besonders nervig finde ich es, wenn Feiertage anstehen. Ich weiß, das man es natürlich nur gut meint, aber wenn ich dann das 20. Häschenvideo zu Ostern bekomme, reicht es auch. 😉 Ach Mensch, das hört sich jetzt viel gemeiner an, als ich es meine.
      Ich stehe auf richtige Gespräche, gemeinsames Lachen und auch offene Worte, die mal zwicken und zwacken. Doch dazu sollte man sich auch in einem Raum/am gleichen Ort befinden.
      Das bringt es auf den Punkt! Ich mag das auch lieber, muss aber, wie ich auch schon im Beitrag habe, gestehen, dass ich selbst auch gerne mal eine schnelle Nachricht verschicke. Eben weil es schnell geht und ich mich einfach nicht kurz fassen kann, wenn ich erstmal im Redefluss bin.
      Aber ganz ehrlich? Es gibt wirklich nichts Besseres, als sich mit einer Freundin zu treffen, das Handy Handy sein zu lassen und einfach nur mal quatschen. ♥
      Hab einen schönen Tag.
      Alles Liebe
      Dörte

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