Lesen … über den Tellerrand

Posted on 19. Dezember 2019 by Dörte

Mal wieder habe ich ziemlich lange eine Idee im Kopf gehabt, die eine Weile brauchte, bis sie endlich Gestalt annahm und ich wusste, wie ich diese neue Kategorie aufziehen werde.
Wie der Name schon sagt, geht es darum, auch mal etwas zu lesen, was man niemals gelesen hätte. Dabei gibt es verschiedene Gründe. Vielleicht sagt einem das Cover absolut nicht zu? Vielleicht handelt es sich um ein Genre, in welchem man sich einfach nicht zu Hause fühlt? Meine Freundin Marta und ich wollen es jetzt wagen und auch mal „Über den Tellerrand“ lesen. Sie hat mir dazu ein Buch ausgesucht, welches ich wirklich niemals in die Hand genommen hätte. Schon alleine das Cover – Da schüttelt es mich ein bisschen. 😉 Aber, damit es gerecht ist, habe auch ich ihr ein Buch ausgesucht, welches bei ihr dieses Schüttelgefühl auslöst.

 

Und jetzt? Wie läuft es weiter ab?

Marta und ich werden das ausgewählte Buch lesen und uns danach darüber austauschen, was uns gefallen und was uns nicht gefallen hat. Großartig wäre es natürlich, wenn wir beide dadurch viele Bücher kennen-, und lieben lernen, die uns ansonsten durch die Lappen gegangen wären.
Ich werde euch in jedem Beitrag wie in einer Leserunde darüber informieren, wie es mir gerade mit dem ausgewählten Buch geht. Was ich mag, was ich nicht mag und auch, ob ich gerne weiterlese, oder es nur mache, weil es eben dazu gehört. Ich bin wahnsinnig gespannt, was mich erwarten wird. 🙂
Dieser Beitrag wird stets aktualisiert.
Ich möchte an dieser Stelle ausdrücklich darauf hinweisen, dass wir auf Spoiler nicht verzichten können, wenn wir über die einzelnen Abschnitte berichten. Lesen ist also auf eigene Gefahr.

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Lana Lux – Kukolka

Klappentext: Ukraine, 90er Jahre. Große Party der Freiheit. Manche tanzen und fressen oben auf dem Trümmerhaufen der Sowjetunion, andere versuchen noch, ihn zu erklimmen. Auch Samira. Mit sieben Jahren macht sie sich auf die Suche nach Freiheit und Wohlstand. Während teure Autos die Straßen schmücken, lebt Samira mit ein paar anderen Kids in einem Haus, wo es keinen Strom, kein warmes Wasser und kein Klo gibt. Aber es geht ihr bestens. Sie hat ein eigenes Sofa zum Schlafen und eine fast erwachsene Freundin, die ihr alles beibringt. Außerdem hat sie einen Job, und den macht sie gut: betteln. Niemand kann diesem schönen Kind widerstehen, auch Rocky nicht. Er nennt sie Kukolka, Püppchen. Wenn Kukolka ihn lange genug massiert, gibt er ihr sogar Schokolade. Alles scheint perfekt zu sein. Doch Samira hält an ihrem Traum von Deutschland fest. Und ihr Traum wird in Erfüllung gehen, komme, was wolle.
Warum ich es niemals gelesen hätte?
Weil mich das Cover einfach total abschreckt und es auch ansonsten vom Genre her nicht in mein Beuteschema passt.
Warum soll ich es lesen? Weil es Marta berührt hat und sie es mir total ans Herz legt.

 

Lesetagebuch
  1. | bis Seite 74: Die ersten Seiten fand ich tatsächlich interessant. Die Geschichte lässt sich leicht lesen und ich war auch ziemlich schnell drin. Das Mädchen befindet sich am Anfang in einem Kinderheim und reißt aus. Danach landet sie bei Rocky, der ihr ein Zuhause bietet. Nichts ahnend, was sie erwarten wird, begleitet sie ihn.
    Ich muss sagen, dass ich es bis hier echt interessant finde und ich auch wissen möchte, wie es weiter geht. Ihr hört sicher das Aber? Aber so richtig überzeugt bin ich noch nicht. Abbrechen würde ich es jetzt allerdings nicht. Mal schauen, was der nächste Abschnitt bringt.
  2. | Seite 75 – Seite 149: Oh Mann, was dieses kleine Mädchen alles miterleben muss, sollte niemand und vor allem kein Kind durchmachen müssen. Mittlerweile ist „Kukolka“ 13 Jahre alt. Sie hat frisch ihre erste Periode bekommen und ist für Rocky jetzt noch interessanter geworden. Auf eine ekelhafte Art und Weise! Ich schüttel die ganze Zeit den Kopf und bin echt fassungslos und sauer aufgrund der Geschehnisse. Ich wusste natürlich wo das hinführen würde, besonders weil Rocky die gesamte Zeit über immer so blöde Andeutungen gemacht hat, es dann aber zu lesen, ist noch einmal eine ganz andere Nummer. Kukolka ist so naiv, sie hat überhaupt keine Ahnung und macht sich selbst Vorwürfe, was absolut schrecklich ist! Ihr Freundin ist nunmehr nicht so wirklich ihre Freundin. Diese ist eifersüchtig und lässt Kukolka das spüren. Den weiteren Verlauf, vor allem, dass sie auch noch stirbt, aufgrund einer illegalen Abtreibung im „Hinterhof“ setzt dem noch die Krone auf.
    Das Buch ist sehr, sehr düster, womit ich gerechnet habe. Es ist zwar schnell gelesen, dennoch zieht es sich meiner Meinung nach ein bisschen in die Länge. Das Bedürfnis unbedingt weiter lesen zu müssen habe ich nicht. Ich finde es langweilig, da sich die Geschichte zu 90% nur in den Räumen abspielt. Ich hoffe darauf, dass es jetzt im dritten Abschnitt nicht mehr ganz so langatmig ist und außerdem, dass es Kukolka besser gehen wird. Wenngleich ich dies eigentlich für unmöglich halte, da die Geschichte bisher nicht so aufgebaut ist, als würde es ein Happyend für das Mädchen geben.
  3. | Seite 149 – Seite 226: Bedauerlicherweise finde ich es immer noch sehr zäh und langweilig. Ja, es lässt sich gut lesen, aber so wirklich viel passiert einfach nicht. Kukolka ist nun bei Rocky die Nummer eins. Sie begleitet ihn auf seinen Pokertouren und legt sich mächtig ins Zeug. An einer Stelle wird sie sogar von ihm verkauft, wenn er verlieren sollte, doch das tritt schließlich doch nicht ein. Am Ende heißt es, dass er das „natürlich“ niemals gemacht hätte und es nur ein Bluff war. Wer´s glaubt! Das Buch ist mir viel zu düster. Was vielleicht aber auch daran liegen kann, dass ich momentan nicht gut auf so negative Geschichten kann und ich es ja auch gerade in der Weihnachtszeit lese.
  4. | Seite 226 – Seite 300: Auf der einen Seite finde ich immer noch, dass sich das Buch fix weglesen lässt, aber es zieht sich auch so mega in die Länge, dass ich nicht das Bedürfnis habe, unbedingt weiterlesen zu müssen. Ja, es interessiert mich jetzt schon, wie es weiter geht und ich hätte auch ein Problem damit, es nicht zu erfahren, aber die Spannung fehlt mir einfach. Es ist immer dasselbe. Kukolka macht und tut, aber bekommt einen drauf, wenn es nicht gereicht hat.
    Was mir gefällt ist, dass man merkt, wie die Protagonistin älter geworden ist. Sie hinterfragt jetzt mehr und macht „ihr“ Ding. Besonders als sie Dima kennenlernt und sich verliebt, fand ich ihre Reaktion gut und nachvollziehbar. Aufgrund der Tatsache, dass das gesamte Buch absolut negativ und düster ist, habe ich jedoch keinerlei Hoffnung darauf, dass es Dima gut mit ihr meint. Wird er gar noch ihr Zuhälter? Würde mich jedenfalls nicht wundern. Ich ärgere mich ein bisschen, das Buch jetzt erst zu lesen, und nicht schon im Oktober damit angefangen zu haben, als wir uns diese Rubrik überlegten. Nicht, weil ich es so toll finde, sondern weil es absolut nicht in die Weihnachtszeit passt.
  5. | Seite 300 – Ende: Ich wünschte, ich hätte unrecht gehabt. Dima entpuppt sich also wirklich zu ihrem Zuhälter. Und das auch noch sehr klischeehaft. Er hat Probleme, jedenfalls sagt er das. Spielschulden. Und damit er von den Leuten nicht kalt gemacht wird, muss Kukolka nun für ihn anschaffen gehen. Oh Mann! Am Anfang hatte ich schließlich doch noch Hoffnung, dass vielleicht doch noch alles gut geht, aber dann blieb Dima plötzlich mehrere Tage von zu Hause fern. Sein Verhalten war mehr als fragwürdig. Tja und dann kam er eben mit der Story daher, dass er „Probleme“ hat. Und da ist Kukolka, weil sie von Herzen geliebt werden möchte und von Herzen glaubt, voll drauf reingefallen. Es ist erschreckend, was das Mädchen alles durchmachen muss!
    Mit dem Ende bin ich nicht wirklich zufrieden. Es ist zu offen. Was mir während der Geschichte allgemein zu lange gedauert hat, war mir am Ende zu wenig. Ich finde, es gibt zu viel Raum für Spekulationen? Hat sie nun Glück und ist bei einer Familie angekommen, die ihr ein tolles Zuhause bietet und sie von Herzen lieben kann, so wie sie es sich wünscht und auch verdient hat, oder kommt sie erneut vom Regen in die Traufe? Ich stelle mir jetzt einfach mal vor, dass es endlich das Happyend gegeben hat …
Fazit

Puh, also ich kann nicht sagen, dass mir das Buch so überhaupt gar nicht gefallen hat. Nein, so ist es keinesfalls. Die Geschichte an sich ist recht interessant, ich mochte die Umsetzung allerdings nicht so sehr. Das Problem an „Kukolka“ war für mich, dass es sich wirklich gezogen hat und ich so, ich nenne es mal „trockene Geschichten“ nicht mag. Es war nicht so lebendig, was aber auch an der Finsternis liegt, was dieses Buch übermittelt. Mir wurde echt eng ums Herz, wenn ich danach gegriffen und es weiter gelesen habe. Die Geschichte um Kukolka ist eine wirklich schlimme und man hofft ständig, dass es ein Happyend gibt, rechnet allerdings überhaupt nicht damit.
Vom Ende bin ich eher enttäuscht. Aufgrund der insgesamt sehr detaillierten Geschichte war es mir zu abrupt. Da hätte ich mir am Ende noch mehr Input gewünscht. In der Mitte ein bisschen weniger, aber dafür am Ende mehr. Es ist schlicht zu offen und nach einer solchen Geschichte möchte ich schon einen „richtigen“ Abschluss haben.

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Colleen Hoover – Was perfekt war

Klappentext: Quinn und Graham lernen sich unter mehr als unglücklichen Umständen kennen und verlieben sich unsterblich ineinander. Kaum ein Jahr später sind sie glücklich miteinander verheiratet… Happily ever after?
Acht Jahre danach: Jemanden zu lieben, heißt nicht unbedingt, mit ihm glücklich zu sein. Das erkennt und erleidet Quinn Tag für Tag, denn obwohl sie und Graham sich weiterhin innigst lieben, gibt es ein Problem, das ihre Beziehung zu zerfressen droht …
Warum Marta es niemals gelesen hätte? Weil sie vom Cover abgeschreckt ist und sie nichts mit dem Buch allgemein anfangen kann. Außerdem bringt sie mit Colleen Hoover „Schnulzen“ in Verbindung, die keinen Plot haben und nur kitschig sind.
Warum soll sie es lesen? Weil es mich total zerstört hat und ich ihr zeigen möchte, dass man vom Cover nicht auf den Inhalt schließen kann. Außerdem möchte ich ihr zeigen, dass „solche“ Bücher total ans Herz gehen.

 

Lesetagebuch
  1. | bis Seite 64: 
  2. | Seite 65 – Seite 121:
  3. | Seite 122 – Seite 177:
  4. | Seite 178 – Seite 236:
  5. | Seite 237 – Ende: 
Fazit
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Schaut ihr auch mal „über den Tellerrand“?
Habt ihr Lust euch anzuschließen?
Dann schlagt mir gerne ein Buch vor und ich nenne euch im Gegenzug auch eines. 🙂

 

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5 Comments

  • HibiscusFlower 20. Dezember 2019 at 7:51

    Hallo Dörte,
    eigentlich bin ich vorbeigekommen, um mich für die ABC-Challenge und vielleicht ja auch die Knaur-Challenge anzumelden.
    Nicole von Zeit für neue Genres sowie Barbara von Sommerlese haben mich darauf gebracht.
    Doch dann bin ich erstmal hier hängengeblieben, weil ich den Post einfach interessant finde und ich mir für 2020 ein paar
    Aufgaben notiert habe, unter denen auch diese vertreten ist.
    Ich habe dich jetzt fix in meine Blogroll gepackt, damit ich gerade Beiträge wie diese besser verfolgen kann. Ich bin gespannt,
    wie euer erster Durchlauf so läuft.
    Liebe Grüße, Hibi

    Reply
    • Dörte 28. Dezember 2019 at 22:16

      Liebe Hibi,
      danke für deinen lieben Kommentar! Ich habe so oft darüber nachgedacht, ob es nicht auch mal gut wäre, eben über den Tellerrand hinaus ein Buch zu lesen. Und nach einigen Gesprächen mit Marta, sind wir uns dann schließlich einig geworden. Auch über die Titel. Ich bin gespannt, was das nächste Buch sein wird und ob mir das vielleicht sogar noch besser gefallen wird. „Kukolka“ war interessant und okay, aber vom Hocker gerissen hat es mich nicht. Es war mir schlicht zu düster und auch zu langweilig. 😐 Mal sehen, wie das zweite Buch wird. 🙂
      Alles Liebe
      Dörte

      Reply
  • j125 28. Dezember 2019 at 15:34

    Hallo Dörte,

    das ist eine tolle neue Kategorie. Gefällt mir sehr gut.

    Das Cover von „Kukolka“ finde ich leider auch ganz furchtbar. Der Klappentext liest sich da schon etwas besser, aber auf meine Wunschliste würde es dadurch wohl nicht wandern.

    Interessant, dass Kukolka für Rocky nach ihrer Periode nur interessanter wird. Klar, ihr Körper wird dann weiblicher. Aber auf der anderen Seite kann sie jetzt schwanger werden und das ist ja sicher nichts, was Rocky gern möchte.

    Ich bin jedenfalls gespannt wie es dir weiterhin mit der Geschichte ergeht 🙂

    Liebe Grüße
    Julia

    Reply
    • Dörte 29. Dezember 2019 at 13:45

      Liebe Julia,
      danke für dein positives Feedback! Ich hatte schon so lange drüber nachgedacht, ob ich nicht auch mal andere Genres ausprobieren sollte und dann kam mir dieser Gedanke.
      Ich muss leider sagen, dass ich das Buch zwar okay fand, es mir insgesamt aber viel zu düster war. Kennst du das Gefühl, wenn du etwas liest und absolut nicht das Gefühl hast, dass da überhaupt irgendwas positives bei rum kommt? Es war echt nur düster und trist.
      Wäre Kukolka schwanger geworden, hätte er auch bei ihr dafür gesorgt, dass sie abtreibt (und dabei drauf geht). So war es bei Lydia ja leider auch. 🙁

      Jetzt im Nachhinein erinnert mich besonders der Anfang der Geschichte sehr an „Oliver Twist“. Das habe ich Mini gestern vorgelesen und erstaunliche Parallelen entdeckt. 😉
      Alles Liebe
      Dörte

      Reply
  • Jahresrückblick 2019 | Das war mein Jahr - Books and Family 13. Januar 2020 at 14:36

    […] ganz tolle Geschichten durch die Lappen gehen? Aus dem Grund haben wir das Experiment „Lesen über den Tellerrand“ gestartet. Sie liest ein Buch, welches ich ihr empfehle und umgedreht. In unserer ersten […]

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