Sebastian Fitzek – Das Geschenk

Posted on 17. November 2019 by Dörte

23.10.19 | 368 Seiten | Knaur | Autor | Leseprobe | Kaufen

Milan Berg steht an einer Ampel, als ein Wagen neben ihm hält. Auf dem Rücksitz ein völlig verängstigtes Mädchen. Verzweifelt presst sie einen Zettel gegen die Scheibe. Ein Hilferuf? Milan kann es nicht lesen – denn er ist Analphabet! Einer von über sechs Millionen in Deutschland. Doch er spürt: Das Mädchen ist in tödlicher Gefahr.
Als er die Suche nach ihr aufnimmt, beginnt für ihn eine albtraumhafte Irrfahrt, an deren Ende eine grausame Erkenntnis steht: Manchmal ist die Wahrheit zu entsetzlich, um mit ihr weiter zu leben – und Unwissenheit das größte Geschenk auf Erden.

Dieses Buch wurde mir vom Verlag zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!

 

 

 

Es heißt, man sollte nie aus der Emotion heraus entscheiden.

 

 

In Deutschland leben über sechs Millionen Analphabeten. Milan ist einer von ihnen.  Der Protagonist hat sich durch sein Leben geschummelt. Nur sein Vater weiß, dass Worte für ihn wie ein Wollknäuel sind. Dass sie für ihn keinen Sinn ergeben. In seiner Arbeit und auch gegenüber seiner Freundin erwähnt er seine Schwäche mit keinem Wort. Er erfindet andere Gründe, warum er ihr gerade die SMS nicht vorlesen kann und verstrickt sich so immer weiter in sein Lügengespinst. Erst als er ein Mädchen retten will kommt die Wahrheit ans Licht, doch sein Analphabetismus rückt da ins absolut Nebensächliche. Viel mehr stellt sich die Frage: Ist das Böse vererbbar?
Wer, wie ich, jedes einzelne Buch von Sebastian Fitzek gelesen hat, der weiß genau, was ihm bei „Das Geschenk“ erwarten wird. Der Autor bedient sich immer des gleichen Schemas. Zuerst wird der Leser im Prolog neugierig auf die weiteren Geschehnisse gemacht, indem dieser bei einem fiesen Cliffhanger endet. Anschließend wird einem der Protagonist nahe gebracht und dann geht die irrsinnig spannende Fahrt weiter, bis sich alles ein bisschen hochschaukelt. Zum Ende hin denkt man, es ist alles gesagt, doch dann setzt Fitzek noch einen drauf und noch einen und noch einen.

„Meinst du, das Böse ist etwas, was von Generation zu Generation weitergegeben wird?“

Ja, so läuft es bei Herrn Fitzek ab, aber wisst ihr was? Mir gefällt das! Ich mag es, dass ich genau weiß, was ich bekomme, wenn ich zu einem neuen Buch des erfolgreichsten Thrillerautoren in Deutschland greife.
Ich weiß genau, dass mich die Geschichte packen wird, bevor ich überhaupt ein einziges Wort gelesen habe. Das spricht einfach für den Autor.
Auch in „Das Geschenk“ habe ich den allseits bekannten Ablauf sehr genossen. Ich war sofort in der Geschichte drin und lauschte dem auktorialen Erzähler, der mir die Geschehnisse sehr spannend übermittelte. Besonders der Hintergrund des Analphabetismus hat mich sehr interessiert. Bis dato hatte ich mich mit diesem Thema noch gar nicht auseinander gesetzt. Es ist enorm, was Milan alles bewerkstelligt und das, obwohl er mit geschriebenen Worten nichts anfangen kann. Er könnte nicht lesen, dass ich gerade über ihn schreibe. Für ihn würde auch dieser Satz absolut keinen Sinn ergeben. Für mich ist diese Tatsache absolut unvorstellbar, für viele Millionen Einwohner Deutschlands gehört sie allerdings zum Alltag. Ich habe bemerkt, wie ich immer mal wieder darüber nachgedacht habe, wie viel Respekt die Betroffenen verdient haben. Wie sie es geschafft habe, in der „geschriebenen Welt“ einen normalen Alltag zu erleben.

„Ein GAU ist fast immer das Resultat mehrerer Fehler. Am Ende ist es müßig zu streiten, wer den größten gemacht hat – den, der zur Katastrophe führte.“

Milan ist auf der Suche nach dem Mädchen auf Hilfe angewiesen. Trotz einer „Geheimsprache“ kann er die aufeinanderfolgenden Buchstaben nicht entziffern. Hier kommt seine Freundin ins Spiel, die ihm zur Seite steht, die allerdings auch ein Geheimnis zu haben scheint…
Genau dies ist es, was ich so am Autor schätze: Dieses Katz-und-Maus-Spiel. Auf der einen Seite denkt man sich noch, man ist hinter alles gekommen, aber auf der anderen Seite wird diese These wieder relativiert. Trotz des Bekannten tappt man doch im Dunkeln.
Die Reise zum Mädchen und zu den ganzen Geheimnissen ist so spannend, wie aus den anderen Büchern gewohnt.
Zudem wurde ich des Öfteren überrascht und ich konnte auch nicht mehr aufhören zu lesen. Ich mag den Sog, den der Autor in seine Bücher packt, weil man sich diesem einfach nicht entziehen kann.
Am Ende ging es dieses Mal nicht ganz so hektisch vonstatten, wie ich es erwartet habe. Zwar setzt Fitzek auch hier noch mal einen drauf, dies habe ich aber dieses Mal nicht als  too much empfunden.

„Unwissenheit ist manchmal das größte Geschenk auf Erden. Hoffentlich wirst du das irgendwann verstehen!“

Bei Sebastian Fitzek scheiden sich die Geister. Die Einen mögen das Gerüst, auf dem seine Geschichten aufgebaut sind, die anderen eben nicht. Ich gehöre zu den Personen, die mögen das zu bekommen, was sie erwarteen. Wem dieses Gerüst nicht zusagt, der sollte keinen Fitzek lesen. Denn es ist Fakt, dass die Thriller des Autors einem Schema folgen, welches sich nicht verändert.

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Weitere Rezension: Papierfliegerin

 

 

 

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2 Comments

  • Papierfliegerin 17. November 2019 at 18:21

    Hallo meine Liebe 🙂
    Eine echt schöne Rezension, die du da getippt hast und ich freue mich, dass das Buch so gut ankam bei dir. ♥
    Natürlich auch ein riesiges Dankeschön fürs Verlinken – ist vielleicht ganz interessant zwei unterschiedliche Meinungen zu sehen 😉

    Ich wünsche dir einen schönen Sonntagabend

    Allerlibeste Grüße, Lisa

    Reply
    • Dörte 21. November 2019 at 21:14

      Liebe Lisa,
      dankeschön für dein liebes Kompliment meine Rezension betreffend. 🙂
      Ich schaue tatsächlich gerne erst einmal nach einer anderen Meinung, wenn ich eine passende Rezension zum Verlinken suche, da ich es nämlich wirklich interessant finde, auch andere Meinungen zu lesen. 🙂
      Hab einen schönen Abend.
      Alles Liebe
      Dörte

      Reply

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