Jessica Koch – Dem Horizont so nah

Posted on 1. Oktober 2019 by Dörte

Danny #1 | 29.07.16 | 480 Seiten | Rowohlt | Autor | Leseprobe | Kaufen

Jessica ist jung, liebt das unkomplizierte Leben und hat Aussichten auf eine vielversprechende Zukunft. Als sie eines Abends das Haus verlässt, ahnt sie nicht, dass sie ihrer großen Liebe begegnen wird. Sie ahnt nicht, dass diese Begegnung ihr gesamtes Weltbild verändern wird. Und vor allem ahnt sie nicht, dass sie schon bald vor der schwerwiegendsten Entscheidung ihres Lebens stehen wird …

 

 

Zeit genug! Ein Satz, an den ich mich später noch häufig erinnern sollte. Als klar wurde, dass wir niemals Zeit genug haben werden.

 

Jessica ist jung und steht mit beiden Beinen im Leben. Sie ist glücklich und hat noch einiges vor. Sie ist stellenweise ziemlich naiv und ist mit ab und zu mit ihrer blauäugigen Art ziemlich auf die Nerven gegangen. Jessica weiß genau, was sie will, ist dickköpfig und blendet andere Meinungen aus. Ganz anders ist Danny. Er ist ein erfolgreiches Model, sehr selbstbewusst und offen für andere Meinungen. Mir kam er um einiges erwachsener vor, was garantiert den „Umständen“ geschuldet ist.

„Es wäre das perfekte Happy End für einen Film“, stellte ich fest […]“Im realen Leben gibt es keine Happy Ends.“ „Dann machen wir uns eben eines,“ beschloss ich trotzig.

„Dem Horizont so nah“ behandelt eine wahre Geschichte, die traurig, düster und auch schaurig ist. Zwar scheint an manchen Stellen auch immer mal wieder die Sonne, dieses ist jedoch nur von kurzer Dauer. Zu schnell wird sie erneut von dunklen Wolken verdeckt. Da man beim Lesen des Klappentextes eine wahrlich romantisch, schöne Liebesgeschichte erwartet, muss ich an dieser Stelle einfach darauf aufmerksam machen, dass es keinesfalls so ist.  Es müsste zwingend eine Triggerwarnung ins Buch aufgenommen werden! Ich kann mir nicht erklären, warum dies nicht geschehen ist.
Aufgrund des realen Hintergrundes, fällt es mir sehr schwer dieses Buch zu rezensieren, schließlich ist es eine erlebte Geschichte, die an Grausamkeit fast nicht zu überbieten ist. Ich muss allerdings ehrlich sagen, dass mir die Umsetzung der Ereignisse stellenweise nicht zugesagt haben. Aber mal der Reihe nach:
Zuerst sind da die Protagonisten. Mit Danny konnte ich mich noch ein Stück identifizieren, während ich Jessica nur nervig fand. Sie erzählt uns ihre Geschichte in der Ich-Form, was zum Übermitteln der Emotionen und der Gedanken eigentlich gut gewählt ist. Eigentlich sage ich deshalb, weil es bei mir leider nicht immer geklappt hat. An den meisten Stellen kamen die Gefühle nicht bei mir an. Dabei sind so viele Dinge äußerst grausam.

Weil DU die Wahnsinnige bist, keifte meine innere Stimme. Jede Tag tanz du mit dem Tod und tust so, als wäre es das Normalste auf der Welt.

Besonders Dannys Geschichte hat mich schon bewegt und getroffen. Das Drumherum hingegen war mir einfach viel zu viel. Es war mir zu überladen. Drei Geschichten in ein einziges Buch zu packen, war mir persönlich zu viel. Dazu sind alle drei Geschichten/Schicksale von Regen und Sturm geprägt und zeigen keinerlei Hoffnung. Ich hätte mir gewünscht, mehr Emotionen in den Zeilen zu lesen, sie zu spüren. Bei dem Erlebten wundert es mich, dass es Jessica Koch nicht geschafft hat diese wahnsinnigen Gefühle auf mich zu werfen und mich unter deren Last zusammenbrechen zu lassen. Ich möchte und werde an dieser Stelle nicht sagen, dass es nicht schrecklich ist, was sie erlebt hat. Das ist es zweifellos. So richtig, wirklich berührt hat mich das Geschriebene aber leider nicht. Danny war der Einzige, mit dem ich mitfühlen konnte. Besonders wenn es um seine beste Freundin ging, musste ich schon das ein oder andere Mal an mich halten, was hingegen Jessica oder die anderen Figuren angeht, war ich eher genervt, als emotional berührt. Besonders Jessica ging mir mit ihrer Art nur das zu machen, was sie möchte, sehr auf die Nerven. Ihre kindliche Art konnte ich einfach nicht verstehen. Und auch ihr Spitzname hat mich regelmäßig auf die Palme gebracht. Ich konnte „Ducky“ irgendwann nicht mehr hören. Zu keiner Zeit konnte ich mich mit ihr identifizieren und habe sie auch nicht verstanden.

„Viele Menschen behaupten, dass jeder für sein Leben selbst verantwortlich ist. Aber stimmt das wirklich? […] und wenn ich Zeit hätte, dann hätte ich noch viel mehr schaffen können. Aber ich habe keine Zeit.“

Leider gelingt es Jessica Koch nicht, mich komplett von ihrem Buch zu überzeugen. Stellenweise kamen die Emotionen zwar bei mir an, zum größten Teil blieben sie jedoch auf der Strecke, was bei einer solchen Thematik nicht passieren darf. Zudem ist mir das Buch etwas zu überladen und zu sehr in die Länge gezogen. Etwas weniger Details und etwas mehr Gefühl hätten mir besser gefallen. Ich werde die Reihe daher eher nicht weiter verfolgen.

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Weitere Rezension: Dunkelbunt

Die Reihe: Dem Horizont so nah| Dem Abgrund so nah | Dem Ozean so nah

 

Ab 10. Oktober 2019 im Kino!
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3 Comments

  • Martinas Buchwelten 1. Oktober 2019 at 18:57

    Liebe Dörte,
    ich fand das Buch danals richtig gut, weil es mich emotional sehr mitgenommen hat.
    Dass in den Roman eine Triggerwarnung gehört, habe ich dir ja schon in meinem Komentar zu deiner anderen Post geschrieben.
    Liebe Grüße
    Martina

    Reply
    • Dörte 1. Oktober 2019 at 19:40

      Liebe Martina,
      ja stimmt, das hattest du – zurecht – angemerkt mit der Triggerwarnung.
      Stellenweise konnte es mich ja erreichen, allerdings nicht so, wie ich mir das bei diesem Thema erhofft hatte. Ich gehe echt davon aus, dass mich der Film mehr berühren wird.
      Alles Liebe
      Dörte

      Reply
  • Rückblick September - Books and Family 6. November 2019 at 16:29

    […] Pageturner! vs. „Okay-Buch“ Dem Horizont so nah […]

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