Romy Hausmann – Liebes Kind

Posted on 2. Juli 2019 by Dörte

28.02.19 | 432 Seiten | DtV | Autorin | Leseprobe | Kaufen

Eine fensterlose Hütte im Wald. Lenas Leben und das ihrer zwei Kinder folgt strengen Regeln: Mahlzeiten, Toilettengänge, Lernzeiten werden minutiös eingehalten. Sauerstoff bekommen sie über einen »Zirkulationsapparat«. Der Vater versorgt seine Familie mit Lebensmitteln, er beschützt sie vor den Gefahren der Welt da draußen, er kümmert sich darum, dass seine Kinder immer eine Mutter haben. Doch eines Tages gelingt ihnen die Flucht – und nun geht der Albtraum erst richtig los. Denn vieles deutet darauf hin, dass der Entführer sich zurückholen will, was ihm gehört.

 

Was für ein grausames Wunder das Leben doch ist.

 

Matthias hat vor 14 Jahren seine Tochter verloren. Seit Lena vermisst wird, ist nichts mehr, wie es vorher war. Zwischen Hoffen und Bangen legt er sich mit Reportern an und macht alles in seiner Macht stehende, um seine Tochter wieder zu sehen. Die Liebe zu seiner Frau Karin gibt ihm Kraft Hoffnung zu schöpfen. Diese ist jedoch nicht mehr so hoffnungsvoll, wie ihr Mann. Sie möchte endlich abschließen und zur Ruhe kommen. Doch als es heißt, dass eine junge Frau gefunden wurde, krallt sie sich doch an der Möglichkeit ihre Tochter bald wieder in die Arme schließen zu können, fest. Ihre Ehe wird auf erneut auf eine harte Probe gestellt.
Die kleine Hannah ist 13 Jahre alt, was man ihr aber nicht ansieht. Sie ist schlauer, als es den Anschein hat und möchte ganz schnell wieder zu ihrer Mama. Ich mochte gerade Hannah am liebsten, weil man sie so schlecht durchschauen kann. Und sie einfach am stärksten gezeichnet wurde.
Glück fühlt sich warm an, fast wie ein leichtes Fieber, es hat einen Geruch und einen Herzschlag, der wie der Sekundenzeiger bei der Küchenuhr tickt.

Mit einer Zeitungsanzeige, dass die 23 Jährige Lena vermisst wird, starten wir in diesen Thriller. Gleich danach lernen wir zum ersten Mal die Entführte kennen, bevor es anschließend mit Hannah, der 13 Jährigen Tochter weiter geht. Innerhalb solch weniger Seiten so viele Informationen zu erhalten, könnte den Anschein erwecken, dass alles ein bisschen zu überhastet vonstatten geht, dies kann ich allerdings absolut nicht bestätigen. „Liebes Kind“ ist von der ersten bis zur letzten Seite sehr temporeich. Romy Hausmann verliert sich  nicht in den Beschreibungen einzelner Umgebungen. Sie erzählt die Geschichte linear, flott und schafft es dabei eine außergewöhnlich hohe Spannung nicht nur zu erzeugen, sondern sie stets auf demselben hohen Level zu lassen. Ohne es zu bemerken liest man sich durch die Seiten und befindet sich mitten in einem (Lese)rausch, der erst endet, wenn man die letzte Seite umgeblättert hat.
Die Struktur des Thrillers hat mir sehr gut gefallen. Die Figuren schildern ihre Erlebnisse aus ihrer Sicht in der Ich-Form. So ist man nahe an den Personen und gleichzeitig auch nahe am Geschehen, da man sich gut mit den Protagonisten identifizieren kann.

„Es ist Liebe. Ganz gleich wie krank, verdreht und falsch verstanden, bleibt es immer noch Liebe. Liebe, die uns antreibt. Die uns zu Monstern macht, jeden auf seine Art.

Romy Hausmann hat besonders mit Hannah eine sehr starke Figur erschaffen, der ich ihre kindliche Art und Weise, aber auch ihre altkluge Art, abgenommen habe. Man weiß als Leser nie so genau, woran man bei ihr ist. Manchmal hatte ich sogar etwas Angst vor ihr, weil sie so unheimlich rüber kommt. Dabei handelt es sich um ein dreizehnjähriges Mädchen. Die Kunst ein Kind sprechen zu lassen besteht darin, dass der Leser auch das Gefühl haben muss, dass ein Kind spricht. Dies ist der Autorin stets gelungen. Sie hat es geschafft, jeder einzelnen Figur eine eigene Persönlichkeit zu geben. So hat man wirklich das Gefühl es bei Hannah mit einem Kind zutun zu haben und bei Matthias um den verzweifelten Vater, der seine Tochter zurück, bzw. Gewissheit haben möchte.
Doch nicht nur die Figuren können in „Liebes Kind“ punkten, sondern auch die Atmosphäre, das Gefühl, was man beim Lesen spürt. Es ist dunkel, beklemmend, aber doch auch irgendwie hoffnungsvoll. Man fragt sich, wohin alles führen mag, tappt allerdings die gesamte Zeit im Dunkeln.

Wenn ich daran denke, an meine Mama und die Sterne, dann tut mein Herz weh, von der Traurigkeit, die daran herumnagt.

Unvorhersehbar, stellenweise sogar gruselig. Vom Anfang bis zum Ende temporeich und spannend. Einmal begonnen, nicht mehr zur Seite gelegt. Das ist „Liebes Kind“. Ein absoluter Top-Thriller, der zurecht auf den Bestsellerlisten steht.

************************************************************************************************************************

 

Weitere Rezension: Irve liest

 

Dir hat der Beitrag gefallen? Dann mach doch auch andere darauf aufmerksam!

No Comments

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.