Neal & Jarrod Shusterman – Dry

Posted on 10. Juli 2019 by Dörte

22.05.19 | 448 Seiten | Sauerländer | Autor | Leseprobe | Kaufen

Kein Wasser. Nicht heute. Nicht morgen. Vielleicht nie mehr.
Niemand glaubte, dass es so weit kommen würde. Doch als Alyssa an einem heißen Junitag den Wasserhahn aufdreht, passiert nichts. Es kommt nicht ein Tropfen. Auch nicht bei den Nachbarn. In den Nachrichten heißt es nur, die Bewohner Kaliforniens sollen sich gedulden. Aber als das Problem nicht nur mehrere Stunden, sondern Tage bestehen bleibt, geduldet sich niemand mehr. Die Supermärkte und Tankstellen sind auf der Jagd nach Wasser längst leer gekauft, selbst die letzten Eisvorräte sind aufgebraucht. Jetzt geht es ums Überleben.

 

Alle werden sich daran erinnern, wo sie waren, als die Wasserhähne versiegten, denke ich. Wie bei der Ermordung eines Präsidenten.

 

In der heutigen Zeit ist es selbstverständlich, dass man Wasser bekommt, wenn man zum Wasserhahn geht und ihn aufdreht. Nur was passiert, wenn dem auf einmal nicht mehr so ist? Wenn draußen gefühlte 50° herrschen und man kriegt nirgends noch ein bisschen Wasser her? Man droht zu verdursten. Was geschieht dann mit einem Menschen?
Mit dieser Thematik beschäftigen sich die Autoren in „Dry“, ein wirklich rasant spannender Roman. Die wirklich gute Dystopie  hat es am Anfang total in sich. Was das Tempo angeht gleicht der Anfang einer Fahrt mit dem ICE, wenn das überhaupt reicht. Ich fand es sehr interessant zu lesen, wie Alyssa mit diesem Wassermangel umgeht. Wie allgemein die ganze Bevölkerung diese Tatsache verpackt. Was eben auch mit Menschen passiert. Eben, dass dann irgendwann auch überhaupt gar keine Nächstenliebe mehr herrscht, sondern es einfach nur darum geht selber zu überleben. Das haben die beiden Autoren erschreckend realistisch zum Ausdruck gebracht.
Auch die Beziehung zwischen den Protagonisten wurde gut rüber gebracht.
Wenn etwas außerhalb der eigenen Kontrolle liegt, kümmert man sich um die Dinge, auf die man Einfluss nehmen kann.

Ich habe ihnen jegliche Regung absolut abgenommen und konnte mich sehr gut mit ihnen identifizieren. Diese erzählen abwechselnd in der Ich-Form von den Geschehnissen. Immer mal wieder kommen auch Nebenfiguren zu Wort. In solchen Abschnitten zeigen die Autoren, wie es anderen Personen während diesem Ausnahmezustand ergeht.
Das Thema an sich lässt einen schon nachdenken inwiefern man selber vielleicht hier und da Wasser verschwendet inwiefern man natürlich auch auf dieses kostbare Gut angewiesen ist. Besonders gerade jetzt im Sommer, wo es ewig nicht geregnet hat und die Hitze schier unerträglich ist, denkt man natürlich in so einer Situation  darüber nach wie es wäre, würde man hier in Deutschland das Wasser ebenfalls abstellen und wie man selber darauf reagieren konnte. Die Autoren haben sozusagen ein top aktuelles Thema  in einen ziemlich spannenden Jugendroman umgewandelt, der hier und da allerdings ein paar kleinere Schwächen aufzuweisen hat. Zum einen hat mir das Ende leider nicht so gut gefallen, das es mir zu viele Zufälle beinhaltet. Und zum anderen wäre das der Roadtrip. Ich hatte zu der Zeit das Gefühl, als würden die Figuren mit angezogener Handbremse fahren, weil die Geschichte nicht voran ging.

Sie war immer der Typ, für den das Glas halb voll statt halb leer ist, aber so wie sie mich jetzt ansieht, weiß ich, dass ihr Optimismus genauso ausgetrocknet ist wie ihr Pool.

Ich kann sagen, dass mir das Buch recht gut gefallen hat. Es begann sehr stark, wurde aber mit der Zeit immer ein bisschen schwächer. Die Erzählweise hat mir ebenso gut gefallen, wie die Zeichnung der Charaktere. Besonders mit Alyssa konnte ich mich sehr gut identifizieren. Das Ende war mir leider ein bisschen zu weit hergeholt. Hier hätte ich mir mehr Realität gewünscht. Das waren mir leider doch ein wenig zu viele Zufälle.

************************************************************************************************************************

 

Weitere Rezension: Booknaerrisch
Dir hat der Beitrag gefallen? Dann mach doch auch andere darauf aufmerksam!

4 Comments

  • Martinas Buchwelten 10. Juli 2019 at 21:32

    Liebe Dörte,
    ich empfand das Buch sehr ähnlich. In der Mitte hatte es einige Längen und obwohl es zum Ende hin richtig spannend wird, war es doch etwas zu zufällig und es blieben mir auch ein paar Fragen offen. trotzdem hat es mich nachdenklich zurückgelassen und ist noch immer in meinem Kopf präsent.
    Liebe Grüße
    Martina

    Reply
    • Dörte 11. Juli 2019 at 13:48

      Liebe Martina,
      ich dachte schon, ich stehe allein mit meiner stellenweise kritischen Meinung da. Ansonsten habe ich irgendwie nur positive Stimmen gehört. Ganz ohne Wenn und aber.
      Ja, präsent ist es bei mir auch noch. Aber wie schon gesagt, der Mittelteil war mir einfach zu lang, was der Spannung nicht gut getan hat. :/
      Hast du schon andere Bücher von Shustermann gelesen? Sind die alle so, also mit Längen, oder eher nicht?
      Alles Liebe
      Dörte

      Reply
  • Dana 11. Juli 2019 at 14:47

    Hallo Dörte,

    das Buch ist ja momentan in aller Munde und ich finde die Thematik auch super interessant. Da ich zudem „Scythe“ von Neil Shusterman sehr mochte, spiele ich zunehmend mit dem Gedanken, auch dieses Buch zu lesen. Allerdings habe ich jetzt schon mehrere Rezensionen gelesen, die deinen Eindruck teilen, was schade ist.
    Das Thema ist auf jeden Fall super interessant, Aspekte davon wurden auch in „Wolkendämmerung“ von Julia Dibbern aufgegriffen, das ich gelesen habe – gerade in Kalifornien ist das ja durchaus Realität.

    Liebe Grüße
    Dana

    Reply
    • Dörte 27. Juli 2019 at 14:29

      Liebe Dana,
      entschuldige bitte, dass ich dir jetzt erst antworte, wir waren im Urlaub.
      Stimmt, das Buch ist echt in aller Munde. Dadurch wurde ich auch erst darauf aufmerksam. Seit ich es gelesen habe, bin ich sehr neugierig auf „Scythe“. Davon gibt es glaub ich nicht eine einzige negative Stimme. Du hast mich jetzt dazu gebracht, es auf meine Wunschliste zu schreiben. Überall nur positives dazu zu hören, muss einfach ein Zeichen sein. 😉
      Auch „Wolkendämmerung“ werde ich mit jetzt mal notieren. Vielen Dank für die Tipps!
      Hab ein schönes Wochenende.
      Alles Liebe
      Dörte

      Reply

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.