Lisa Genova – Mein Leben ohne gestern

Posted on 26. Juli 2019 by Dörte

13.10.10 | 320 Seiten | Bastei Lübbe | Autorin | Leseprobe | Kaufen

Als Alice erfährt, dass sie an der Alzheimer-Krankheit leidet, kann sie es erst gar nicht fassen. Sie ist doch erst fünfzig! Machtlos muss sie dabei zusehen, wie die Erinnerungen ihr mehr und mehr entgleiten. Wie soll sie sich in ihrem eigenen Leben zurechtfinden? Mit beeindruckendem Mut stellt sie sich einer Zukunft, in der vieles nicht mehr da ist und doch etwas bleibt: die Liebe.

 

„Es tut mir so leid, dass ich diese Krankheit habe. Ich kann den Gedanken nicht ertragen, wie viel schlimmer es noch werden wird. Ich kann den Gedanken nicht ertragen, dich eines Tages anzusehen, dieses Gesicht, das ich liebe, und nicht zu wissen, wer du bist.“

 

Die Geschichte ist mehr Protokoll als „zusammenhängend“. Sie gleicht keiner normalen Erzählung, sondern eher einer Liste. Wenn etwas geschah, gab es einen richtig harten Schnitt, bis man dann wiederum in einer völlig anderen Situation mit Alice, oder auch mit ihrer Familie geschleudert wurde. Daran musste ich mich erst einmal gewöhnen. Und darum dauerte es auch erst einmal eine Weile, bis ich meinen Platz in dieser Geschichte gefunden hatte.
Lisa Genova hat gut recherchiert. Die harten Fakten und die leider nicht so tolle Realität haben mich sehr nachdenklich und auch traurig gestimmt. Für Zwischendurch ist dieser Roman in keinem Fall geeignet, denn er drückt die Stimmung schon sehr. Bei einer solchen Thematik ist dies auch kein Wunder. Was ich schade finde ist, dass ich leider nicht so mitfühlen konnte. Ja, hier und da gibt es eine Szene, die wirklich erschreckend und traurig ist, diese ging mir auch nah, dennoch hatte ich das gesamte Buch über nicht so den Bezug zu den Protagonisten.
Wenn mein Gestern verschwindet und mein Morgen unsicher ist, wofür lebe ich da noch? Ich liebe für jeden Tag. Ich lebe im Augenblick. […] Ich werde das Heute vergessen, aber das heißt nicht, dass das Heute nicht wichtig war.

Berührt hat mich tatsächlich die Beziehung von Alice und ihrer jüngsten Tochter  und was mir auch sehr gut gefallen hat es eben den Humor den Alice an den Tag legt. Mir ist eine Szene besonders im Hinterkopf geblieben: Alice hält einen Vortrag über ihre Erkrankung und macht dann einen Scherz a la: „Oh, das habe ich wohl vergessen.“ Das war ziemlich gute Situationskomik.
Alice gibt sich zu keiner Zeit auf. Dieses nicht aufgeben, dieses kämpfen, das hat mich wahnsinnig beeindruckt. Manche Szenen regen zum Nachdenken an. Das gesamte Buch ist  ein Buch was ein hinterher noch lange nach dem Lesen beschäftigen wird. Ich hatte großen Redebedarf, als ich das Gelesene sacken lassen konnte. Auch heute, nachdem schon einige Tage vergangen sind, denke ich an diese Geschichte. An die Geschichte von Alice, die so tragisch, aber dennoch auch so voller Liebe ist.

„Aber was, wenn ich dich sehe und nicht weiß, dass du meine Tochter bist, und nicht weiß, dass du mich liebst?“ „Dann werde ich dir sagen, dass ich dich liebe, und du wirst mir glauben.“

Abschließend kann ich sagen dass „Mein Leben ohne Gestern“ ein lesenswertes Buch ist, man sich von vorne rein aber darüber im Klaren sein muss, dass es sich nicht um eine Geschichte im eigentlichen Sinn handelt. Wer mit einer Art „Protokoll-Geschichte“ nicht klar kommt, sollte eher zu einem anderen Buch greifen. Und wen diese Geschichte interessiert, sie aber nicht lesen möchte, der kann sich einfach den Film zu Gemüte führen. Dieser ist sehr nahe an dem Roman dran.

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4 Comments

  • Dana 27. Juli 2019 at 13:55

    Hallo Dörte,

    eine schöne Rezension zu einem Buch, das sehr berührend klingt. Die Thematik ist wirklich etwas, das sehr präsent ist, mit dem aber wenige umzugehen wissen und vor dem sich viele fürchten, von daher finde ich es interessant, dass das Buch aus der Sicht einer Betroffenen geschrieben wurde.

    Liebe Grüße
    Dana

    Reply
    • Dörte 27. Juli 2019 at 17:44

      Liebe Dana,
      vielen Dank für deinen lieben Kommentar. ♥
      Das Buch ist am Anfang echt schwer zu lesen, weil es so „anders“ ist. An dieses „Protokoll“ musste ich mich erst gewöhnen.
      Ich finde die Geschichte sehr wichtig. Eben auch, weil ich selbst nicht genau wüsste, wie ich damit umgehen soll, wenn es jemanden in meiner Familie betreffen sollte. Es wird irgendwie nicht drüber gesprochen.
      Du hast Recht indem du schreibst, dass es interessant ist, alles aus der Sicht einer Betroffenen zu hören. Gerade das hat auch den Reiz ausgemacht. Dies gibt dem Buch das gewisse Etwas.
      Dazu gibt es übrigens auch eine Verfilmung. Vielleicht hast du davon gehört?
      Alles Liebe
      Dörte

      Reply
  • Dana 27. Juli 2019 at 17:55

    Liebe Dörte,

    hm, ich bin mir tatsächlich nicht so ganz sicher, ob ich von dem Buch oder der Verfilmung schon mal was gehört habe, aber ich glaube schon. Jedenfalls klingt der englische Titel – „Still Alice“ – bekannt. Aber so wirklich bewusst wahrgenommen habe ich die Geschichte noch nicht.

    Liebe Grüße
    Dana

    Reply
    • Dörte 28. Juli 2019 at 23:14

      Unter diesem Namen ist er auch in die Kinos gekommen: „Still Alice, mein Leben ohne gestern“. Da gibt es auch wieder eine Filmversion, was das Buch angeht. Ist dir sicher schon mal über den Weg gelaufen. 🙂
      Alles Liebe
      Dörte

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