Luke Allnutt – Der Himmel gehört uns

Posted on 27. Februar 2019 by Dörte

Original: We own the Sky
12.11.18 | 448 Seiten | Blanvalet | Autor | Leseprobe | Kaufen

 

Rob Coates kann sich wirklich glücklich schätzen: Er ist mit seiner großen Liebe Anna verheiratet und nach vielen gemeinsamen Jahren krönt der gemeinsame Sohn Jack endlich das große Glück der beiden. Bis zu dem Moment, an dem die kleine Familie eine unfassbare Diagnose erhält: Der kleine Jack leidet an einer unheilbaren Krebsart. Während es Rob den Boden unter den Füßen wegzieht, versucht Anna stark zu bleiben – doch anstatt zusammenzuhalten, entfernen die beiden sich immer weiter voneinander. Bis Rob einen Entschluss fasst, der das Leben der Familie für immer verändern wird …

 

Denn die eigene Geschichte zu erzählen ist manchmal die einzige Möglichkeit, am Leben zu bleiben.

 

 

 

Rob ist ein erfolgreicher Programmierer. Bis dahin war sein Weg jedoch sehr steinig. Mit seiner Frau Anna lebte er eher in ärmlichen Verhältnissen, bis er den großen Durchbruch mit einem „Routenplaner-Programm“ hat. Zu ihrem Glück bekommen die Zwei noch ihren Sohn Jack, der sehr aufgeweckt und agil ist. Er ist der ganze Stolz der Familie. Während Anna ein bisschen mehr arbeitet und dementsprechend weniger zu Hause ist, kümmert sich Rob in dieser Zeit um seinen Sohn. Anna ist eher der rationale Typ und plant gerne, Rob das ganze Gegenteil. Er lebt lieber im Heute, als im Morgen. Besonders in der schwierigen Phase von Jacks Erkrankung bemerkt man die verschiedenen Charakterzüge sehr stark. Sie sind die Gründe, warum die Ehe arg ins Wanken gerät.

„Ich kann nicht glauben, dass es wirklich wahr ist. Wenn man etwas so unbedingt will, […] und dann – endlich – passiert es wirklich …“
Sie konnte nicht weitersprechen, und ihre Worte verloren sich in Tränen.
„Der Himmel gehört uns“ behandelt ein wirklich schweres Thema, was einen während des Lesens schon die Luft zum Atmen nimmt. Besonders sensible Mütter und Väter sollten dieses Buch mit Vorsicht genießen und sich darüber im Klaren sein, dass es schonungslos ehrlich geschrieben ist und einem die Emotionen brutal stark erwischen. Die Erkrankung von Jack ist schrecklich mit anzusehen. Man kann sich sehr gut in ihn, aber vor allem auch in die Eltern hineinversetzen und leidet total mit. Man versteht die Verzweiflung und die Wut der Eltern. Die Trauer und die Hilflosigkeit. Aber dennoch hat man noch diesen Funken Hoffnung, dass es ein Happyend geben wird. Der klitzekleine Sonnenstrahl, der sich durch die dicke Wolkendecke einen Weg auf die Erde bahnt.
Wählt ein Autor doch meist die Sicht des Erkrankten, hat sich Luke Allnutt hier für eine gänzlich andere Perspektive entschieden. Rob schildert als Vater seine Sichtweise in der Ich-Form und nimmt dabei absolut kein Blatt vor den Mund. Er zeigt, was für Emotionen in ihm vorgehen und schmeißt sie mit voller Wucht ins Herz des Lesers. Man wird selbst zu Rob und fühlt. Man fühlt viel (zu viel). Ich hatte stellenweise Angst zu zerbrechen, weil ich so sehr in der Geschichte, so sehr mit ihm verbunden war.
Manchmal begegnet einem Liebe an den seltsamsten Orten. Die Leute begreifen nicht, wie sehr sie einem das Herz brechen können.

Rob klammert sich an alles, was er irgendwo liest. Er möchte seinen Sohn um jeden Preis retten. Er ist emotional zerstört, gebrochen und absolut verzweifelt. Während er alles versucht um Jack zu retten, ist Anna der rational denkende Part. Sie versucht die Zeit zu genießen und sich schöne Erinnerungen zu verschaffen. Dass hier Reibereien vorprogrammiert sind ist klar. Es ist absolut schrecklich zu lesen, wie sich das Ehepaar immer weiter voneinander entfernt, weil jeder anders mit der Erkrankung umgeht. Man kann als Leser beide Seiten verstehen und auch, wie es überhaupt so weit kommen konnte, dass sie sich scheinbar nichts mehr zu sagen haben, sich weiter entfremden.
Kann man bei einer solchen Thematik überhaupt sagen, dass einem das Buch, bzw. die Geschichte gefällt? Die Geschichte ist schrecklich und ich möchte wahrlich niemals eine solche erleben! Wie sie vom Autor geschrieben wurde, sein Handwerk, ist jedoch mehr als „nur“ gut. Es ist fantastisch, großartig und noch viel mehr als das. Diese Geschichte hat mich so tief getroffen, wie noch keine andere zuvor. Sie hat mich zu Boden geworfen, noch mal nachgetreten und mich absolut zerstört. Ich bin da viel zu sensibel und empfehle sie daher auch nur solchen Lesern, die es nicht sind.

War es wirklich zu viel verlangt, dass Jack das Gleiche erleben sollte? Es musste eine Möglichkeit geben, das musste es einfach. Denn wenn man es träumt, dann ist es wahr, sagte mein Dad immer. Wenn man es träumt, dann ist es wahr.

Luke Allnutt versteht sein Handwerk. Er baut während der gesamten Geschichte kleine Dinge ein, die einem irgendwann wieder über den Weg laufen und überträgt die Emotionen der Protagonisten auf den Leser, was einem so die Luft zum Atmen nimmt. Dieses Buch ist für mich ein  Kunstwerk. Ein absolutes Highlight.

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