Rezension:
Ava Reed – Die Stille meiner Worte

Posted on 13. Juni 2018 by Dörte

09.03.08 | 320 Seiten | ueberreuter | Autorin | Kaufen

 

Hannah hat ihre Worte verloren. In der Nacht, als ihre Zwillingsschwester Izzy ums Leben kam. Wer soll nun ihre Gedanken weiterdenken, ihre Sätze beenden und ihr Lachen vervollständigen? Niemand kann das. Egal, was Hannahs Eltern versuchen, sie schweigt.
Um Izzy nicht loslassen zu müssen, schreibt sie ihr Briefe. Schreibt und verbrennt sie. Immer wieder.
Hannah kann der Stille ihrer Worte nicht entkommen. Bis sie Levi trifft, der mit aller Macht versucht herauszufinden, wer sie wirklich ist …

 

Hannah hat ihre Schwester verloren. Seit diesem Tag spricht sie nicht mehr. Sie ist sehr in sich gekehrt, vermisst ihre Seelenverwandte und ist einfach nur noch tot traurig. Einzig in Mo, dem Kater der Familie, findet das Mädchen so etwas wie Trost. Für den Leser ist Hannah sehr greifbar. Man merkt ihre Zerbrechlichkeit und fühlt, dass die Trauer sie durch die Hölle jagt.

Immer und immer weiter wird jede Scherbe gebrochen, die mich ausmacht. Sie werden kleiner und kleiner, denn es gibt nichts und niemanden, der sie zusammenflickt. Seit Izzy weg ist, kann ich das besonders gut – das Zerbrechen. Seit Izzy weg ist, weiß ich, wie das ist.

Ava Reed hat sich an ein sehr schweres Thema gewagt, deren Umsetzung mich total geflashed und überzeugt hat. Wie geht man mit einem Menschen um, der gebrochen ist? Wie versucht man zu einer Person Zugang zu finden, ihr zu helfen, wenn diese jedoch nicht spricht weil sie nicht kann? Diese Gedanken sind mir beim Lesen von „Die Stille meiner Worte“ sehr oft durch den Kopf gegangen. Ich finde es ganz fürchterlich, was Hannah in ihren jungen Jahren erleben musste. Wie sie nur noch als Schatten ihrer selbst existiert. Ich sage bewusst nicht, dass sie lebt, denn man merkt, dass auch ein Teil von ihr selbst gestorben ist.
Die Trauer zerfrisst das junge Mädchen regelrecht. Niemand in ihrer unmittelbaren Umgebung weiß, wie man ihr am besten helfen kann.
Bis die Eltern eine Entscheidung treffen uns sie in ein „Camp“ schicken. Dort soll sie sich öffnen, da sind Betreuer, die sich ihrer annehmen und ihr auch hoffentlich helfen können. Da ist Levi, der auch sein Päckchen zu tragen hat. Dort sind auch noch andere, die allesamt ein traumatisches Erlebnis hinter sich haben, oder auf eine andere Art und Weise psychisch krank sind.

Ich möchte im Erdboden versinken, ich möchte schreien: Ich bin Hannah, ich bin Izzy, ich bin nichts, ich bin still und in mir ist alles so laut.
Meine Worte bleiben stumm.

Man merkt, wie Hannah kämpft. Sie möchte die Worte, die sie zweifellos im Kopf hat, aussprechen, doch es funktioniert nicht. Wie sie im „Camp“ zurechtkommt ist, nicht nur daher, sehr spannend zu lesen. Die Beziehungen, die sie dort aufbaut haben mich sehr interessiert. Natürlich steht hier Levi im Mittelpunkt. Wie es ihm ergeht nimmt ebenfalls einen großen Teil der Geschichte ein. Auch mit ihm konnte ich mich gut identifizieren, denn ab und zu behandelt ein Kapitel einzig und alleine ihn. Er übernimmt dort ebenfalls die Erzählrolle und bedient sich meiner Lieblingserzählvariante: Der Ich-Form.
Die Geschichte ist sehr gut zu lesen. Der Schreibstil Ava Reeds konnte mich schon immer überzeugen und dies hat sich auch in ihrem neuesten Werk nicht geändert. Man lebt die Geschichte förmlich und schwimmt auf einer Welle durch Höhen und Tiefen durch das Buch hindurch. Ich habe Tränen vergossen, lachen müssen und war eins mit den Figuren. Es hat mir Spaß gemacht, dem Verlauf zu folgen. Ganz besonders habe ich die Szenen mit Mo genossen. Er lockert das ernste Thema immer mal wieder auf und lässt Licht durch den dicken Nebel leuchten.

Weil keines der unzähligen Worte etwas ändern würde. Kein einziges! […] Sind sie einmal gesprochen, hallen sie nach und verklingen nie, denn Worte sind Kinder der Ewigkeit.

„Die Stille meiner Worte“, hat mich ganz still und leise sehr berührt und mich emotional sehr mitgerissen. Ganz besonders mochte ich die Zeichnung von Hannah. Die ganzen Schattierungen und ihre Zerbrechlichkeit. Ava Reed hat zu dieser bemerkenswerten Protagonistin einen wunderschönen Roman aufgebaut, der mich zu Tränen rührte. Ich habe es sehr genossen Hannah auf ihren Weg zu begleiten.

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2 Comments

  • Nicci Trallafitti 14. Juni 2018 at 11:05

    Hey!
    Schön, dass dich das Buch auch so berühren konnte <3
    Es war ein wahrliches Highlight für mich.

    Danke fürs Verlinken!

    Liebe Grüße,
    Nicci

    Reply
    • Dörte 15. Juni 2018 at 20:41

      Hallo Nicci 🙂
      Ja das stimmt. Es war wirklich sehr Highlight nahe. 😉
      Ich habe dich sehr gerne verlinkt. Siehst du, ich wollte dich eigentlich noch fragen, ob das okay ist und dann habe ich es doch vergessen. Schande auf mein Haupt. 😉
      Alles Liebe und ein schönes Wochenende
      Dörte

      Reply

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