Rezension
Rosie Walsh – Ohne ein einziges Wort

Posted on 29. Mai 2018 by Dörte

Original: The Man Who Didn’t Call
14.05.18 | 528 Seiten | Goldmann | Autorin | Leseprobe | Kaufen

 

Stell dir vor, du begegnest einem Mann, einem wundervollen Mann, und verbringst sieben Tage mit ihm. Am Ende dieser Woche bist du dir sicher: Das ist die große Liebe, und es geht ihm ganz genauso. Zweifellos. Dann muss er verreisen und verspricht dir, er meldet sich auf dem Weg zum Flughafen. Aber er ruft nicht an. Er meldet sich gar nicht mehr. Deine Freunde raten dir, ihn zu vergessen, doch du weißt, sie irren sich. Irgendetwas muss passiert sein, es muss einen Grund für sein Verschwinden geben. Und nun stell dir vor, du hast recht. Es gibt einen Grund, aber du kannst ihn nicht ändern. Denn der Grund bist du.

 

Danke an den Goldmann Verlag für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplares!

 

Jeder hat das Szenario des Wartens schon mal erlebt, wenn man(n, frau) einer Bekanntschaft seine Handynummer weiter gibt. Ein jeder hat es erlebt, wie zäh einem das Warten erscheinen kann. In Zeiten von Facebook und Co. ist es sogar noch schlimmer, da man so ziemlich alles über den anderen einfach online erfahren kann.
So ergeht es Sarah, der weiblichen Hauptrolle in „Ohne ein einziges Wort„. Eddie hat einen bleibenden Eindruck bei ihr hinterlassen. Sie hat sich bis über beide Ohren in ihn verliebt und wartet nun auf seinen Anruf. Der aber nicht kommt. Ich konnte Sarahs Gefühlslage zu Beginn der Geschichte sehr gut nachvollziehen. Nachdem sie eine ganze Woche mit Eddie verbracht hat, kann sie sich keinen Reim darauf machen, warum er sich einfach nicht meldet. Diese Hilflosigkeit und die Angst, das etwas passiert sein könnte, habe ich der Protagonistin absolut abgenommen.

Es tat weh. Richtig weh. Warum sagte einem keiner, dass ein Herz nicht nur metaphorisch brechen kann?

Rosie Walsh hat ihren Roman in drei Abschnitte aufgeteilt. Der Erste beinhaltet alles, was es über Sarah zu wissen gibt. Dieser wird von ihr in der Ich-Form geschildert. Dazu gibt es immer mal wieder einen kleinen Rückblick zu den Tagen, die sie zusammen mit Eddie verbracht hat. Die Sprünge haben es mir erschwert richtig in die Geschichte zu finden. Sie gingen mir zu hektisch und so abrupt vonstatten. Da hätte ich mir bessere Übergänge gewünscht. Außerdem haben mich die detaillierten Beschreibungen gelangweilt. Ich finde, man hätte ziemlich viel kürzen können. Insbesondere der erste Abschnitt beinhaltet so viele Wiederholungen, die man sich getrost hätte sparen können. Sarah wird irgendwann anstrengend. Hat sie mir am Anfang noch Leid getan, weil sich Eddie nicht bei ihr meldete, verlor sie irgendwann ein ganzes Stück meiner Sympathie, weil sie ihm hinterherläuft wie ein heißes Hündchen. Auf der einen Seite kann man ihr Handeln vielleicht noch nachvollziehen, aber auf der anderen Seite ist es wirklich peinlich zu lesen, wie sie immer wieder und immer mehr den Kontakt zu jemanden sucht, der augenscheinlich kein Interesse an ihr hat. Wie viel sie von sich preis gibt konnte ich beim besten Willen nicht verstehen.

„Das Leben ist zu kurz, um jemanden hinterherzulaufen, der dich nur unglücklich macht.

Trotz Sarahs Naivität war ich sehr neugierig drauf, warum sich ihr Auserwählter denn so rar bei ihr macht. Irgendwann hatte ich eine Vermutung, die jedoch total im Keim erstickt wurde. Ich kann es immer noch nicht fassen, was da wirklich passiert ist. Was der Grund ist. Ab dieser Auflösung wurde das Buch endlich so richtig spannend und auch emotional. Ich musste mehrmals schlucken und konnte ab diesem Punkt auch nicht mehr aufhören zu lesen. Endlich konnte ich Sarah wieder verstehen und fand einen Bezug zu ihr. Diese nahm plötzlich total an Fahrt auf und kam glücklicherweise nicht mehr ins Straucheln, oder wurde anderweitig noch weiter in die Länge gezogen. Ich genoss es den weiteren Verlauf zu begleiten und war stellenweise schockiert. Am Ende, dem dritten Teil, kommt Eddie zu Wort, was mir ebenfalls gut gefallen hat. So fand ich noch einen besseren Bezug zu ihm und konnte noch mehr verstehen, warum Sarah sich in ihn verliebt hatte. Die Auflösung und der Schluss haben die ganze Geschichte sehr gut abgerundet und zum Ende gebracht. Lediglich eine Sache war mir in diesen zwei Abschnitten too much. Während des Lesens dachte ich noch: „Das ist doch wohl nicht?“ Doch ich behielt Recht. Wegen Spoilergefahr möchte ich da aber nicht näher drauf eingehen.

[…] Liebe ist kein Feuerwerk. Keine gewaltige Explosion. […] Aber ich glaube ganz sicher, wenn man es weiß, weiß man es. […]

Der Anfang von „Ohne ein einziges Wort“ ist leider ziemlich zäh. Es dauert eine ganze Weile, bis die Geschichte an Fahrt aufnimmt. Doch dann wird man für sein Durchhalten mit einer traurig, schönen Geschichte belohnt, die einen auch mal ein Tränchen vergießen und einem warm ums Herz werden lässt.

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