Rezension
Nuala Ellwood – Was ihr nicht seht

Posted on 25. Mai 2018 by Dörte

Original: My Sister’s Bones
16.04.18 | 416 Seiten | Goldmann | Autorin | Leseprobe | Kaufen

 

Kate ist eine mutige Frau, die als Kriegsreporterin kein Risiko scheut. Ihre Vergangenheit an der südenglischen Küste hat sie lange hinter sich gelassen. Erst als ihre Mutter stirbt, kehrt sie zurück nach Herne Bay, wo ihre Schwester Sally noch immer lebt. Aber Kate spürt vom ersten Tag an, dass die Heimkehr unter keinem guten Stern steht. Sie hat furchtbare Albträume und hört Stimmen, die ihr keine Ruhe lassen. Und so glaubt ihr auch niemand, als sie meint, die Schreie eines Jungen aus dem Nachbargarten zu hören. Doch Kate will der Sache auf den Grund gehen – nicht ahnend, dass sie und ihre Schwester dadurch in tödliche Gefahr geraten …

 

Danke an den Goldmann Verlag für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplares!

 

 

Kate hat ziemlich viel durchgemacht. Kein Wunder, schließlich ist sie Kriegsreporterin. Doch nicht nur ihre Vergangenheit lässt ihre harte Fassade bröckeln, sondern auch ihre Gegenwart. Die Albträume, mit denen sie sich rumschlagen muss, nehmen ihr ihren Schlaf und lassen sie nicht zur Ruhe kommen. Dass jeder meint, sie würde durch ihren Job Wahnvorstellungen haben, macht ihr Leben ebenfalls nicht einfacher.
Ihre Schwester Sally hat mit Kate gebrochen und sich selbst völlig aufgegeben. Ohne ihre Mutter und ihre Tochter bleibt ihr bisweilen nur ihr Ehemann Paul und auch der scheint mit der Zeit genug von ihr zu haben.

„Das macht dieser Ort mit einem“, meint Paul. „Er bringt alle möglichen Erinnerungen zurück.“

Vom Prolog war ich sehr begeistert. Dieser ist sehr kurz gehalten, birgt aber ziemlich viele Geheimnisse. Man wird als Leser sehr neugierig gemacht, welche der beiden Schwestern ihr Leben lassen musste. Natürlich spielt auch die Frage nach dem „Warum“ eine sehr große Rolle. Ich war sehr zufrieden und auch optimistisch auf den weiteren Verlauf, bzw. auf den Start der Geschichte. Diese startet ziemlich verwirrend. Man hat als Leser das Gefühl, als würde man selbst diese Albträume haben, an denen Kate leidet. Mir kam alles sehr unruhig und chaotisch vor. Kates Gedanken konnte ich nicht richtig folgen. Ich habe mir selbst ein Bild von der Protagonistin gemacht und dieses war bei weitem kein Gutes. Allerdings sprechen meine Emotionen auch für die Autorin, die die verrückte Gefühlswert von Kate so authentisch übermitteln konnte. In diesem ersten Teil des Buches (Insgesamt ist das Buch in drei solcher Abschnitte eingeteilt), geht es ausschließlich um Kate, die alles aus ihrer Sicht erzählt und schildert. Dazu wird in den einzelnen Kapitel meistens eine andere Zeit behandelt. Mal geht es um die Berichterstattung aus dem Krieg. Mal um die Vergangenheit und das Verhältnis zu ihrer Familie.

„Und ihr zwei passt gut aufeinander auf. Jetzt wo eure Mum tot ist, müsst ihr zusammenhalten. Familie ist das Wichtigste auf der Welt.“

Zuletzt ist man bei Therapiesitzungen dabei. Warum sie mitten in einer Therapie steckt, wird jedoch erst später klar. Für mich war es eine große Überraschung.
Nach einem Paukenschlag startet Teil zwei, der sich ganz mit Sally beschäftigt. Auch sie erzählt in der Ich-Form und macht so viele Dinge, die einem vorher nicht so ganz klar waren, verständlicher. Warum die Beziehung der Schwestern so angespannt ist, konnte ich jetzt endlich verstehen. Ich konnte mit Sally sympathisieren, wenngleich sie eine wirklich schwierige Person ist.
Der dritte und letzte Teil beinhaltet den großen Showdown, der zwar schon sehr viel Spannung zu bieten hat, aber gleichzeitig auch leider vorhersehbar ist. Schon ziemlich früh kam ich drauf, was da passiert sein könnte und wer verantwortlich ist. Einzig die Gründe waren mir absolut fremd und diese haben mir dann auch eine Gänsehaut bereitet, als ich diese große Frage endlich beantwortet wusste. Bis dahin liest man sich durch gute 400 Seiten, die mal mehr mal weniger spannend, mal mit mehr, mal mit weniger Tempo ausgestattet sind.

[…] Wenn man jemanden verliert, den man liebt, stirbt auch ein kleines Stück von einem selbst. […] Ich sehe vielleicht noch so aus, […] aber in mir ist ein Loch, das nie geflickt werden kann. Ich könnte genauso gut tot sein.“

„Was ihr nicht seht“ konnte mich stellenweise überzeugen, stellenweise empfand ich es allerdings leider als zu langatmig und zu vorhersehbar. Ich hätte mir mehr Spannung und noch mehr Überraschungen gewünscht. Die Protagonisten sind hingegen sehr gut gezeichnet und so kann man sich mit ihnen auch gut identifizieren. Die letzten Abschnitte waren sehr gut gelungen und haben die Spannung hervorgebracht, die ich mir für den gesamten Psychothriller gewünscht hätte.
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