Rezension:
Michaela Küpper – Kaltenbruch

Posted on 16. Mai 2018 by Dörte

01.03.08 | 368 Seiten | Knaur. | Autorin | Kaufen

 

Frühsommer 1954: Eine vorlaute Bemerkung über die braune Vergangenheit seines Chefs bereitet Kommissar Peter Hoffmanns Traum von einer Karriere bei der Düsseldorfer Kripo ein Ende. Er wird in die rheinische Provinz versetzt, die er so schnell wie möglich wieder verlassen will.
Da geschieht in dem Provinznest Kaltenbruch ein Mord, der die Gemüter der Menschen bewegt. Gemeinsam mit seiner Mitarbeiterin Lisbeth Pfau macht sich Hoffmann auf die Suche nach dem Täter – und stellt fest, dass die Wunden, die der Krieg geschlagen hat, noch lange nicht verheilt sind, sondern auch in der jüngeren Generation nachwirken. Hoffmann und Pfau stoßen bei ihren Ermittlungen auf erschütternde Entdeckungen …

 

Danke an den Knaur.Verlag für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplares!

 

Peter mag seinen Job als Kommissar sehr gerne, übt ihn gut aus und möchte hoch hinaus. Da ist es nicht verwunderlich, dass er erst einmal nicht zufrieden damit ist, in eine Provinz wie Kaltenbruch bestellt zu werden. Der Protagonist denkt sich, dass es sich um einen schnell gelösten Fall handelt, da hat er jedoch die Rechnung ohne die Kaltenbrucher gemacht.
Was Hunger war, das vergaß man nicht. Die Magenschmerzen, die Schwäche, die Wehrlosigkeit. Tief in seinem Innern bohrte dieser Schmerz noch immer, als wäre da etwas in ihm, das nie mehr satt werden würde.
Was mir ausgesprochen gut an Kaltenbruch gefällt ist, wie die Autorin  mal von dem einen und mal von dem anderen Protagonisten redet. Sie springt so auch in den Zeiten hin und her und ermöglicht es dem Leser sehr tief in die Geschichte, aber auch in die Hintergründe der Figuren Platz zu finden. Während eines jeden Kapitels wird eine andere Person in den Fokus gestellt. Der auktoriale Erzähler ist hierfür eine ausgezeichnete Wahl. So ist man überall gleichermaßen zur Stelle und bekommt eine größere Masse an Informationen. Diese kann man schließlich  puzzleartig zusammensetzen. Insbesondere die Sprünge in die Vergangenheit – die Kriegszeit, hat mir Gänsehaut beschert. Ich konnte es kaum erwarten, das endlich wieder die Sprache auf Marlene kam, damit ich mit dieser zusammen in die Vergangenheit reisen und miterleben konnte, was ihr und ihrer Mutter einst geschah. Diese Informationen hatten es in sich. Gefühlt saß ich mit ihnen im Bunker als der Fliegeralarm los ging. Gefühlt habe ich mitbekommen, wie die Bomben einschlugen. Marlene lag mir sehr am Herzen. Mit ihr konnte ich mich am besten identifizieren. Was die Vergangenheit an Spannung und Emotionen bot, wurde leider in der Gegenwart eingespart.  
Alles Tarnung. Darum schien es ständig im Leben zu gehen: sich möglichst gut zu tarnen.
Zwar interessiert es einen als Leser natürlich brennend, warum und vom wem der Mord begangen wurde. Diese Sogwirkung, die man eigentlich spüren sollte, war jedoch leider nicht vorhanden. Ich war stellenweise von der Geschichte enttäuscht und auch ein wenig genervt.
Zuerst sind da sehr viele Figuren, deren Beziehungen und Verbindungen man erst einmal verstehen  muss. Und dann wurde mir an einigen Stellen zu viel beschrieben, was die Geschichte und dementsprechend auch die Lösung des Falls einfach nicht voran gebracht haben. Ich hatte das Gefühl in Kaltenbruch festzustecken.
Die Auflösung des Ganzen und die letzten fünfzig Seiten zogen die Spannung jedoch an und es machte mir wieder Spaß den Geschehnissen zu folgen. Michaela Küpper schafft es eine enorme Überraschung aus ihrem Hut zu zaubern. Es hat mir gefallen, dass sie mich so sehr in die Irre führen konnte, so dass ich zu keiner Zeit auch nur die leiseste Ahnung hatte, wie das Puzzle am Ende aussehen würde.
 „Man muss schützen, was man liebt, Wolfi. Das hat mir mal jemand beigebracht.“
„Kaltenbruch“ beginnt sehr spannend und ist die gesamte Zeit über sehr atmosphärisch. Besonders die Reisen in die Vergangenheit waren durch große Spannung und ein enormes Maß an Emotionen geprägt. Diese haben mir im Laufe der Geschichte, ganz speziell in der Gegenwart gefehlt. Erst zum Ende hin ist von der Spannung wieder etwas zu sehen und das Tempo steigt erneut an. Das Ende der Geschichte hat mich echt umgehauen!
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Weitere Rezension: Manus Tintenkleckse

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