Kurz-Rezension:
Gavriel Savit – Anna und der Schwalbenmann

Posted on 11. April 2018 by Dörte

Original: Anna and the Swallow Man
29.02.16 | 272 Seiten | cbt | Kaufen

 

Krakau, 1939. Anna ist noch ein Kind, als die Deutschen ihren Vater mitnehmen, einen jüdischen Intellektuellen. Sie versteht nicht, warum. Sie versteht nur, dass sie allein zurückbleibt. Und dann trifft Anna den Schwalbenmann. Geheimnisvoll ist er, charismatisch und klug, und ebenso wie ihr Vater kann er faszinierend viele Sprachen sprechen. Er kann Vogellaute imitieren und eine Schwalbe für sie anlocken. Und er kann überleben – in einer Welt, in der plötzlich alles voller tödlicher Feindseligkeit zu sein scheint. Anna schließt sich dem Schwalbenmann an, lernt von ihm, wie man jenseits der Städte wandert, sich im Wald ernährt und verbirgt. Wie man dem Tod entkommt, um das Leben zu bewahren. Aber in einer Welt, die am Abgrund steht, kann alles gefährlich werden. Auch der Schwalbenmann.

 

In Anna und der Schwalbenmann hat mir am besten gefallen und am meisten imponiert, wie es der Autor schafft, einem das Setting so nahe zu bringen, dass man schon auf den ersten Seiten anfängt zu frieren, weil man das Gefühl hat, sich wirklich im tiefsten Winter in der freien Natur zu befinden.
Die Ansätze, die Anna und der Schwalbenmann  hat, sind zweifellos gut. Das Gerüst, auf dem die Geschichte steht, ist stabil und sehr gut ausgearbeitet, aber das Drumherum war mir zu langatmig. Es passiert rein gar nichts, außer dass Anna und ihr Schwalbenmann durch die Gegend rennen, viele Menschen kennenlernen, älter werden und den Krieg sehr nahe miterleben. Für mich gleicht dieser Roman einer Kirche, in der sich manche bunte Fenster befinden, die meisten allerdings völlig klar und durchscheinend sind.
»Menschen sind die größte Hoffnung des Menschen zu überleben.«
Ich hätte mir einfach mehr Farbe gewünscht. Nicht nur beim Plot an sich, sondern auch bei den Figuren, die mir zu keiner Zeit richtig nahe gekommen sind. Sie waren mir zu oberflächlich und nicht greifbar genug. Ich hätte mir Spannung und mehr Zeitgeschichte gewünscht.
Der Plot hat so viel Potenzial, doch es wurde nicht genutzt. Ja, ich hatte stellenweise eine Gänsehaut und empfand einzelne Abschnitte als tragisch und war geschockt von den Ereignissen, doch bedauerlicherweise hat der Autor es nicht geschafft, diese Spannung über die gesamte Länge des Buches auszudehnen. Die Story vermittelt viel Gutes, allerdings hat sie mich stellenweise auch sehr gelangweilt.

 »Menschen, die versuchen, ohne Hilfe der Kinder die Welt zu verstehen, sind wie Menschen, die ohne Hilfe von Hefe Brot backen.«

Anna und der Schwalbenmann“ ist ein sehr düsteres Buch, welches noch lange in einem nachhallt. Die Thematik ist eine Schwere und bot viel Potenzial, welches aber  nicht über die gesamte Länge des Buches genutzt wurde.

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Weitere Rezension:  Buntes Tintenfässchen

 

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2 Comments

  • Michael Petrikowski 18. April 2018 at 12:41

    Die Inhaltsangabe klingt sehr interessant, doch könnte das Buch dich wohl nicht überzeugen. Ich werde es aber trotzdem lesen. Mal Sehen, wie es mir gefällt.

    Reply
    • Kitty 22. April 2018 at 12:32

      Lieber Michael,
      so richtig überzeugt hat mich das Buch tatsächlich nicht, aber ich kann auch nicht sagen, dass es mir gar nicht gefallen hat. Es war okay, aber leider ein bisschen unter meinen Erwartungen. Ich hoffe sehr, dass es dich überzeugen wird, wenn du es dir zur Hand nimmst. 🙂
      Alles Liebe
      Kitty

      Reply

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