Rezension:
Katja Bohnet – Kerkerkind

Posted on 12. März 2018 by Dörte

 

Vielen Dank an den Knaur. Verlag für dieses Rezensionsexemplar!

Saizew und Lopez #2 | 01.02.18 | 336 Seiten | Knaur. | Autorin | Leseprobe | Kaufen

Eine Hitzewelle liegt über Berlin. Im Wannseeforst findet man die verbrannte Leiche einer schwangeren Frau. Wer erstach die Türkin und zündete sie dann an? Rosa Lopez und Viktor Saizew sollen erneut unter Hochdruck für das Landeskriminalamt ermitteln. Aber Lopez erwartet bald ihr drittes Kind, und Viktor ist noch immer krankgeschrieben, leidet unter den Spätfolgen seines Hirntumors.
Der Verdacht fällt auf den Mann des Mordopfers, der kein Alibi vorweisen kann. Doch dann tauchen weitere männliche Leichen auf, unter ihnen auch der Verdächtige, die Köpfe abgehackt und ausgestellt. Die Ermittlungen führen Viktor nach Dänemark, wo er auf einmal spurlos verschwindet. Lopez bleibt nur wenig Zeit, ihren Partner zu finden, bevor vielleicht auch er seinen Kopf verliert.

 

 

 

Viktor ist frisch operiert, hat sich aber selbst aus dem Krankenhaus entlassen. Er möchte endlich wieder arbeiten. Sein Privatleben schaut eher düster aus, doch das empfindet er nicht weiter als schlimm, da ihm seine Arbeit wichtiger ist.
Lopez ist hochschwanger, möchte ihren letzten Fall jedoch noch abschließen, sehr zum Verdruss ihres Mannes. Lopez hat Eheprobleme, die sie gerne in den Hintergrund rückt, um voll für die Arbeit zur Stelle zu sein.
Lopez hatte bisher nur geahnt, wie viele falsche Konzepte von Liebe es geben konnte. Wie austauschbar Liebe und Hass wurden, wenn Menschen verzweifelten. Wenn sie sich hilflos fühlten.
Der Beginn von „Kerkerkind“ hat mir außerordentlich gut gefallen. Man befindet sich mit dem Kind in einem dunklen Raum und meint, die stockige, feuchte Luft riechen zu können. Es ist ein sehr beängstigendes Gefühl für mich gewesen, da es die Autorin geschafft hat, mir das Setting sehr nahe zu bringen. Besonders gefreut habe ich mich auf das Wiedersehen mit den beiden Ermittlern „Lopez“ und „Viktor“. Die beiden haben ihren eigenen Charakter und sind so komplett anders, als alle anderen Polizisten, die ich bisher kennengelernt habe, dass ich ganz gespannt darauf war zu erfahren, wie sie sich erneut in die Ermittlungen begeben und wie sie sich ganz persönlich entwickelt haben.
Meine anfängliche Euphorie ließ irgendwann stetig nach. Zuerst war ich noch ganz entzückt über den Verlauf der Geschichte und die Nähe, die man zu den Protagonisten aufbaut. Doch irgendwann war ich ein bisschen darüber genervt, dass es ständig um das Privatleben der beiden Polizisten geht. Diese Informationen waren mir zu viel, da sie den eigentlichen Fall leider viel zu sehr in den Hintergrund gerückt haben.
Warum halten wir an etwas fest, das bereits verloren ist? Weil wir nicht verlieren können, dachte sie.
Ich wusste, dass Viktor operiert wurde und ich wusste ebenfalls, dass Lopez hochschwanger ist und doch wurde es immer und immer wieder durchgekaut. Ebenso empfand ich einige andere Stellen im Privatleben von Viktor als absolut überflüssig zu wissen. Ich empfand seine, und auch Lopez´ Handlungen teilweise zu konstruiert und viel zu überzogen. Dieses, für mich große Manko, hat mir meinen Lesespaß total verhagelt. Es nahm mir die Spannung und langweilte mich zusehends. Einzig der wirklich schwungvolle Schreibstil half mir dabei am Ball zu bleiben und auch die Neugier, die ich mit jeder Seite mehr für die Auflösung des Ganzen empfand, die bedauerlicherweise aber auch eher mau und absolut nicht nachvollziehbar gewesen ist.
Schade, dass sich Katja Bohnet nicht mehr auf die Fälle konzentriert hat, denn gerade diese Szenen, in denen sie ihre Ermittler mal das sein lässt, was sie sind: Nämlich Ermittler, haben mir ganz gut gefallen. Die Geschichte nimmt zu diesem Zeitpunkt endlich mal an Fahrt auf und bewirkt, dass auch die Spannungskurve mal nach oben ausschlägt, bevor sie durch eine völlig überzogene, nicht nachvollziehbare Handlung von Lopez oder Viktor, oder beiden, wieder zum erliegen kommt. Stellenweise hatte ich leider sogar das Gefühl einen satirischen Thriller zu lesen.
„Das Leben. Das ist mit mir los. An manchen Tagen siegt es über den Tod.“

Allgemein ist mir „Kerkerkind“ wie eine Achterbahnfahrt vorgekommen. Ein wirklich guter Plot wurde immer wieder durch langweilige Nebensächlichkeiten und zu detaillierten Charakterbeschreibungen ausgebremst. So blieb die Geschichte leider unter meinen Erwartungen. Und ich war letztendlich sehr erleichtert, als ich dieses Buch endlich zu Ende gelesen hatte.

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Die Reihe: Messertanz | Kerkerkind

 

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