Rezension:
Catharina Junk – Liebe wird aus Mut gemacht

Posted on 22. März 2018 by Dörte

Original: Auf Null
19.05.17 | 400 Seiten | Rowohlt | Autorin | Leseprobe | Kaufen

 

Ein Roman über den Tod und das Leben – und über das Glück, lieben zu könnenNie wieder Sonnenblumen von Van Gogh an den Wänden. Nie wieder Hähnchen Estragon. Nie wieder Krankenhaus: Nina darf zurück ins Leben stolpern. Aber sie würde eher einem Hütchenspieler vertrauen als ihrem eigenen Körper. Also lieber die Handbremse anziehen: keine Pläne machen, keinen Spaß haben, nicht verlieben. Schon gar nicht in Erik. Doch zum Leben braucht es Mut – und erst recht für die Liebe.

 

Nina hat ihren eigenen Kopf und geht mit diesem sehr gerne durch die Wand. Sie versteckt ihre Gefühle sehr gerne und tut so, als wäre sie immens cool und niemand könnte ihr etwas anhaben, doch innerlich ist sie zerbrechlich und Angst enttäuscht zu werden.
Erik schraubt an Autos herum, kümmert sich um seinen Vater und hat erstmal überhaupt keine Ahnung, was Nina alles durchmachen musste. Er ist ein Charmeur, kennt aber auch seine Grenzen, die er nicht überschreitet.
»Aber hier ging es nicht ums Schlafen für eine Nacht, sondern ums Schlafen für immer. Und ich fand, dass ich nicht sterben wollte, war eigentlich nichts, wofür ich mich schämen musste.
Es war etwas, worüber ich mich freute.«
„Liebe wird aus Mut gemacht“ ist die Taschenbuchausgabe von „Auf Null“, welches als Hardcover im August 2016 auf den Markt gebracht wurde. Warum der Titel geändert wurde, ist mir ein Rätsel, denn der Titel der Taschenbuchausgabe passt bei weitem nicht so gut zur Geschichte, wie das einstige Original und führt den potenziellen Käufer auch total in die Irre. Man erwartet eine Liebesgeschichte, die das Buch so nicht zu bieten hat. Bei dieser Geschichte geht es um ein sehr ernstes Thema, welches die Autorin sehr sensibel umgesetzt hat. Mit ihrer Protagonistin Nina hat Catharina Junk eine Figur erschaffen, die zerbrechlich und stark zugleich ist, sich aber erst wieder zurechtfinden muss, was sie doch so lange im Krankenhaus und musste sich (nicht nur) nervige Bilder von Van Gogh ansehen. Sie fängt eben wieder „bei null“ an und aus diesem Grund finde ich den ursprünglichen Titel auch so besonders gut gewählt.
Ich hatte mit Nina Schwierigkeiten. So ganz identifizieren konnte ich mich nicht mit ihr. Selbst dass sie die Ich-Erzählerin ist, brachte mir weder sie als Person, noch ihre Emotionen wirklich nahe. Bei einer solchen Geschichte sind mir gerade diese großen Gefühle jedoch einfach ein absolutes Muss. 
»Die Scheißkrankheit hat mir meine Unschuld geklaut. Und jetzt sitze ich da, weiß nicht mehr weiter und bestehe nur noch aus Angst.«
Ich denke, ich hätte das Buch so noch intensiver empfunden und nicht nur an der Oberfläche gekratzt. Ansonsten ist die Geschichte rund um Nina und Erik sehr gut geschrieben. Ich bemerkte nicht, wie ich durch die Seiten flog und war überrascht, wie sich Nina entwickelt. Besonderer Pluspunkt ist für mich, dass sie sich auch selbst mal auf die Schippe nimmt und trotz allem nicht verlernt hat zu lachen. Dafür habe ich sie mehr als einmal bewundert.
Gut ist auch, dass die Autorin in den Zeiten springt. Es wird erzählt, wie die Protagonistin von ihrer Krankheit erfuhr und wie es mit der Diagnose weiter ging und im nächsten Kapitel befindet man sich wieder in der Gegenwart und erlebt mit, wie Nina versucht, wieder im Leben anzukommen. Gerade die Kapitel aus der Vergangenheit haben mir sehr gut gefallen, da ich so mehr von Nina erfahren habe und auch, wie sich das alles entwickelt hat. Was sie erleben und durchmachen musste und welche Freunde das alles mit ihr durchgestanden haben und welche sich von ihr abgewandt haben. Ihren Kampf erneut Fuß zu fassen, hat Catharina Junk sehr gut umsetzt, wenngleich es leider auch ein paar Längen in der Geschichte gibt. Das Ende entschädigt über diese jedoch hinweg.
»Nach einer Weile werde ich innerlich ganz taub und fühle auf eine beängstigende Art und Weise gar nichts mehr.«
„Liebe wird aus Mut gemacht“ konnte mich leider nicht so berühren, wie ich mir das erhofft hatte. Gerade bei einer solchen Geschichte sind Emotionen für mich unabdingbar, aber Catharina Junk hat es bedauerlicherweise aber nicht geschafft, mir diese nahe zu bringen. Ansonsten habe ich mich aber gut unterhalten gefühlt, wenn man das bei einem solchen Thema überhaupt sagen kann. Schade, ich hätte das Buch echt gerne mehr gemocht.
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