Mini & Me #2
Babyblues

Posted on 26. März 2018 by Dörte

Ihr Lieben, ♥

ich spreche heute nicht nur mit euch darüber, wie es im Krankenhaus und die ersten Tage zu Hause für mich gewesen ist, nein, ich spreche ebenfalls mit euch über ein Thema, welches gerne mal totgeschwiegen wird. Hierbei handelt es sich um die Gefühle einer Mutter, die diese so nicht haben möchte und die einer frischgebackenen Mama auch furchtbare Angst machen.
Es ist mir sehr wichtig, dass ich euch mitteile, wie es mir in den ersten Wochen ergangen ist, weil ich mich schlicht schlecht gefühlt habe und dankbar über Hilfe von anderen Müttern war, die mir sagten, dass ich trotzdem völlig „normal“ bin und dass diese merkwürdigen Emotionen auch wieder weg gehen werden.
Aber mal von Anfang an:
Da bin ich nun also Mutter von einem wunderschönen 53cm kleinen Winzling, der sich an mich kuschelte und ich? Ich konnte es einfach nicht glauben. Dieses Wunder hatten wir erschaffen, dieses Geschenk hatten wir erhalten. Meine Gefühle waren durcheinander. Auf der einen Seite freute ich mich, aber auf der anderen Seite war da eine Leere, die ich so nicht beschreiben kann. Sie legte sich immer mal wieder wie eine Decke auf mich, ohne, dass ich so richtig benennen kann, in welchen Situationen dies geschah.
Vielleicht, als mich die Hebamme anmotzte, sie hätte mir das Anlegen doch bereits gezeigt, und der Kleine weiß nun mal nicht, wie das geht? (Ja, ich vielleicht?!)
Alles in allem war die Zeit im Krankenhaus nicht so schön. Mein Mann und ich wollten ein Elternzimmer beziehen, doch diese waren alle nicht mehr da. Ich lag nicht mal auf der Wochenstation, sondern auf der normalen Gynäkologie und musste mir ein Einzelzimmer mit einer anderen Neu-Mama teilen. Das heißt: Die „Klingel“ wurde in die Mitte gelegt und versucht das Beste aus der Situation zu machen. Es war nicht einfach. Die Narbe schmerzte, ich konnte mich nicht richtig um den Junior kümmern und ich war nachts alleine. Zudem haben die Schwestern auf der Gynäkologie auch immer die Hebammen von unten „angerufen“, wenn ich ein Stillproblem hatte – und ich hatte viele! Ich schaffte es nicht, den Winzling richtig anzulegen und er nuckelte mehr, als dass er überhaupt trank. Ich hatte Schmerzen, war kaputt und so unendlich müde. Ich weinte zudem sehr, sehr viel. Mein Mann war so gut es ging für mich da. Kümmerte sich um den Kleinen, denn ich konnte nicht aufstehen, ohne, dass ich unerträgliche Schmerzen hatte. In der zweiten Nacht weinte mein Sohn so sehr, dass ich die Zähne zusammenbiss und ihn betüddelte. Aber egal was ich tat, nichts half. Ich versuchte ihn anzulegen, doch das klappte nicht so richtig. Es wurde mir hin und wieder geholfen, aber ich hatte nicht das Gefühl, als würde man ihm, bzw. uns helfen. Ich trug ihn umher, sang ihm etwas vor. Ich war völlig erschöpft und verzweifelt, doch irgendwann kam er endlich zur Ruhe und schlief in meinen Armen ein. Ich saß auf einem Stuhl und wagte nicht aufzustehen. Ich wollte ihn nicht wieder weinen hören, es fühlte sich nämlich so an, als würde ich selbst den Schmerz meines Sohnes fühlen. Dieses Gefühl war schlimm, so schlimm, dass es mir richtig Angst machte. Am Morgen scheuchte mich eine der Schwestern selbst zu den Hebammen auf die Wochenstation. Dort unten weinte der Kleine und ich stimmte mit ein. Sie trösteten uns beide und endlich kam heraus, was ihm fehlte. Es konnte ihm geholfen werden. Er hatte Bauchweh. Ich fühlte mich schlecht, weil ich es nicht bemerkt hatte. Weil „Fremde“ meinem Sohn besser helfen konnten, als ich. Ich bin doch seine Mutter! Am selben Tag stellte sich heraus, dass sein Zuckerwert nicht okay ist. Wir mussten zufüttern. Und das, obwohl ich doch so gerne voll Stillen wollte! Als der Kleine trank und endlich mal nicht an meiner Brust schrie, weil er nicht satt wurde, fiel mir zwar ein Stein vom Herzen, aber ich fühlte mich auch wie eine Versagerin. Erst konnte ich ihm nicht helfen, wegen seines Bauchwehs und dann bekam ich ihn alleine noch nicht mal richtig satt.

Ich bin eine schlechte Mutter!
 

Dieser Gedanke kreiste in meinem Kopf und hörte überhaupt nicht mehr auf. Ich konnte mich nicht um ihn kümmern und machte alles falsch, was man nur falsch machen kann. Jedenfalls hatten sich diese dunklen Gedanken in meinem Kopf breit gemacht. Die Stimmen waren sehr laut, ich wurde sie nicht los. Ganz besonders schlimm war für mich das Thema Stillen. Wenn ich drauf angesprochen wurde, wie es nun weiter gehen sollte, ob ich es noch mal probieren möchte, oder nicht, brach ich sofort in Tränen aus. Selbst wenn ich heute daran denke, bilden sich in meinen Augen Tränen. Es war für mich ein ganz schlimmes Gefühl, dass es nicht geklappt hat. Die Entscheidung, die wir letztendlich getroffen haben, gegen das Stillen, brachte einen ganzen Berg der Erleichterung bei mir zum Einsturz. Ich wurde etwas ruhiger, und mein Kleiner ebenfalls. Damit wurde uns ein riesiger Stressfaktor genommen.

 

Die erste Zeit zu Hause:

War ebenfalls ziemlich hart. Ich muss dazu sagen, dass wir ein sehr ruhiges Kind haben. Wir mussten den Mini am Anfang alle vier Stunden aufwecken, damit er überhaupt etwas zu sich nahm. Er verschlief sein Essen sonst und das wäre nicht gut gewesen. Dennoch waren die Nächte zusehends hart.
Natürlich weiß man, dass Babys nun mal schreien, was sie allerdings für eine Lautstärke entwickeln, nun, da war ich dann doch etwas überrascht. 😉 Selbst wenn sich der Winzling von alleine gemeldet hatte, so dauerte es doch ewig, bis er seine Portion getrunken hatte.
Er träumte vor sich hin, nuckelte, trank vielleicht ein bisschen und schlief wieder ein. Wir mussten ihn dazu bewegen auch auszutrinken, was manchmal sehr schwer war. Das Schlafdefizit machte meinen Babyblues übrigens noch schlimmer. Ich hatte so viele Emotionen in mir, mit denen ich absolut nicht klar kam. Ich weinte wenn er schrie. Ich weinte, wenn er schlief. Ich weinte, weil ich mich manchmal so hilflos fühlte. Ich weinte, weil ich manchmal nicht wusste, warum er schrie. Ich weinte, weil ich manchmal das Gefühl hatte, ihn nicht zu lieben. Und dann weinte ich, weil ich mir sagte, was bin ich denn für eine Mutter, wenn ich so etwas denke?!  Meine Emotionen glichen einer Achterbahnfahrt. Mal steuerte ich auf den Berg zu und es ging mir richtig gut. Ich war so glücklich über dieses kleine Wesen, das es regelrecht schmerzte. Aber dann stürzte ich den Hang hinunter und es ging mit so schlecht, dass ich mich noch schlechter fühlte. Die Selbstzweifel waren total hart.
In dieser Situation haben mir viele Gespräche sehr geholfen. Befreundete Mamas haben mir zugeredet, mir gesagt, dass ich natürlich nicht alles richtig machen kann. Ich bin ja auch erst frisch Mama geworden. Wir müssen uns eben erst kennenlernen, bevor ich wissen kann, welches Bedürfnis der kleine Mann hat und wie ich dies befriedigen kann. Ich musste mir darüber im Klaren sein, dass solche Gedanken und Emotionen völlig normal sind. Der ganze Hormonhaushalt wird schließlich wieder komplett umgekrempelt. Natürlich weiß man dann nicht wohin mir all den Gefühlen. Und wenn man so ein Sensibelchen ist, wie ich, na, dann haut das noch einmal so richtig rein. Glücklicherweise habe ich einen so unfassbar verständnisvollen Mann. Er hat mir, bzw. uns die ganze Zeit zur Seite gestanden und sich um uns gekümmert. Er trocknete die Tränen unseres Sohnes und meine gleich mit. Ich bin so froh, dass ich einen solch tollen Mann gefunden habe! ♥
Heute sehe ich das alles ein bisschen anders. Nachdem ich das alles durch habe, bin ich daran gewachsen. Ich bin mit meinem Schatz zusammengewachsen und kann mir ein Leben ohne den kleinen Mann absolut nicht mehr vorstellen. Nie wieder ohne ihn möchte ich sein. Das kann ich euch sagen. In der gesamten Zeit, als ich so blöde Gedanken hatte, war die Liebe die ganze Zeit da. Da man so eine Art von Liebe aber noch nie zuvor gefühlt hat, kann einem das schon echt Angst machen. Man wird überschüttet und vielleicht sogar ein bisschen erdrückt von dieser Liebe. Sie ist stark. So stark, wie ich sie noch nie zuvor erlebt habe. Ich bin sehr froh, dass ich jemanden zum Reden hatte und mir so mitgeteilt werden konnte, dass diese Emotionen absolut normal sind. Ansonsten wäre ich sicherlich noch irgendwie verrückt geworden. Mir wurde gesagt, dass wenn ich so große Angst davor habe, keine gute Mutter zu sein, ich eine gute Mutter bin. Ich sorge mich. Ich weine mit ihm. Ich lasse niemanden zu nahe an ihn rankommen. Ich werde ihn beschützen und wenn es das Letzte ist, was ich tue. Ich verwandel mich in eine Löwin, wenn es um meinen Sohn geht und ich habe noch nie jemanden so sehr geliebt, wie ich dieses kleine Wesen liebe. Und das von Anfang an. Ich habe es nur nicht richtig gemerkt, nicht zuordnen können.
Mein Babyblues war die ersten zwei Wochen richtig, richtig heftig. Dann flachte er etwas ab, bevor er nach ca. vier bis sechs Wochen völlig verschwand. Er kann jedoch noch länger dauern und auch noch schlimmer werden, wenn er sich in eine Wochenbettdepression verwandelt. Mit dieser ist absolut  nicht zu spaßen!

Bitte sprecht über eure Gefühle, wenn ihr frisch Mama geworden seid und euch ebenfalls dieser Babyblues plagt. Wenn diese schlechten Gefühle nicht verschwinden, dann holt euch bitte, bitte ärztliche Hilfe. Schaut nicht auf andere. Seht nicht die Neu-Mama von nebenan, die scheinbar nur am Strahlen ist, Haushalt, Arbeit,  Einkaufen und Kind quasi mit links zu schaffen scheint. Mal davon abgesehen, dass ich es mir nicht vorstellen kann, dass es so laufen kann, ist es auch absolut nicht wichtig, was andere tun, denken oder sagen. Es geht in dieser Zeit einzig und allein um euch und eure kleine Familie. Um das neue Familienmitglied, ums Kennenlernen, ums Kuscheln. Und um nichts anderes! Es ist absolut keine Schande Hilfe zu suchen und Hilfe zu erhalten. Im Gegenteil. Es wird gerne totgeschwiegen, wie schlecht man sich nach einer Geburt fühlen kann. Man spricht nicht gern darüber, eben weil man denkt, man ist dann eine schlechte Mutter, aber das ist man nicht! Man ist damit nicht alleine. Es wird „nur“ nicht darüber gesprochen. Und genau das möchte ich mit diesem Beitrag ändern!
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Bedauerlicherweise musste ich eine Woche nach der Geburt meines Sohnes ins Krankenhaus. So viel zum Thema: Ich möchte die ersten beiden Wochen mit meiner Familie genießen. Aber dazu beim nächsten Mal mehr.

 

Seid ihr Mama?
Hatte der Babyblues euch ebenfalls gepackt?
Oder seid ihr verschont geblieben?

 

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