Rezension:
Mitch Albom – Nur einen Tag noch

Posted on 3. Dezember 2016 by Dörte

Original: For one more day
29.11.06 | 240 Seiten | Goldmann | AutorKaufen

 

 

Chick Benedetto ist in einer Sackgasse angelangt: Die Ehe mit seiner Frau Catherine zerbricht, seine Tochter kehrt sich völlig von ihm ab, und dann verliert er auch noch seinen Job. Immer tiefer gerät er in einen Sumpf der Verzweiflung, bis er eines Tages den Entschluss fasst, seinem verpfuschten Leben ein Ende zu setzen: Er fährt nach Pepperville Beach, die Stadt seiner Kindheit, und stürzt sich von einem alten Wasserturm. Wie durch ein Wunder überlebt er – und traut seinen Augen nicht, als er plötzlich seiner verstorbenen Mutter Posey gegenübersteht. Jahrelang hatten ihn Schuldgefühle gequält, weil er sie in ihrer letzten Stunde allein gelassen hatte, doch nun gewährt das Schicksal den beiden einen Tag – einen Tag, um all das nachzuholen, was sie ein Leben lang versäumt haben. Und Chick begreift zum ersten Mal, was seine Mutter aus Liebe zu ihm alles auf sich genommen hat …

 

Chick Benetto hat seine Lebenslust total verloren. Einst ein gefeierter Baseballspieler, hat er nun alles verloren. Er ist ein gebrochener Mann. In seinem Leben hat er sich meist für den falschen Weg entschieden. Dabei wusste er im Vorfeld nie, was passieren könnte.
Um ehrlich zu sein: Ein Teil von mir war ganz zufrieden mit diesem Zustand. Wenn man eine Begegnung mit verstorbenen Lieben hat, sträubt sich das Gehirn dagegen, nicht das Herz.
Bereits nach dem Prolog hatte mich Mitch Albom schon total an seine Geschichte gefesselt. Ich war berührt und habe sogar ein paar Tränen vergossen. Nach den ersten Seiten war mir klar, dass etwas Großes auf mich warten würde und wurde auch nicht enttäuscht.
Chick wächst einem sofort ans Herz. Seine Geschichte hat mich sehr berührt und gefesselt. Die Emotionen schwappten auf mich über und ließen mich immer mehr ein Teil des Protagonisten werden, der bedauerlicherweise mehr falsche als richtige Entscheidungen in seinem Leben getroffen hatte und so zu einem gebrochenen Mann wurde. Wie es dazu kam, teilt er uns auf diesen 240 Seiten mit.
Es hat mir sehr gut gefallen, wie der Autor das Buch strukturierte und einem Chick nahe brachte. Im Wechsel wird dem Leser jeder Fitzel aus der Vergangenheit auf dem Silbertablett serviert, bevor man sich anschließend wieder im Hier und Jetzt wiederfindet wo sich Chick gerade mit seiner verstorben Mutter unterhält. Gezeichnet vom Leben ist er erst verdattert, kann es nicht glauben, doch dann nimmt er es hin und öffnet sich.
Sie legte ihre Hand auf meine. „Wenn du jemand ins Herz geschlossen hast, wird er niemals wirklich verschwunden sein, sondern immer zu dir kommen, auch in ganz unwahrscheinlichen Momenten.“
Ich fand es nachvollziehbar und auch realistisch, wie sich der Protagonist in dieser Situation verhielt und gab mich selbst ganz dem weiteren Verlauf hin. Ich schwamm mit auf der Welle der Erinnerung und der Selbstfindung. Zwar war mir schon ziemlich schnell klar, wie sich das Ganze auflösen würde, doch durch das gesamte Drumherum wurde mir die Spannung dennoch nicht genommen. Als Leser möchte man wissen, was da nur alles so schief gehen konnte im Leben von Chick. Wie es soweit kommen konnte, dass dieser seinem Leben ein Ende setzen möchte. Aber vor allen Dingen hängt man an den Seiten, weil alles einfach so unfassbar magisch geschrieben wurde und immens berührend ist. Wer wünscht sich schließlich nicht, seiner verstorbenen Mutter noch etwas sagen zu können, bzw. noch einmal einen ganzen Tag mit ihr verbringen zu dürfen? Diese Gedanken, sowie das gesamte Drumherum von „Nur einen Tag noch“ haben mich des Öfteren zum Schniefen gebracht. Am Ende musste ich erst einmal Luft holen und das Gelesene sacken lassen. Doch selbst danach hallt die Geschichte noch sehr lange nach. Sie stimmt nachdenklich.
„Mama?“, flüsterte ich.
Das hatte ich so lange nicht mehr gesagt. Wenn der Tod einem die Mutter raubt, stiehlt er auch dieses Wort für alle Zeiten.

Wer gerne Bücher liest, die nachdenklich stimmen, jede Menge Emotionen bereit halten und zudem auch noch eine gewisse Melancholie mit sich bringen, der kann mir diesem Schmuckstück absolut nichts falsch machen. Dieses Buch berührt und stimmt nachdenklich. Top!

 

 

 

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2 Comments

  • Lottasbuecher 4. Dezember 2016 at 18:35

    Liebste Kitty,
    ich liebe emotionale Bücher, wie du weißt und wenn du dieses Buch toll fandest, bin ich mir sicher, dass auch ich es richtig gut finden werde. Daher kommt es auf meine Liste. Mitch Albom ist aber auch einfach ein klasse Autor. Mitch Albom und Marc Levy. Einfach großartig die Beiden. 😀

    Liebst, Lotta

    Reply
    • Kitty 7. Dezember 2016 at 8:53

      Ich bin mir sicher, dass es dich auch berühren wird. Ich muss ja zu meiner Schande gestehen, dass ich von Mitch Albom vorher noch nichts gelesen hatte. Das ändert sich jetzt allerdings. Marc Levy mag ich auch ziemlich gern, allerdings habe ich da schon das ein oder andere Buch nicht so sehr gemocht.
      GlG
      Kitty ♥

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