Rezension:
Cody McFadyen – Die Stille vor dem Tod

Posted on 3. Oktober 2016 by Dörte

Original: The Truth Factory
Smoky Barrett #5 | 26.09.16 | 480 Seiten | Bastei Lübbe | Autor | Kaufen

 

An einem kalten Oktobertag werden Smoky Barrett und ihr Team nach Denver, Colorado, gerufen. Im Haus der Familie Wilton ist Schreckliches geschehen: Die gesamte fünfköpfige Familie wurde ermordet, und der Täter hat durch eine mit Blut geschriebene Botschaft Smoky mit der Lösung des Falles beauftragt. Doch das Unheil ist weit größer, denn die Wiltons sind nicht die einzigen Opfer. Insgesamt drei Familien wurden in der gleichen Nacht und in unmittelbarer Nähe voneinander getötet. „Komm und lerne“, lautet die Botschaft an Smoky. Es wird ein grausamer Lernprozess, das Böse in seiner reinsten Form, in seiner tiefsten Abgründigkeit zu spüren. Smoky gelangt an die Grenzen ihrer Belastbarkeit. Und weit darüber hinaus.
»Hier muss etwas Furchtbares passiert sein. Damit meine ich nicht etwas Furchtbares, sonders etwas WIRKLICH Furchtbares.«
Zitat aus: „Die Stille vor dem Tod“

Meine Meinung:

 

Im Grunde genommen starte ich jede meiner Rezensionen erst einmal mit dem Positiven des Buches, bevor ich mich den Stellen widme, die mich nicht so überzeugen konnten. Mit dieser Tradition wollte ich natürlich auch bei McFadyens neuestem Werk nicht brechen, allerdings kann ich zu „Die Stille vor dem Tod“ absolut nichts Positives berichten. Stellenweise habe ich mich sogar gefragt, ob das wirklich aus der Feder McFadyens stammt…
Das Buch besteht aus drei Teilen: 1. Geburt, 2. Stille und 3. Ansprache. Im ersten Abschnitt geht es ziemlich rasant zur Sache. Smoky betritt hochschwanger einen Tatort, der an Grausamkeit überhaupt nicht mehr zu toppen ist. An dieser Stelle war ich noch voller Hoffnung, eine großartige Geschichte geliefert zu bekommen, doch diese wurde schon bald im Keim erstickt. Es geschehen plötzlich so viele Dinge, die einem als Leser komplett durcheinander bringen. Ständig stellt man sich die Fragen „Warum, wieso, weshalb?“ und wenn man schließlich der Meinung ist, es würde sich wieder ein bisschen beruhigen, findet sich die Ermittlerin plötzlich in einer noch prekäreren Lage wieder, dabei dachte man, das sei überhaupt nicht möglich.
Mir war der erste Abschnitt schon zuviel des Guten. Es wurde ständig noch eins drauf gesetzt und noch eins und noch eins. Nicht nur, dass man sich erneut auf ständige Wiederholungen einstellen muss, es klingt auch alles noch sehr an den Haaren herbeigezogen und auch die Veränderung, die Smoky auf einmal mitgemacht hat, ist mir unerklärlich. Wo ist die mutige, taffe Ermittlerin aus den anderen Bänden? Wo ist die Spannung, die McFadyen stets bei mir ausgelöst hat? Der Schrecken, den ich immer beim Lesen dieser Reihe empfunden habe? All das und auch meine Hoffnung auf bessere Stellen verpuffte schon beim zweiten Abschnitt: „Stille“. Die Bezeichnung ist außerordentlich gut gewählt, um auch mal etwas Positives zu diesem Thriller sagen zu können. Hier geht es einzig und allein um Smoky, ihre Ängste um ihren Sohn, den sie mittlerweile zur Welt gebracht hat, ihre Ängste um ihren Mann, um Bonnie und um alles andere Schreckliche auf der Welt. Ich musste mich zwingen überhaupt weiterzulesen, denn es geschah einfach überhaupt nichts, außer ständiges „Psychogelabere“, was weder den eigentlichen Plot vorantrieb, noch sich positiv auf die Entwicklung der Protagonistin ausgewirkt hätte.
»Ich streichle mit der Hand über meinen Leib, rede mit dem Leben darin. Worte braucht es nicht, da mein ungeborener Sohn und ich auf andere Weise verbunden sind. Manchmal habe ich Angst, weil mein Sohn  mir so viel Glück schenkt. Es ist ein Leuchten in mir, ein Versprechen, gegeben in beide Richtungen, auf eine Zukunft voller Licht und Wärme.«
Zitat aus: „Die Stille vor dem Tod“
Es war für mich schrecklich ermüdend zu lesen, was McFadyen aus Barrett gemacht hat. Von der einstigen „Heldin“ war einfach nichts mehr übrig.
Zusätzlich zu dem Psychologiekram wurden auch noch Zeitungsausschnitte mit in diesen Teil übernommen. Den Sinn darin erkenne ich allerdings auch jetzt, nachdem ich das Buch gelesen habe, nicht.
Der dritte und letzte Abschnitt sollte wohl so etwas wie Spannung aufkommen lassen. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt jedoch schon völlig resigniert aufgegeben, überhaupt noch Hoffnung auf eine solche zu haben. Angekommen ist bei mir auch nichts, was sich auch nur im entferntesten als Spannung angefühlt hätte. So leid es mir tut, aber dieser dritte Teil  hat ebenfalls nichts dazu beigetragen können, meine Bewertung in irgendeiner Art und Weise nach oben zu treiben. Es geht wie gewohnt langweilig weiter und das, obwohl der Plot so viel Potential zur Verfügung gestellt hat. Im letzten Abschnitt nimmt Smoky -endlich- die Ermittlungen in diesem Fall auf, nachdem 271 Seiten außer viel Gerede überhaupt nichts in dieser Richtung geschehen ist. An dieser Stelle möchte ich einmal drauf hinweisen, dass das Buch insgesamt 480 hat, man also mehr als die Hälfte überstehen muss, bevor es dann endlich mal wie gewohnt weiter geht.
Das Ende, insofern man es überhaupt so nennen kann, fand ich ziemlich fad und auch ziemlich frech. Es ist so an den Haaren herbeigezogen, dass ich das Buch wirklich fast an die Wand geworfen hätte. Zudem wird keine Frage, die man sich als Leser im Laufe der Geschichte fragt, aufgeklärt. Man bekommt keine Antwort darauf, warum Smoky diese Botschaft bekam und der Fall an sich ist überhaupt nicht aufgeklärt. Es sind zig lose Enden, bei denen ich mich ernsthaft frage, wie viele Fortsetzungen McFadyen da noch schreiben möchte, um wirklich alles gut abrunden zu können.
Ich weiß, dass es dem Autor nicht gut ging und wir deswegen so lange auf diese Fortsetzung warten mussten, nur möchte ich ausdrücklich betonen, dass ich lieber noch ein, oder sogar zwei Jahre darauf gewartet und somit eine gewohnt gute Story geliefert bekommen hätte, als so ein sinnloses, langweiliges Blabla.

 

 

Fazit:
Das Warten auf einen weiteren Fall Smoky Barretts hat sich leider nicht gelohnt. Der Thriller ist ungewohnt schwach und bietet wirklich keinerlei Überraschungen, oder kann gar mit den anderen Bänden der Reihe mithalten. Ich finde es schade, was aus der Protagonistin geworden ist und kann es immer noch nicht glauben, wie dieses Buch zu Ende ging. Für mich ist diese Geschichte wahrlich der Flop des Jahres.

Weitere Rezensionen:
Sunsys Blog (4/10)
Thrillertantes Bücherblog (5/5)
Laberladen

Die Reihe:
1. Die Blutlinie
2. Der Todeskünstler
3. Das Böse in uns
4. Der Menschenmacher
5. Die Stille vor dem Tod
 

Habt einen wundervollen Tag, ihr Lieben. ♥

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10 Comments

  • Gabi 3. Oktober 2016 at 13:51

    Hallo Kitty,

    vilen Dank für's Verlinken 🙂
    Wie schade, dass Du auch keinen Spaß an dem Buch gefunden hast und Dich an den gleichen Dingen gestoßen hast wie ich. Eine tolle Zusammenfassung hast Du da geschrieben und es genau auf den Punkt gebracht, was an dem Buch nicht passte.
    Ich fand Thrillertantes Meinung auch ziemlich interessant, weil sie das Buch so ganz anders empfunden hat. Da gibt es wohl wieder mal nur Liebe oder Hass und kein Mittelmaß für dieses Buch.

    LG Gabi

    Reply
    • Kitty 3. Oktober 2016 at 20:32

      Hallo Gabi 🙂
      Die Verlinkung habe ich gern gemacht, schließlich war deine Rezension erstmal die erste, die ich gelesen habe und dann finde ich sie auch noch so unglaublich gut geschrieben. Da musste ich dich einfach nehmen. 🙂
      Es ist wirklich schade, dass wir uns hier einig sind. Ich hatte ja echt gehofft, dass ich mich den negativen Stimmen nicht anschließen muss, aber mir hat ja sogar der erste Teil schon so gar nicht gefallen, weil es einfach zu viel auf zu wenig Seiten war. *seufz* Ich weiß gar nicht, wie oft ich geredet habe, während ich las. Mein Freund hat mich schon ganz merkwürdig angesehen und sich mein Leid angehört. 😉
      Ich habe bewusst auch eine hohe Bewertung mit verlinkt, weil es eben immer noch Geschmackssache ist, ob einen ein Buch gefällt, oder eben nicht. Finde es auch mega interessant, wie die Meinungen auseinander gehen. Du hast Recht: Entweder man liebt dieses Buch, oder man hasst es.
      GlG
      Kitty ♥

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  • _-Cinderella-_ 3. Oktober 2016 at 14:44

    Huhu Kitty,

    das ist aber mal schade :/
    Dabei hast du dich so sehr aufs Lesen und besonders auf dieses Buch gefreut. Hach… dann hätte der Autor wirklich noch eins, zwei Jahre warten sollen und eine "bessere" Story abliefern zu können. Besonders da die anderen vier Bände ja so abgefeiert wurden – nicht nur von dir 😉

    Hab dich lieb
    Jenny

    Reply
    • Kitty 3. Oktober 2016 at 20:35

      Ja Liebes, das ist echt schade. Ich hätte echt niemals damit gerechnet, dass ich mich zwingen muss, dieses Buch überhaupt weiterzulesen. Es war so unfassbar langweilig und nervig und überhaupt. *grummel*
      Eben. Wenn er irgendwie unter Druck geraten ist, weil seine Leser so unbedingt einen neuen Band haben wollten, nun, dann kann ich es bedingt verstehen, so etwas abzuliefern. Aber mal ehrlich: Ob wir nun vier Jahre auf eine Fortsetzung warten, oder fünf, ist doch eigentlich egal, oder?
      Hach, ich bin traurig. 🙁
      Hab dich auch lieb. ♥ Und ich freu mich sehr auf dich. 🙂 Nicht mehr lange. 🙂

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  • Nellys Leseecke 3. Oktober 2016 at 21:06

    Kitty, kennst du das, wenn man einen Horrofilm schaut, sich die Hände vors Gesicht hält und trotzdem zwischen den Fingern immer wieder hindurch schaut?? So ging es mir etwas beim Lesen deiner Rezension.
    Ich wusste ja von Twitter bereits, wie du das Buch bewertet hast, daher wusste ich, dass es böse wird (wie im Horrorfilm eben). Und trotzdem musste ich deine Rezension einfach lesen…
    Ich kann deine Kritikpunkte vollkommen verstehen, tu mir aber unglaublich schwer, diese mit einem McFadyen-Buch in Verbindung zu bringen. Werd mich daher schon selbst überzeugen müssen, aber es muss jetzt nicht unbedingt gleich sein. Ach so schade, wirklich…

    Alles Liebe, Nelly

    Reply
    • Kitty 3. Oktober 2016 at 21:30

      Ja, das kenne ich nur allzu gut. Ich praktiziere das sogar ab und an selbst mit dem "Durch die Finger durchschauen".
      Es tut mir echt in der Seele weh, dass ich sowas zum neuen McFadyen schreiben musste, aber leider, leider ist das Buch wirklich schlecht. *seufz* Ich habe hin und her überlegt, wie ich mich am besten ausdrücke, schließlich möchte ich sachlich rüberkommen und niemanden beleidigen, oder so. Es ist mir aber wirklich schwer gefallen. Weil ich so enttäuscht bin. Riesig enttäuscht bin.
      Ich hätte es auch niemals gedacht, dass ich so eine Rezension würde schreiben müssen, aber erstens kommt es anders,… na du weißt schon. 😉
      Ich hoffe sehr, dass dir das Buch besser gefallen wird und du dich den negativen Stimmen nicht anschließen wirst. Es gibt ja auch durchaus positive Stimmen. 🙂
      Alles Liebe
      Kitty ♥

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  • TheReal Kaisu 4. Oktober 2016 at 10:57

    Ganz ehrlich? Irgendwie muss ich gerade an Fitzek denken. An Passagier 23 und wie sich alle wie Bolle gefreut haben und dann dermaßen enttäuscht wurden. Als ich den stolzen Preis für das HC gesehen habe, musste ich erstmal schlucken und habe beschlossen auf das TB zu warten (wäre eh so besser für meine Sammlung) aber wenn ich hier so die Meinungen höre und sehe, läuft es mir kalt den Rücken herunter und ich bin genauso wie Nelly und blickte vorsichtig zwischen den Fingern hervor, in der Hoffnung es wird nicht noch schlimmer.

    Was mich stört: Smoky ist nicht mehr Smoky. Wiederholungen. Das Ende. Das sind so die drei Hauptpunkte warum mich das Buch nicht mehr lockt. Und das habe ich bisher bei allen so herausgelesen. Alex lass ich außen vor, da ich mit ihr bei Thrillern eh nicht immer übereinstimme 😛

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    • Kitty 22. November 2016 at 22:14

      Stimmt. Da hatte ich gar nicht mehr dran gedacht, aber es war echt so, dass "Passagier 23" echt nicht so der Bringer war…
      Bei diesem Buch hier scheiden sich echt die Geister. Meine Beste findet dieses "psychologische" und die Monologe von Smoky im zweiten Teil sehr gut.
      Ansonsten habe ich bisher auch nur sehr wenig positive Stimmen dazu gehört, bzw. gelesen.
      Ich bin jedenfalls neugierig, wie es dir gefallen wird, insofern du dich wirklich für das TB entscheiden wirst, wenn es draußen ist.
      Und ich bin auch sau gespannt drauf, wie der nächste Band der Reihe wird. Den werde ich nämlich auf jeden Fall noch lesen. (In der Hoffnung, dass es nur besser werden kann.
      *Drücker*
      P.S. Sorry, dass ich so ewig mit der Antwort gebraucht habe. War nicht so leicht in der letzten Zeit. :/

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  • Unknown 7. Oktober 2016 at 5:39

    Hallo miteinander, ich bin hoffentlich nicht der Einzige dem aufgefallen ist, das das Ende starke Parallelen zu Blutlinie aufweist und gleichzeitig diesem widerspricht. Wer hat denn nun Sands beauftragt???? Ansonsten finde ich die Rezension trifft den Nagel ziemlich auf den Kopf – Horror teilweise nicht mehr als Mittel zur Spannung, sondern als Selbstzweck, die Heldin ist nur noch ein Schatten ihrer selbst und ein sehr hanebüchendes Ende bei dem der Eindruck entsteht der Autor verstrickt sich in den Wirren seiner eigenen Erzählung. Ich denke es braucht mindestens zwei weitere Bücher um das sinnvoll zu klären – und das bei einem Autor der eh schon Probleme hatte dieses Buch zu Ende zu schreiben – leider sehr schade. Liebe Grüße Dirch

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    • Kitty 22. November 2016 at 22:17

      Erstmal ein riesiges Sorry dafür, dass ich mich jetzt erst zurückmelde. Ich habe es aus verschiedenen Gründen leider nicht früher geschafft. :/
      Nein, du bist nicht der Einzige, dem das aufgefallen ist. Jedenfalls die Parallelen habe ich bemerkt, dass es da einen Widerspruch gibt, ging allerdings schon an mir vorbei. *schäm*
      Vielen Dank für dein liebes Kompliment! Es freut mich, wenn auch kritische Rezensionen "ankommen", und ich augenscheinlich die richtigen Worte finde. 😉
      Ich hoffe, lieber Dirch, dass es MacFadyen hinbekommen wird. Klar, es wird schwierig, besonders da er so unfassbar viel hat im Unbekannten gelassen, aber ich bin echt guter Hoffnung, dass er es schaffen wird. *seufz* Ich wünsche es ihm – und auch uns.
      GlG
      Kitty ♥

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