Rezension:
Tess Gerritsen – Totenlied

Posted on 14. September 2016 by Dörte

 Original: Playing with Fire
25.07.16 | 320 Seiten | Limes | Autorin | Kaufen

 

Eine verstörende Melodie, ein tragisches Schicksal, ein tödliches Geheimnis …Von einer Italienreise bringt die Violinistin Julia Ansdell als Souvenir ein altes Notenbuch mit nach Hause. Es enthält eine handgeschriebene, bislang völlig unbekannte Walzerkomposition. Julia ist fasziniert von dem schwierigen Stück, doch jedes Mal, wenn sie die aufwühlende Melodie spielt, geschehen merkwürdige Dinge. Etwas Bösartiges geht von dem Walzer aus, etwas, was das Wesen von Julias dreijähriger Tochter auf beunruhigende Weise zu verändern scheint. Weil niemand ihr Glauben schenkt, reist Julia heimlich nach Italien, um nach der Herkunft der mysteriösen Komposition zu forschen …

 

„Incendio“ Klavierversion
»“Es waren nur zwei Worte, die sie ständig wiederholt hat, wie ein Mantra. Mommy wehtun.“«
Zitat aus: „Totenlied“

Meine Meinung:

 

Schon der Anfang von Totenlied hat es in sich. Ich war zutiefst erschrocken über die Geschehnisse der ersten Seiten. Diese Szene hat mich allerdings auch regelrecht neugierig darauf gemacht, was mich wohl noch erwarten würde.
Tess Gerritsen schreibt wie gewohnt sehr flott und lässt immer eine gewisse Spannung in jede Seite einfließen. Sie lässt ihr Protagonisten abwechselnd erzählen. Zum Einen handelt es sich hier um Julia, um die es in der Gegenwart geht und um Lorenzo, der uns in der Vergangenheit die Geschehnisse berichtet. Erzählt wird im Wechsel in der Ich-Form (Julia) und auktorial (Lorenzo). Ich fand diese Art sehr gut gelöst und umgesetzt.
Man identifiziert sich sehr schnell mit Julia und leidet mit ihr mit. Was hat es nur mit diesem Lied auf sich, welches sie aus Italien mitbrachte und fortan zu Hause spielt? Ist dies wirklich daran Schuld, dass sie ihre Tochter nicht mehr wiederzuerkennen scheint?
Diese und noch viele andere Fragen stellt man sich als Leser dieses Buches.
„Totenlied“ ist anders, als die anderen Bücher, die ich bisher von Tess Gerritsen gelesen habe. Es hat einen anderen Hintergrund, geht ins Geschichtliche und behandelt absolut keine Ermittlungsarbeit, a la Rizzoli und Isles. Wer dies also erwartet, wird vielleicht enttäuscht.
»Nichts sehen. Nichts hören. Nichts sagen. Dann hast du vielleicht eine kleine Chance zu überleben.«
Zitat aus: „Totenlied“
Besonders die Vergangenheit hat mich brennend interessiert. Hat Lorenzo vielleicht etwas mit dem Stück „Incendio“ zutun? In welcher Verbindung steht er oder ein anderer zu diesem Lied? Fragen über Fragen stellt man sich, und muss lange auf eine Antwort warten, mit der ich nicht gerechnet hätte. Es hat mich erschreckt zu sehen, wie sich die Geschichte zu Zeiten des zweiten Weltkrieges entwickelte und dies, trotz dass ich natürlich darüber Bescheid wusste. Die Autorin hat dieses Thema behutsam in ihre Geschichte mit eingebaut, nimmt allerdings vor der Schrecklichkeit keinerlei Blatt vor den Mund und beschönigt somit überhaupt nichts.
Es hat mich zutiefst berührt zu lesen, wie es Lorenzo ergangen ist. Ich habe mit ihm gelitten und ihn, sowie seine Familie sehr tief in mein Herz geschlossen. Der weitere, stets spannende Verlauf, erschütterte mich.
Aber auch die Geschichte rund um Julia nimmt immer mehr an Fahrt auf, bis sich alles zu einem Ganzen verbindet. Als Leser hat man am Ende ein Aha-Erlebnis der Extraklasse. Ich habe mit der Lösung absolut nicht gerechnet und brauchte auch erst einmal eine ganze Weile, bis ich das alles verarbeitet und verdaut hatte.
Es gibt nur eine kleine Sache, die ich nicht so gelungen fand und dies spielte sich so ziemlich am Ende des Buches ab. Eine Entwicklung, die ins Politische geht, empfand ich als überflüssig, da sie nicht wirklich etwas mit der eigentlichen Geschichte zutun hatte.

 

 

Fazit:
Wer hier einen Thriller a la „Rizzoli & Isles“ erwartet, wird vielleicht enttäuscht sein, denn Tess Gerritsen behandelt in Totenlied eine völlig andere Geschichte, die es auf jeder Seite in sich hat und von Spannung lebt. Man findet sich sehr schnell in das Buch hinein und fiebert bei jedem Satz mit. Besonders die Kapitel aus der Vergangenheit haben mich sehr berührt und zutiefst erschüttert. Das Ende hat mich überrascht und absolut überzeugt. Lesen!
Dir hat der Beitrag gefallen? Dann mach doch auch andere darauf aufmerksam!

10 Comments

  • dieSeitenfluesterer- unserBuchblog 16. September 2016 at 15:29

    Hej hej,
    dieses Werk muss ich auch uuuunbedingt noch lesen!
    Eigentlich bin ich keine Thrillerleserin, aber Tess Gerritsen kann es einfach 🙂

    Alles Liebe,
    Conny

    Reply
    • Kitty 22. September 2016 at 15:52

      Hallo liebe Conny 🙂
      Ich kann es dir sehr ans Herz legen. Es stimmt schon: Tess Gerritsen kann es einfach. 🙂 Es wundert mich, dass du sagst, du bist eigentlich keine Thrillerleserin, denn Gerritsen hat da schon einige harten Brocken hingelegt, wie ich finde. 😉
      Hab einen schönen Abend.
      GlG
      Kitty ♥

      Reply
  • Rena Analog 2-0 16. September 2016 at 18:21

    Hallo Kitty,
    ich bin gerade wirklich froh, das ich deine Rezension gelesen habe. Ich habe dieses Buch auf meiner Wunschliste habe aber in der Tat etwas im Stil der Rizzoli&Isles Reihe erwartet und ich freu mich, das ich es nun unter ganz anderen Voraussetzungen lesen darf.
    Generell mag ich den Schreibstil von Tess Gerritsen sehr gerne und habe den größten Teil ihrer Bücher gelesen.

    Viele Grüße,
    Rena

    Reply
    • Kitty 22. September 2016 at 15:54

      Hallo liebe Rena 🙂
      Es freut mich sehr, dass ich dich sozusagen "darauf aufmerksam machen konnte", dass es sich bei diesem Titel nicht um die üblichen Geschichten geht, die man bei der Autorin gewohnt ist. Ich war sehr erstaunt und auch überrascht, als ich das Buch gelesen habe und wollte einfach, dass andere gleich wissen, worauf sie sich einlassen, da die Thematik wirklich eine komplett andere ist und man vielleicht wirklich enttäuscht ist, wenn man bemerkt, dass es eben nicht dasselbe ist. Huch, was für ein Satz. 😉
      Ich wünsche dir schon jetzt viel Freude mit diesem Buch. 🙂
      Hab einen schönen Abend.
      GlG
      Kitty ♥

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  • Katies fantastische Bücherwelt 17. September 2016 at 10:32

    Hey =)

    Das klingt richtig gut und landet ganz sicher auf meiner Merkliste für die ungemütliche Jahreszeit. Gerade bei Thrillern schaue ich lieber genauer hin, um was es sich dreht und Tess Gerritsen ist ja schon eine vielversprechende Autorin.

    Liebe Grüße
    Katie

    Reply
    • Kitty 22. September 2016 at 15:56

      Ja, das stimmt schon. Thriller ist ja leider nicht gleich Thriller. 😉 Aber bei Tess Gerritsen bin ich echt noch nie enttäuscht worden. Ich kann es mir richtig gut vorstellen, dieses Buch unter der Decke mit Kerzenschein und einer heißen Tasse Tee zu lesen.
      Hab viel Freude daran, insofern ich das bei einem solchen Buch überhaupt sagen kann. 😉
      Einen schönen Abend und
      GlG wünscht
      Kitty ♥

      Reply
  • Poriomaniacs 17. September 2016 at 10:47

    Danke für die Rezension. Ich liebe Tess Gerritsens Bücher, auch ihre Stand-alones. Werde mir das Totenlied also schnellstmöglich zulegen 🙂

    Reply
    • Kitty 22. September 2016 at 15:57

      Sehr gute Entscheidung. 🙂 Ich muss gestehen, dass ich ihre Stand-alones noch gar nicht gelesen habe, aber das werde ich auf jeden Fall nachholen, nachdem mir "Totenlied" jetzt so unglaublich gut gefallen hat. 🙂
      Hab einen schönen Abend.
      GlG
      Kitty ♥

      Reply
  • Nicole Wagner 17. September 2016 at 18:02

    Hallo Kttiy,

    du bist immer so kreativ! Ich höre mir gerade dieses schöne Lied an, da kommt man richtig ins Schwelgen und sieht sich in einem italienischen Café sitzen.

    Liebe Grüße,
    Nicole

    Reply
    • Kitty 22. September 2016 at 19:04

      Wieso denn kreativ, Liebes?
      Als ich es hörte, nachdem ich das Buch gelesen hatte, hatte ich eine Gänsehaut.
      *drück dich*

      Reply

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