Rezension:
Susanna Ernst – Nur einen Traum entfernt

Posted on 6. September 2016 by Dörte

 

07.09.16 | 472 Seiten | feelings | Autorin | Leseprobe | Kaufen

 

Lorena und Lennard lieben es, auf der Bühne zu stehen, dabei verschiedene Rollen zu verkörpern und Geschichten zu erzählen. Sie sind noch Teenager, als sie zum ersten Mal ein Liebespaar mimen, und es auch hinter der Bühne zu knistern beginnt. Aber Lorena wird schnell bewusst, dass Lennard etwas verbirgt und Teile seiner Vergangenheit unterdrückt. Und dann wird eines Morgens ihr schlimmster Alptraum wahr: Lennard verlässt sie ohne ein Wort der Erklärung und verschwindet ins Ausland. Doch sechs Jahre später steht er auf einmal völlig unverhofft vor ihr …

 

 

Lennard, kurz „Lenn“ hat etwas erleben müssen, welches man nicht mal seinem schlimmsten Feind wünscht. Dieses Erlebnis hat ihn geprägt und ihn unnahbar erscheinen lassen. Doch blickt man hinter seine Fassade, sieht man den netten, charmanten Mann, der sich nur versteckt hat, um sich zu schützen.
Lorena ist eine sehr verletzliche Person. Insbesondere die Tatsache, dass Lenn sie schon mehr als einmal sitzengelassen hat, nagt sehr an ihr. Sie befindet sich in einem Gefühlschaos, als Lenn schließlich wieder auftaucht, denn tief in ihrem Herzen mag sie ihn immer noch sehr, doch sie hat Angst, dass er sie noch einmal verletzten wird.
Oh Gott, noch zwei Monate Proben mit Sullivan. Danach gehe ich am Stock. Vorausgesetzt, ich habe ihn nicht vorher schon umgebracht. Vielleicht erschlage ich ihn auch mit dem Stock, an dem ich dann gehe …
Susanna Ernsts Romane zeichnen sich insbesondere durch die Emotionen aus, die die Autorin stets verwendet und auf den Leser überträgt. Zudem baut sie auch immer noch eine kleine Überraschung, zum Beispiel, in Form eines Schicksalsschlags ein, mit dem man zuvor nicht gerechnet hätte und der einem die Tränen in die Augen treibt. Ich war, weil ich bisher alle Bücher Ernsts gelesen habe, sehr gespannt darauf, was mich bei ihrem neuen Werk erwarten würde und habe mir auch schon mal ein paar Packungen Taschentücher bereit gelegt, weil ich ja genau weiß, dass die Autorin mich augenscheinlich gern zum Weinen bringt.
Und so sollte es dann auch kommen. Schon auf der ersten Seite verschmolz ich erneut mit der Protagonistin und ließ mich von ihr durch diese wundervolle Geschichte führen. Es geht mit „Akt 1“ los. In diesem lernen wir die Protagonisten Lenn und Lorena in der Vergangenheit kennen. Es wird sozusagen beschrieben, wie alles begann. Ich konnte Lorena auf jeder einzelnen Seite verstehen und habe mit ihr mitgelitten. Zudem konnte ich nachvollziehen, dass sie sich von Lenn magisch angezogen fühlt, denn er ist wirklich ein ziemlich interessanter Charakter.
Ihre wohl größte Verbindung zueinander ist die Liebe zur Schauspielerei und damit komme ich jetzt auch schon zu meinem absoluten Pluspunkt:
Meist handelt es sich bei Romanen, in denen es ums Theater, oder allgemein um Schauspielerei gehtm um das wohl berühmteste Theaterstück Romeo & Julia, denn wer kennt diese Tragödie nicht? Zu meiner absoluten Erleichterung bedient sich Susanna Ernst allerdings nicht bei Shakespeare, sondern bei Baz Luhrmann, denn sie lässt ihre Protagonisten Moulin Rouge aufführen, und zwar in der Fassung, wie er im Jahre 2001 in die Kinos kam, was mir sehr, sehr gut gefallen hat.
„Gott sei Dank ist nicht die Zeit, die du gemeinsam mit einem Menschen verbringst, dafür verantwortlich, wie tief die Spuren sind, die er hinterlässt, sondern … vielmehr die Intensität der Momente, die du mit ihm erlebst.“
Da es sich bei diesem ausgerechnet um mein Lieblingsstück handelt, war ich natürlich sogleich Feuer und Flamme. Ich konnte mich nun noch mehr mit den Protas anfreunden, habe sie, mal mehr, mal minder, verstanden, ging an ihrer Seite und spielte Mäuschen, bei ihren Proben.
Das Gute an Nur einen Traum entfernt ist, dass die Autorin im zweiten Akt auch auf die Gegenwart zu sprechen kommt. Wie es mit den beiden weitergeht, ob es überhaupt mit ihnen weitergeht und was das Schicksal noch alles für sie bereithält. Als Leser fragt man sich, warum der Protagonist so ist, wie er ist. Worin die Gründe liegen, dass er manchmal „ein bisschen“ neben der Spur ist und augenscheinlich vor irgendetwas Angst hat.
Um wirklich jede Gefühlslage so richtig mitzuerleben, erzählen Lenn und Lori ihre Geschichte abwechselnd aus ihrer Sicht in der Ich-Form. Zudem gibt es vor fast jedem Kapitel noch einen Tagebucheintrag von einem der beiden Hauptfiguren, der wirklich sehr tief in deren Seele hineinblicken lässt. Es hat mir gefallen zu sehen, wie sich das Puzzle immer weiter zusammenfügt und ich endlich mitbekam, was für ein Problem Lenn hat und wie Lorena damit umgeht.
Ich habe erneut einen wirklich hinreißenden Roman geliefert bekommen, der mich mitgerissen hat, mich hat lachen und weinen lassen und mit deren Charakteren ich mich sehr gut habe identifizieren konnte, egal, ob es sich um die Hauptdarsteller, oder eher um die Nebendarsteller handelte. Die Idee einfach mal nicht auf Romeo und Julia zurückzugreifen, sondern sich Moulin Rouge anzunehmen, fand ich außerordentlich gelungen.
„Wir sind, was wir sind. Und was wir gerne wären, bleibt meist einen Traum entfernt.“
Nur einen Traum entfernt konnte mich verzaubern. Ich mag die Geschichte von Lenn und Lori sehr. Zudem empfand ich es als Besonders, dass sich Susanna Ernst nicht an Romeo und Julia, sondern an Moulin Rouge bedient hat. Alles in allem erneut ein rundum gelungenes, neues Werk der Autorin, welches ich jedem empfehlen kann.
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5 Comments

  • Ela 7. September 2016 at 9:47

    Eine sehr schöne Rezension die zeigt, wie sehr Dich dieses Buch berührt hat.
    Ich habe neulich zum ersten Mal etwas von Susanne Ernst gelesen, den Roman "Solange die Hoffnung lebt" und war sehr begeistert von ihrem Schreibstil 🙂
    Wird also auch nicht mein letzer Roman von ihr gewesen sein und dank deiner Rezension, packe ich "Nur einen Traum entfernt" nun auf meine Wunschliste.
    Liebe Grüße
    Ela

    Reply
    • Kitty 11. September 2016 at 14:57

      Hallo liebe Ela,
      es freut mich sehr, dass ich dich dazu gebracht habe, dieses Buch auf deine WuLi zu setzen. Es ist wirklich traumhaft schön. 🙂
      "So, wie die Hoffnung lebt" ist mein liebstes Buch von Susanna Ernst. Selten hat mich eine Geschichte so sehr berührt, wie diese. *seufz* Was ich dir noch ans Herz legen kann, ist "Deine Seele in mir". Das fand ich auch richtig, richtig gut. Ich bin mir sicher, dass du es ebenfalls lieben wirst. 🙂
      Vielen Dank für deinen lieben Kommentar und noch einen schönen (Rest)Sonntag.
      Alles Liebe
      Kitty ♥

      Reply
    • Ela 12. September 2016 at 4:54

      Hallo Kitty,
      danke, dass ist auch schon auf der Merkliste 🙂
      Liebe Grüße
      und einen guten Start in die Woche,
      Ela

      Reply
  • glitzerfee 17. September 2016 at 6:29

    Hallo Kitty,

    Die Bücher von Susanna Ernst sind wirklich immer etwas besonderes. Dieses Buch habe ich noch nicht gelesen aber das sollte ich wohl unbedingt nachholen. Finde es richtig klasse das nicht Shakespeare gewählt wurde, das gibt es wirklich schon haufenweise in Büchern.
    Eine tolle Rezension von dir, die mich noch neugieriger auf der buch gemacht hat.

    Liebe Grüße,
    Vanessa

    Reply
    • Kitty 22. September 2016 at 19:08

      Ja Vanessa, so ging es mir auch. Auch ich mag es sehr, dass es dieses Mal nicht um Shakespeare geht, sondern sich endlich mal auf ein anderes Stück eingelassen wird.
      Vielen Dank für das liebe Kompliment. Ich freue mich sehr, dass ich dir das Buch jetzt noch schmackhafter machen konnte. 🙂
      Hab einen schönen Abend.
      GlG
      Kitty ♥

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