Rezension:
Alexandra Burt – Remember Mia

Posted on 5. August 2016 by Dörte

Original: Remember Mia
22.04.16 | 384 Seiten | dtv | AutorinKaufen

 

Eine junge Mutter kämpft darum, ihr Gedächtnis wiederzuerlangen – während die Welt sie für die Mörderin ihres Kindes hält.
Nach einem Autounfall erwacht Estelle Paradise im Krankenhaus und kann sich an nichts erinnern. Man hat sie in einer tiefen Schlucht aus dem Wrack ihres Wagens geborgen – schwer verletzt. Doch nicht alle Verletzungen stammen von dem Unfall: Es hat auch jemand auf Estelle geschossen. Wer? Nur sehr langsam dringt die wichtigste Frage in ihr Bewusstsein: Wo ist Mia, ihre sieben Monate alte Tochter? Sie war nicht mit im Unfallwagen. In einem schmerzlichen Prozess kehrt Estelles Erinnerungsvermögen zurück: Mia war schon drei Tage vor dem Unfall aus ihrem Apartment in New York verschwunden. Und Estelle wird auf einmal vom Opfer zur Hauptverdächtigen.

 

 

 

Estelle ist bestürzt darüber ihr Gedächtnis verloren zu haben. Sie ist verzweifelt um den Verlust ihrer Tochter Mia und droht völlig durchzudrehen, weil sie diejenige ist, die die ganze Zeit unter Verdacht steht. Estelle leidet unter, ich nenne es mal Visionen, die ihr Angst machen.
Estelle ist irgendwann so durcheinander, dass sie selbst schon gar nicht mehr weiß, was sie sich einbildet, und was vielleicht Erinnerungen sein könnten.
Nicht einmal der Abdruck ihres kleines Körpers auf der Matratze war noch da. Jemand hatte sie mitgenommen, ohne die Schlösser aufzubrechen oder die Tür auszuhängen. Sie hat eine Stille hinterlassen. Diese Stille ist so laut, dass sie mich nachts wach hält.
Remember Mia ist in vier Teile aufgeteilt. Im ersten begleiten wir Estelle, wie sie schwer verletzt im Krankenhaus aufwacht und nicht weiß, was geschehen ist. Gerade in diesem Abschnitt lernt man die Protagonistin, die einen fortan auf  384 Seiten begleiten wird, sehr gut kennen.
Abschnitt zwei und drei behandelt die Therapie, die sich Estelle unterzieht und im vierten und letzten Teil hat Estelle ihr Gedächtnis zurückerlangt und macht nun alles, was in ihrer Macht steht, um ihre Tochter zu finden – ob tot oder lebendig.
Ich habe den Schreibstil von Alexandra Burt als so angenehm empfunden, dass ich nur so durch die Seiten geflogen bin. Sie schreibt sehr bildlich, flüssig und hält auf jeder Seite die Spannung aufrecht, oder lässt diese weiter ansteigen. Da die Autorin den Ich-Erzähler gewählt hat, konnte ich mich sehr gut in Estelle hineinversetzen. Ihre Schmerzen, abgelöst von Angst und Hoffnung nachvollziehen und sie fest in mein Herz schließen. Ich finde es erschreckend, was im Laufe der Geschichte zutage kommt, eben das, was die arme Frau alles durchmachen muss.
Gerade eine Tatsache hat mich schon sehr erschüttert, und darum geht es um die Schuldfrage. Ich bin mir sicher ich verrate nicht zuviel, wenn ich sage, dass sie von allen Seiten des Verschwinden ihrer Tochter Mia für schuldig gehalten wird, dabei gibt es keinerlei Indizien, die dies beweisen würden. Hat sich einmal jemand auf einen eingeschossen, wird dieser das Stigmata so schnell nicht mehr los. So geschehen in Remember Mia, doch leider auch heutzutage immer wieder ein (trauriges) Thema – Aber ich schweife ab…
„Dass es in jedem Leben Glücksmomente gibt. Glück liegt wie Traurigkeit oft unter vielen Schichten verborgen.“
Die Sympathie zur Protagonistin variiert von Seite zu Seite. Man ist so sehr in ihrer Rolle drin, dass man selbst irgendwann gar nicht mehr sicher ist, ob sie wirklich unschuldig, oder vielleicht doch etwas mit dem Verschwinden zutun hat. Ich habe mir den Kopf zerbrochen, ständig neue Szenarien vor Augen gehabt und wurde letztendlich von der Auflösung ziemlich überrascht. Habe ich mit den Wendungen gerechnet? Nein! Habe ich mit dem Ende gerechnet? Auf keinen Fall!
Alexandra Burt hat es mit ihrem Debüt geschafft, mich völlig in die Irre zu führen, mich zu ängstigen und mich auch zum Nachdenken zu bringen. Es steht außer Frage, dass es das Schlimmste überhaupt für eine Mutter ist, ihr Kind zu verlieren – auf welche Weise auch immer. Die Autorin geht mit dem Thema zwar, wie ich finde, sehr behutsam um, scheut sich allerdings nicht, die knallharten Fakten preiszugeben. Dabei ist dieser Roman keinesfalls brutal, oder gar blutig, nein – Er geht an die Psyche, an das Innerste eines Menschen. Er frisst sich in die Seele und hört erst damit auf, wenn man die letzte Seite hinter sich gelassen hat.
Ich kann sagen, dass ich, bis auf ein paar längere Stellen, die meiner Meinung nach überflüssig waren, echt beeindruckt von diesem Roman bin.
Ich weiß nicht, was mit meiner Tochter Mia geschehen ist.

Mit Remember Mia ist Alexandra Burt ein zweifellos gutes Debüt gelungen, welches mich gut unterhalten und mir sogar ab und zu eine Gänsehaut verschafft hat. Die Strukturierung und Umsetzung des Romans konnte mich begeistern. Alles in allem habe ich mich sehr gut unterhalten gefühlt und kann Remember Mia deshalb jeden empfehlen, der auch gerne mal „unblutige“ Thriller zur Hand nimmt.

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4 Comments

  • Charlie 4. August 2016 at 20:27

    Die Psychologie fand ich hier auch extrem faszinierend, denn man fiebert ja einerseits mit Estelle mit, anderseits hatte sie ja durch ihre postnatale Depression (denke mal, dass es das war) auch psychische Probleme und ja durchaus auch mal Gewaltfantasien gegenüber ihrer Tochter. Ich fand die Begründung für die Auflösung lahm, aber das Psychospielchen wirklich gut.

    LG,
    Charlie

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    • Kitty 17. August 2016 at 13:00

      Ich sehe, wir sind uns schon wieder einig. 🙂 Mir ging es ebenso: Diese Psychospielchen waren echt richtig, richtig gut. Ich habe irgendwann selbst nicht mehr gewusst, wem ich nun trauen kann und wer nun Recht hat. Das war echt richtig gut umgesetzt und rüber gebracht.
      Ich habe mit dem Ende so nicht gerechnet, und war dementsprechend schon überrascht, aber da sind die Empfindungen ja auch von Leser zu Leser verschieden.
      Es freut mich jedenfalls, dass dir die Geschichte wohl auch ganz gut gefallen hat. 🙂
      GlG
      Kitty ♥

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  • Lottasbuecher 17. August 2016 at 15:17

    Liebe Kitty,
    ich habe so lange überlegt, ob ich das Buch lese oder nicht und die Rezensionen, die ich gelesen habe, waren irgendwie nicht so ganz überzeugend gewesen. Daher hatte ich bisher davon abgesehen. Nun überlege ich doch, ob ich es mal lese, weil der Stil mich eigentlich schon ziemlich gereizt hat. 😀

    Liebst, Lotta

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    • Kitty 24. August 2016 at 14:32

      Versuch es einfach mal. Ich fand es, bis auf ein paar Abstriche, wirklich gelungen und auch interessant. Es ist eben nicht blutig, sondern geht wirklich total an die Psyche. Mir jedenfalls. Gib dem Buch eine Chance. 🙂

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