Rezension:
Antonella Boralevi – Glück à la carte

Posted on 14. Mai 2016 by Dörte

 

Vielen Dank an den carl’s books Verlag, für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplares!

Original: La Locanda Delle Occasioni Perdute
09.05.16 | 192 Seiten | Carl´s books | Autorin | Leseprobe | Kaufen

Am Abend vor ihrem 47. Geburtstag reist Mirella nach Paris und betritt ein geheimnisvolles Restaurant. Dort erhält jeder Gast eine magische Speisekarte, die nur für ihn bestimmt ist: Anstelle von Gerichten sind dort die Schlüsselmomente des eigenen Lebens aufgelistet. Mirella durchlebt diese ganz besonderen, oft aber auch schmerzhaften Situationen erneut. Und am Ende – so lautet die Regel – darf sie an einer Stelle ihrem Leben eine neue Wendung geben. Doch welche der vielen nicht gelebten Möglichkeiten soll Mirella ergreifen? Oder soll sie einfach neugierig und gelassen abwarten, was die Zukunft für sie bereithält?

 

 

 

Mirella ist 46 Jahre alt und augenscheinlich nicht mit ihrem Leben zufrieden. Sie trauert ihren verpassten Momenten hinterher und überlegt, wie sie ihr Dasein ändern könnte. Mirella ist eine emotionale, sensible Frau, die in ihrem Leben schon einiges hat ertragen und mitmachen müssen.
Wann würde ich lernen, dass Liebe eine Belastung war, die man unmöglich ertragen konnte?
Schon auf der ersten Seite, nach den ersten Sätzen wusste ich, dass mit Glück à la carte etwas ganz Besonders auf mich zukommen wird. Die Worte von Antonella Boralevi wirkten poetisch auf mich, wie ein Gedicht, das vor Emotionen nur so strotzt. Ich versank sehr schnell in ihrer Geschichte und nahm Mirella an die Hand, begleitete sie in das etwas andere Pariser Restaurant.
Die Protagonistin Mirella erzählt uns ihre Geschichte selbst in der Ich-Form. Sie nimmt dabei kein Blatt vor den Mund, sondern spricht geradeheraus, was mir sehr gut gefallen hat. Ich hatte schon auf den ersten Seite eine immens große Bindung zu ihr hergestellt und nahm so natürlich auch jegliche Emotionen in mir auf. Im Restaurant geht es magisch zu. Die Protagonistin bekommt eine Speisekarte in die Hände, die ihre verpassten Möglichkeiten aufzeigt. Diese erlebt Mirella nun noch einmal, um sich am Ende zu entscheiden, welche dieser Möglichkeiten sie rückgängig machen möchte, um damit vielleicht ihr Leben zu verändern.
Es geschah, weil es in jedem Leben einen Moment gibt, in dem das Glück einen segnet.
Schon alleine diese Idee, mit der Speisekarte, mit den verpassten Chancen hat mich sehr überzeugt. Die Umsetzung ist sogar noch besser, als ich es mir ausgemalt hatte.
Jede der Situation durchlebt nicht nur die Protagonistin während ihres Restaurantbesuches, sondern auch der Leser selbst. Da wird gezeigt, wie es Mirella vor ein paar Jahren ergangen ist, als sie noch nicht alleine war, aber auch ziemlich nah auf ihre Kindheit eingegangen, die alles andere als schön gewesen ist. Einzelne Szenen haben mich schlucken lassen. Wieder andere haben mich zutiefst berührt. Während des Lesens spürt man die gesamte Zeit so ein unruhiges Gefühl, denn man möchte natürlich unbedingt erfahren, für welche verpasste Chance sich die Protagonistin entscheidet. Zudem denkt man irgendwann selbst darüber nach, für welches „Gericht“ man sich wohl selbst entscheiden würde, wenn man die Möglichkeit dazu hätte.
Das Einzige, was ich eher ein bisschen schade fand, ist die Tatsache, dass mir das Tempo am Schluss viel zu hoch war. Hier hätte ich es mir gewünscht, dass die Geschichte nicht so holterdiepolter zum Ende kommt, sondern eher sanft dorthin gleitet.
Es verlangt Mut, sich seinem Leben zu stellen.
Dieser Roman ist so unglaublich klug und brillant geschrieben, dass ich noch stundenlang hätte weiterlesen können. Er zeigt immens viele Weisheiten auf, was mir die Auswahl der Zitate sehr schwer gemacht hat. Man denkt und fühlt während des Lesens einfach nur und lässt sich wie magisch durch die Seiten gleiten. Ich spreche eine absolute Leseempfehlung aus!
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2 Comments

  • Martina 14. Mai 2016 at 9:18

    Oh Kitty, was tust du mir an?! Schon wieder ein neues Buch auf meiner Wunschliste….!
    LG Martina

    Reply
    • Kitty 15. Mai 2016 at 10:59

      Hihi. Gern geschehen. 🙂 😉

      Reply

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