Rezension:
Laura Barnett – Drei mal wir

Posted on 29. März 2016 by Dörte

 

Vielen Dank an den Rowohlt Verlag für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplares!

Original: The Versions of us
11.03.16 | 496 Seiten | Rowohlt | Autorin | Leseprobe | Kaufen

Eva und Jim sind neunzehn und Studenten in Cambridge, als ihre Wege sich 1958 zum ersten Mal kreuzen. Eine Fahrradpanne führt die beiden zusammen. Was dann passiert, wird den Rest ihres Lebens bestimmen.
Wir folgen drei unterschiedlichen Versionen ihrer Zukunft, zusammen und getrennt. Sehen Eva dabei zu, wie sie eine berühmte Schriftstellerin wird. Und Jim, wie er für die Kunst seinen Beruf als Anwalt hinter sich lässt. Wir sehen Partner kommen und gehen, reisen mit ihnen nach London, New York und Los Angeles. In all den Jahren nimmt ihre Liebe immer wieder ungeahnte Wege, von den ersten drei Treffen bis hin zum Finale: Drei Liebesgeschichten, ein Paar.

 

 

 

Das Buch ist eine absolute Augenweide. Nicht nur der Schutzumschlag schaut fantastisch aus, sondern auch die vielen Einzelheiten im Buch selbst, sind wundervoll gestaltet. Jede Version wird anders farbig hervorgehoben und schaut einfach nur toll aus. Selbst wenn man den Schutzumschlag entfernt, ist das Buch noch ein absoluter Hingucker.
»Vielleicht entsteht Liebe ja genau so, schrieb sie damals in ihr Notizbuch: aus diesem unmerklichen Übergang von bloßer Bekanntschaft zu Intimität.«
Wer hat sich in verschiedenen Situtationen nicht schon einmal gefragt: „Was wäre gewesen, wenn ich den Job angenommen hätte?“, oder: „Was wäre gewesen, wenn ich damals auf mein Herz gehört hätte?“ Laura Bernett hat sich mit diesen Fragen an zwei Protagonisten ausgetobt, nämlich an Eva und Jim. Beide laufen sich zu Studienzeiten plötzlich und unerwartet über den Weg und ab diesem Tag ist nichts mehr, wie es einmal mal. Die Autorin spinnt drei Lebensweisen des Paares durch. In diesen Versionen zeigt sie dem Leser, in wie weit sich die einzelnen Handlungsstränge verändern, entscheidet sich Eva dafür mit Jim mitzugehen, oder dagegen, um an ihrer Vorlesung teilzunehmen und natürlich auch, wie die dritte Entscheidung ausschauen wird.
Diese Idee hat mich fasziniert und mich sehr neugierig auf die Geschichte, wie auch auf die Umsetzung gemacht. Ich stellte mir eine sehr schöne Liebesgeschichte vor, die so zu Herzen geht, dass es mir Tränen in die Augen treiben würde. Die Erkenntnis, nachdem ich mit dem Lesen begonnen hatte, kam allerdings schon sehr früh: Leider musste ich schon nach den ersten paar Seiten feststellen, dass ich mich absolut gar nicht mit dem Schreibstil Barnetts, sowie dem gesamten Aufbau des Buches anfreunden konnte.
Drei mal wir besteht aus drei Teilen. Bevor ich dieses Buch in der Hand hatte, dachte ich, jeder Teil steht für eine Version, doch da hatte ich mich getäuscht. Die drei Akte der verschiedenen Liebesgeschichten der Protagonisten werden abwechselnd erzählt, sowie in verschiedenen Farben voneinander abgehoben. Wir starten zunächst bei Version eins, begeben uns zu Version zwei, um schließlich bei der dritten zu landen. Ist man dort angelangt, geht es bei Version eins weiter.
»Manchmal habe ich Angst, du könntest verschwinden, wenn ich eine falsche Bewegung mache.«
Wie sich beide kennenlernen wird nun also in drei verschiedenen „Versionen“ erzählt und dieser Aufbau zieht sich durch das gesamte Buch hindurch, nur die Szenen, Lebensabschnitte sind natürlich andere. So sieht der Leser, wie Eva und Jim in dem einen Leben dies erleben und in den anderen etwas völlig anderes. Dieser Aufbau führte dazu, dass ich gar nicht richtig in die Geschichte reinfinden konnte, da für mich alles so abgehakt und „unfertig“war. Die Sprünge der Versionen wird begleitet durch ständig wechselnde Erzähler. Mal wird von Jim auktorial berichtet und mal von Eva. Als wäre dies nicht schon verwirrend und zugegebenermaßen anstrengend genug, springt Laura Barnett auch noch in der Zeit. Mal schreibt sie im Präsens, um anschließend futuristisch zu werden und schließlich im Präteritum zu enden. Ich war verwirrt, weil für mich so außerdem auch kein roter Faden ersichtlich war und ich mich zugegeben ebenso noch gelangweilt habe. Von großen Gefühlen, oder irgendeinem kleinen Funken Spannung ist in Drei mal wir leider nichts zu erkennen. Die Charaktere sind allesamt eher unscheinbar und sehr blass. Zudem betreten auch noch so viele Nebenfiguren die Bühne, dass ich irgendwann gar nicht mehr wusste, welche Person jetzt in welcher Version überhaupt gerade seinen Platz gefunden hat. Es vermischte sich alles des Öfteren zu einer großen, bunten Masse, denn ich hatte völlig den Überblick verloren. Nur durch häufiges Zurückblättern konnte ich die einzelnen Geschichten schließlich wieder einigermaßen auseinander halten.
Am Ende war ich, so leid es mir tut, wirklich froh es hinter mich gebracht zu haben.
»“Dummer Junge, mach dich nicht lächerlich. Wie könnte ich denn woanders sein wollen als hier?“«
Auch die wirklich wundervolle Gestaltung dieses Buches kann mich absolut nicht über die mangelnde, schwierig zu lesende und langweilige Umsetzung hinwegtrösten. Von außen betrachtet ist Drei mal wir wirklich wunderschön anzusehen, der Inhalt konnte mit dem aber leider absolut nicht mithalten.

 

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6 Comments

  • Lottasbuecher 30. März 2016 at 6:03

    Hallöchen Kitty,
    ich hatte mit Leonie von Rowohlt über dieses Buch geschrieben und ich fand, dass es einfach super interessant klang und eine sehr originelle Idee ist, aber ich habe, glaube ich, noch keine einzige positive Rezension zu diesem Buch gelesen und wenn es dir nicht gefällt.. dann brauch ich es mir gar nicht erst anzusehen. Ich weiß, dass ich es dann auch nicht besonders finden werde. Somit bin ich froh, dass ich mich dann doch gegen dieses Buch entschieden habe. ^^

    Liebst, Lotta

    Reply
    • Kitty 30. März 2016 at 21:27

      Eben weil es so interessant klang, musste ich es unbedingt haben. Ich war auch total happy, als ich es in der Hand hatte, denn es ist echt ein Augenschmaus. Aber es ist echt schwer und verwirrend zu lesen und ich bin mir sicher, dass es richtig ist, wenn du dich dagegen entscheidest. 🙁
      *drück dich*

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  • Katharina P. 1. April 2016 at 20:14

    Hallo Kitty,
    es scheint tatsächlich so, als wären wir derselben Meinung. Schade ums Buch :/
    Klar, darfst du die Rezi von unserem Blog gerne verlinken. Ich setz umgekehr auch einen bei uns 🙂
    Dir auch noch einen schönen Abend und ein schönes Wochenende!
    Liebe Grüße,
    Katha von Svenjas BookChallenge

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    • Kitty 4. April 2016 at 20:05

      Ja stimmt. Ich war auch total traurig, weil es mich absolut nicht überzeugen konnte. *seufz*
      Danke, dass ich euch verlinken durfte und danke für die entgegengesetzte Verlinkung. 🙂
      Habt einen schönen Abend.
      GlG
      Kitty ♥

      Reply
  • Anonym 29. Oktober 2016 at 20:47

    Auch ich bin über das Buch enttäuscht.Die Idee ist sehr gut,aber….Ab Teil 3 hab ich die beiden anderen Versionen einfach überblättert und eine Version am Stück gelesen.Trotzdem bekommt man häufig in einem Satz jede Menge Information "hingeknallt". Ich wollte nur noch das Ende wissen.

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    • Kitty 22. November 2016 at 22:08

      So ging es mir leider ebenfalls. Ich kann deinen Kommentar absolut unterschreiben.
      Auch ich wollte das Ende wissen, ansonsten hätte ich es bestimmt gar nicht bis zum Schluss gelesen. Ich kann nur immer wieder sagen, wie schade ich es finde. 🙁
      GlG
      Kitty ♥
      P.S. Sorry, dass ich jetzt erst antworte: Ich war mitten im Umzugsstress und habe leider vorher nicht die Zeit gefunden.

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