Rezension:
Amanda Brooke – Wo ich dich finde

Posted on 25. März 2016 by Dörte

 

Vielen Dank an den Goldmann Verlag, für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplares!

Original: Where I Found You
14.03.16 | 448 Seiten | Goldmann | AutorinKaufen

Maggie ist blind – und wann immer ihr die Welt zu laut und chaotisch wird, zieht sie sich auf ihre Lieblingsparkbank zurück. Doch in letzter Zeit hängt sie dort vor allem ihren eigenen widersprüchlichen Gedanken nach. Denn sie erwartet ein Kind, und nun nagen Zweifel an der eigentlich so selbstbewussten Frau. Eines Tages lernt sie Elsa kennen, die behauptet, ebenfalls schwanger zu sein. Aber Elsa ist eine alte Frau! Maggie beschließt herauszufinden, welches Geheimnis hinter Elsas Geschichte steckt. Und tritt damit eine Reise in die Vergangenheit an, an deren Ende ein kleines Wunder steht. Ein Wunder, das nicht nur Elsa ihren Frieden geben, sondern auch Maggie den Glauben an eine glückliche Zukunft schenken wird.

 

 

 

Elsa hat
eine ziemlich schlimme Vergangenheit hinter sich, aus der sie scheinbar nicht entfliehen kann. Sie ist gefangen in ihrem Schmerz. Was die Gründe hierfür sind, wird dem Leser jedoch sehr bald gesagt.
Maggie ist aufgrund einer Krankheit erblindet und kann nunmehr nur noch Hell von Dunkel unterscheiden. Ihr treuer Begleiter ist ihr Labrador „Harvey“, der ihr hilft zu sehen und der sie noch selbstständiger macht. Maggie ist, wie Elsa, eine sehr starke Frau, die allerdings auch mit einigen Dingen zu kämpfen hat. Dinge, die sie unsicher und hilflos erscheinen lassen.
Obwohl Maggie und Elsa aus zwei völlig unterschiedlichen Generationen kommen, sind sie sich in einer Hinsicht doch ziemlich ähnlich, denn beides sind unglaublich starke Frauen. Wo die Eine mit Selbstzweifeln zu kämpfen hat, trauert die Andere einer längst vergangenen Zeit nach. Man bekommt als Leser in beide Seiten einen tiefen Einblick. Zum Einen geht es in Wo ich dich finde natürlich um die blinde Maggie und darum, wie sie mit ihrer Schwangerschaft, und alles andere drumherum umgeht. Auf der anderen Seite lernen wir Elsa kennen und zwar in der Gegenwart, wie auch in der Vergangenheit. Amanda Brooke springt immer mal wieder in der Zeit, um Elsas Geschichte so richtig aufzudecken und dem Leser bewusst zu machen, wie schwer ihr einige Dinge einst gefallen sind und wie es ihr heute (damit) geht.
„[…] Es kommt nicht darauf an, welche Bezeichnungen und Namen wir uns geben, sondern darauf, wie lieb wir uns haben und wie wir miteinander umgehen. […]“
Warum sie denkt, sie sei auch schwanger, wird sehr schnell aufgeklärt, ich muss allerdings sagen, dass mir diese Auflösung schon ziemlich schnell klar wurde.
Amanda Brooke hat sich für ihr neuestes Werk wahrlich kein leichtes Thema ausgesucht. Bei diesem Kern ist ohne Frage Fingerspitzengefühl gefragt, was ihr gelungen ist. Die Autorin ist brutal ehrlich und schildert ohne einen Puffer einzubringen, wie es Elsa gerade ergeht. Wie sie mit ihrem „Geheimnis“ umgeht, welche Menschen ihr zur Seite stehen und auch, in wie weit Maggie in diese Situation, in ihre Geschichte hineinpasst. Es ist ein großes Puzzle, welches der Leser erst einmal mühsam, Schritt für Schritt zusammensetzen muss, um endlich das große Ganze zu erblicken. Diesen Weg gehen wir zusammen mit Maggie, denn auch die schwangere, junge Frau möchte hinter das Geheimnis Elsas kommen, um ihr zu helfen.
„Sie müssen anfangen, an sich selbst zu glauben, Maggie. Hören Sie auf mich, enttäuschen Sie dieses kleine Wesen nicht schon, bevor es überhaupt auf der Welt ist.“
Der Plot ist sehr gut durchdacht. Daraus hätte man eine wirklich Herz erwärmende Geschichte machen können. Mir wurden zu viele Baustellen eingebaut. Sei es die Probleme, die Maggies Schwiegermutter mit sich bringt, oder auch einen Zwist im Freundeskreis der Protagonistin: Das war mir bedauerlicherweise zuviel und schadete dem eigentlichen Plot, der durch die vielen Nebenschauplätze arg in den Hintergrund gerückt wurde. Hinzu kam, dass diese vielen kleinen Strohfeuer die Geschichte an sich sehr ausbremste, die Spannung zusehends niederbrannte und schließlich in Langeweile umschlug. Als absolutes Manko empfand ich, dass keinerlei Emotionen so richtig bei mir ankamen, dabei sind es gerade diese, die „solche Art“ von Romanen grundsätzlich immer das Lebendige, das gewisse Etwas geben. In Wo ich dich finde blieben sie für mich jedoch leider stets in weiter Ferne, was ich als wirklich schade empfinde, denn im Grunde genommen mochte ich den Plot sehr. Auch über den Schreibstil kann ich erneut nur Gutes sagen, denn dieser ist, wie ich schon von den andere Romanen der Autorin gewohnt bin, sehr flüssig und lässt sich gut lesen. Auch die Figuren wachsen einen sehr ans Herz und dies, obwohl die gesamte Geschichte auktorial erzählt wird. Besonders zu Elsa hatte ich eine tiefe Empathie. Ich habe ihr alles abgenommen, ganz egal, was sie sagte oder tat. Sie wirkte auf mich stets authentisch. Außerdem mochte ich das Miteinander der beiden Frauen sehr gerne. Wie sie miteinander umgehen und sich gegenseitig, ohne es überhaupt zu erahnen, helfen, hat mich ziemlich sprachlos gemacht.
Das Ende rundete für mich zwar alles sehr gut ab. Leider hat mich dies genau so wenig über die viel zu vielen Baustellen, als auch über die mangelnden Emotionen hinwegtrösten können.
„Man braucht keine Augen, um den Weg in das Herz eines Mannes zu finden“, flüsterte Elsa verschmitzt.
Wo ich dich finde hatte großes Potenzial, welches jedoch nicht komplett genutzt wurde. Die Figuren waren zwar allesamt sehr gut gezeichnet, jedoch mangelte es über die gesamte Geschichte hinweg an dem Transport der Emotionen. Das gehört  für mich bei einer solchen Art von Lektüre allerdings zu einem absoluten Muss. Hinzu empfand ich einige Nebengeschichten als überflüssig. Nichtsdestotrotz hat mir Wo ich dich finde dennoch gefallen.
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4 Comments

  • Petra's Papier und Tintenwelten 25. März 2016 at 23:27

    Huhu Kitty,
    ich habe das Buch auch auf dem SuB und bin nun echt gespannt wie es mir gefallen wird! Danke für die ausführliche Rezi!
    Liebe Grüße, Petra von Papier und Tintenwelten

    Reply
    • Kitty 29. März 2016 at 20:44

      Gerne doch, liebe Petra. 🙂 Ich hoffe sehr, dass es dir auch gefallen und dich berühren wird. 🙂
      GlG
      Kitty ♥

      Reply
  • Ela 30. März 2016 at 7:02

    Huhu Kitty,
    das klingt richtig toll und kommt direkt auf die Wunschliste!
    Danke für die Rezension 😉
    Liebe Grüße,
    Ela

    Reply
    • Kitty 4. April 2016 at 20:01

      Gerne. 🙂 Ich hoffe sehr, es wird dir gefallen, wenn es bei dir einzieht. 🙂
      GlG
      Kitty ♥

      Reply

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