Rezension:
Samantha Hayes – Das Dunkel in dir

Posted on 8. Februar 2016 by Dörte


400 Seiten |  Blanvalet | Autorin | Leseprobe 

Vor knapp zwei Jahren wurde das englische Dorf Radcote von einer Selbstmordserie heimgesucht. Gerade erst ist ein wenig Normalität in den Ort zurückgekehrt, da wird der Abschiedsbrief eines tödlich verunglückten jungen Mannes gefunden. Detective Inspector Lorraine Fisher wollte in Radcote eigentlich ein paar entspannte Wochen bei ihrer Schwester Jo verbringen. Doch als ein zweiter Junge sich das Leben nimmt und dann auch noch ihr Neffe Freddie verschwindet, weiß Lorraine, dass sie schnell herausfinden muss, ob es sich bei den Todesfällen womöglich doch um grausame Verbrechen handelt. Und sie muss Freddie finden, bevor es zu spät ist …

»Ich weiß, wer du bist und was du gesehen hast. Du stirbst als Nächster.«
Zitat aus: „Das Dunkel in dir“

Meine Meinung:

Charaktere

Lorraine möchte eigentlich einfach nur Urlaub bei ihrer Schwester machen, doch zum Entspannen kommt sie nicht, da merkwürdige Dinge geschehen und sie sich nicht vorstellen kann, dass es sich hierbei wirklich um Suizide handelt. Lorraine ist sehr schlau und besitzt einen überaus guten Scharfsinn.
Freddie hat es nicht leicht. Nicht nur, dass er plötzlich verschwindet und alle sich große Sorgen um ihn machen, nein, er hat noch andere Schwierigkeiten, über die er allerdings mit niemandem spricht.
Jo ist die Mutter von Freddie und gleichzeitig auch noch die Schwester von Lorraine. Sie ist ein bisschen eifersüchtig auf ihre Schwester, da diese ein so gutes Leben zu haben scheint, doch trotz alledem liebt sie sie heiß und innig.

»“Freddie sagt, dass der Mann nicht ganz richtig im Kopf ist […] Er wohnt in dieser alten Zugkammer, und wenn ihr mich fragt, sieht die wie ein Geisterhaus aus.“ «
Zitat aus: „Das Dunkel in dir“

Gesamt
Vom Prolog des neuesten Werkes von Samatha Hayes war ich sehr angetan. Er machte Lust auf mehr und baute auch eine gewisse Spannung auf. Ich war gespannt und neugierig darauf, was sie die Autorin wohl dieses Mal ausgedacht hatte und las somit einfach weiter.
Die Ernüchterung kam jedoch ziemlich früh.
Es wurde zwar sehr oft auf die einzelnen Figuren eingegangen, ihre Geschichte erzählt, aber dennoch blieben sie mir allesamt viel zu blass und wirkten unfertig auf mich. Mir fehlten die Ecken und Kanten, sowie das gewisse Etwas, welches sie mir so richtig nahe bringen und sympathisch werden lassen würden. Wirklich warm geworden bin ich mit keinem der vielen Charaktere. Einzig das Schicksal von Freddie hat mich zumindest ein klitzekleines bisschen erreicht und auch berührt. Doch bis dieser verschwindet, ist das Buch schon mindestens zur Hälfte gelesen. Ein Spannungsgarant ist diese Tatsache also leider auch nicht.

»Lorraine betrachtete den Toten auf dem Bild. Seinen Kopf, von dessen zertrümmerten Knochen sich die Haut ablöste, und dazwischen quoll Gehirnmasse hervor. Und dann der Körper, verschlungen und eins geworden mit den Resten des Motorrads, das kaum noch als solches zu erkennen war.«
Zitat aus: „Das Dunkel in dir“
Im Grunde genommen sind fast alle Zutaten, die man für einen guten Thriller benötigt bei Das Dunkel in dir auch vorhanden, sie wurden lediglich falsch zusammengewürfelt und anschließend auf dem angestellten Herd vergessen. Die gesamte Geschichte köchelte nämlich einfach nur so vor sich hin. Wirkliche Überraschungen blieben aus und ebenfalls gewisse Wendungen, die ich bei Thrillern so schätze, haben mir in der Gänze gefehlt. Mir war alles zu vorhersehbar, wirkte zu strukturiert, gestellt und zu gewollt auf mich. Es kam mir vor, als wollte die Autorin krampfhaft am Erfolg ihres Debütromans anknüpfen, was ihr allerdings aus meiner Sicht nicht wirklich gelungen ist.
Positiv hervorzuheben ist auf jeden Fall die Idee an sich und auch der gute, flüssige Schreibstil, der bewirkte, dass ich wirklich die gesamte Zeit am Ball geblieben bin. Das Ende kommt zwar endlich mal mit einer Überraschung einher, aber als wirklich rundum gelungen empfand ich es ebenso wenig, wie den gesamten „Thriller“ an sich.

In Kürze:
Positiv
Auktorial aus verschiedenen Sichten erzählt.
Ab und zu gibt es auch einen Ich-Erzähler, wer dies ist, verrate ich aber nicht.
Der Prolog macht Lust auf mehr und hört sich sehr vielversprechend an.
Der Schreibstil ist sehr flüssig.
Man kann das Buch sehr schnell weglesen.
Mir hat der Plot sehr gut gefallen.
Es wird eine ziemlich ernste Sache thematisiert.
Negativ 
Die Figuren waren mir viel zu blass.

Ich konnte mich nicht mit den Protas identifizieren.

Die Bezeichnung „Psychothriller“ ist meines Erachtens nicht zutreffend.
Es plätschert alles so vor sich hin.
Mir hat ein eindeutiger Spannungsbogen genau so wie
die überraschenden Wendungen gefehlt.
Das Ende war mir ein bisschen zu „unrund“.

Fazit:
Für mich ist das Dunkel in dir bedauerlicherweise etwas enttäuschend gewesen. Die Angabe auf dem Cover „Psychothriller“ kann ich nicht bestätigen. Für mich ist dieses Buch eher ein ziemlich ruhiger Krimi ohne große Überraschungen. Es ist okay, aber leider nicht mehr als das.


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2 Comments

  • Lottasbuecher 10. Februar 2016 at 4:17

    Guten Morgen meine liebe Kitty,
    viele meiner Kunden mögen die Autorin sehr gerne, deswegen dachte ich, ich gucke einfach mal, was du dazu zu sagen hast. 😀 Nun 3 klingt noch so berauschend und nicht spannend und blasse Charaktere kann ich bei einem Psychothriller sehr schlecht vertragen.
    Danke für die schöne Rezension.

    Liebst, Lotta

    Reply
    • Kitty 11. Februar 2016 at 10:34

      Die Autorin ist auch echt gut, Liebes. Jedenfalls hat mir ihr Debüt sehr gut gefallen, aber mit ihrem zweiten Buch konnte sie mich leider nicht mehr so packen. *seufz* Schade, ich hatte mich sehr drauf gefreut. 🙁 Aber nicht zu ändern.
      Gerne. Freut mich, wenn ich dir Entscheidungshilfe bieten konnte. 😉
      *drück dich*

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