Rezension:
Jennifer Niven – All die verdammt perfekten Tage

Posted on 18. Dezember 2015 by Dörte


 400 Seiten |  Limes | Autorin | Leseprobe 
Ist heute ein guter Tag zum Sterben?, fragt sich Finch, sechs Stockwerke über dem Abgrund auf einem Glockenturm, als er plötzlich bemerkt, dass er nicht allein ist. Neben ihm steht Violet, die offenbar über dasselbe nachdenkt wie er. Von da an beginnt für die beiden eine Reise, auf der sie wunderschöne wie traurige Dinge erleben und großartige sowie kleine Augenblicke – das Leben eben. So passiert es auch, dass Finch bei Violet er selbst sein kann – ein verwegener, witziger und lebenslustiger Typ, nicht der Freak, für den alle ihn halten. Und es ist Finch, der Violet dazu bringt, jeden einzelnen Moment zu genießen. Aber während Violet anfängt, das Leben wieder für sich zu entdecken, beginnt Finchs Welt allmählich zu schwinden…
»“Die meisten Menschen vergessen, dass es häufig die kleinen Dinge sind, die zählen.“«
Zitat aus: „All die verdammt perfekten Tage“

Meine Meinung:
Charaktere
Finch ist der Außenseiter schlechthin. Er macht seine Emotionen, die die Abneigung seiner Mitschüler ihm gegenüber betrifft, aber lieber mit sich selbst aus, als sich jemanden anzuvertrauen. Finch ist ziemlich intelligent, zeigt dies jedoch nicht so. Er zitiert gerne aus Klassikern und kann so auch Violet beeindrucken. Ihm ist das Wohlergehen seiner Lieben sehr wichtig und ist dies bezüglich absolut selbstlos. Erst kommen die anderen und dann, wenn überhaupt, er selbst.
Violet ist nicht glücklich mit sich und ihrem Leben. Seit sie einen schweren Schicksalsschlag erleiden musste, hat sie sich komplett verändert. Weder das Cheerleader-Dasein macht ihr noch Spaß, noch kann sich etwas mit ihren alten Freunden anfangen. Violet trifft in einer eher unglücklichen Situation auf Finch und ahnt noch nicht, was sich aus dieser Begegnung entwickeln wird.

»Das ist es, was ich mit Violet machen will: Ich will ihr das Gute geben und das Schlechte von ihr fernhalten, damit wir nur von Schönheit umgeben sind.«
Zitat aus: „All die verdammt perfekten Tage“

Gesamt
Jennifer Niven versteht es, den Leser gleich auf den ersten Seiten total darauf neugierig zu machen, wohin sich die Geschichte entwickeln wird. Die erste Szene spielt auf einem Turm, wo die Protagonisten ernsthaft darüber nachdenken freiwillig das Leben hinter sich zu lassen. Welche die Gründe dafür sind, erfährt der Leser allerdings erst im Laufe der Geschichte. Nach dieser ersten, prägnanten Szene, schleicht sich ein bisschen Langeweile ein. Die Story plätschert vor sich hin und somit brauchte ich eine Zeit, bis ich so richtig im Lesefluss drin war und genießen konnte, was ich las. Insofern man von „genießen“ bei einem solchen Thema überhaupt sprechen kann.
Der Bezug zu Violet fiel mir sehr, sehr leicht. Jennifer Niven hat sie so gut gezeichnet, dass ich mich mit ihr gleich wohl gefühlt habe und auch ihre Gedankengänge, sowie ihre Emotionen total nachvollziehen konnte. Was die Protagonistin erleiden musste ist grausam und somit war es für mich verständlich, dass sie keinen Spaß mehr an ihrem Leben hat.
Bei Finch ist mir die Identifizierung dagegen ein bisschen schwerer gefallen. Ich wusste erst nicht so recht, was ich mit ihm anfangen soll, da er ziemlich undurchschaubar ist. Dass er irgendein „Problem“ hat, war mir von vorne herein klar, denn er spricht und denkt ein bisschen wirr. Dies hat dazu geführt, dass ich nie so recht wusste, wohin mich insbesondere seine Geschichte hinführen wird. Trotz seiner offensichtlichen Probleme ist es ihm sehr wichtig, dass alle Menschen, die ihm lieb sind, glücklich werden. Finch ist bei jeder seiner Handlungen absolut selbstlos. Für ihn kommen erst die anderen und anschließend er selbst. Diese Eigenschaft habe ich an ihm lieben gelernt. 

»Ich kenne das Leben gut genug, um zu wissen, dass man nicht von den Dingen erwarten kann, für immer da zu sein, oder stillzustehen, selbst wenn man es sich von Herzen wünscht. Man kann nicht verhindern, dass Menschen sterben. Man kann nicht einmal sich selbst daran hindern.«
Zitat aus: „All die verdammt perfekten Tage“

Das Buch wird abwechselnd aus der Sicht der Protagonisten erzählt. Ein Kapitel widmet sich Finch dem Leser und im nächsten kommt Violet zu Wort. Dass die Autorin dafür stets den Ich-Erzähler gewählt hat, hat mir sehr gut gefallen, da ich mich so besser in die Figuren hineinversetzen konnte.
Ganz besonders die Liebesgeschichte, die von einer kleinen Knospe zu einer strahlenden Blume wird, hat mich zutiefst berührt und mir das Herz aufgehen lassen. Die verschiedenen Wendungen, die für mich allesamt sehr überraschend kamen, führten dazu, dass ich auch die ein oder andere Träne vergießen musste.
Jennifer Niven hat nicht nur ihren Protagonisten genug Farbe eingehaucht, sondern auch den Nebenfiguren. Ich habe jede Person vor mir gesehen und auch die Beziehungen zu den Hauptdarstellern als sehr gut ausgearbeitet empfunden.
Das Thema an sich ist ein wirklich ernstes, welches von der Autorin mit genügend Sensibilität umgesetzt wurde. Man merkt trotz der sich entwickelnden Liebesgeschichte, dass der große Knall bestimmt nicht lange auf sich warten lassen wird, was die Stimmung beim Lesen ein bisschen trübe werden lässt. Allerdings ist dies bei einem solchen Thema auch kein Wunder.
Ich war überrascht, zu welchem Ende All die verdammt perfekten Tage gekommen ist. Das Buch hallte noch sehr lange in mir nach und ließ mich nachdenklich zurück. 
In Kürze:
Positiv
Beide Protagonisten erzählen abwechselnd ihre Geschichte.
Beide in der Ich-Form.
Berührend.
Spannend.
Wendungen, mit denen ich nicht gerechnet habe.
Schwierige Thematik sehr gut umgesetzt.
Taschentuchalarm, ob man sich nun wehrt, oder nicht.
Schlüssiges, passendes Ende.
Negativ 
Es dauerte eine Weile, bis ich richtig in der Geschichte drin war.
Zu Finch konnte ich leider erst spät einen Bezug aufbauen.

Fazit:
All die verdammt perfekten Tage ist keinesfalls ein neues Das Schicksal ist ein mieser Verräter, aber sehr nahe dran. Die Geschichte ist wundervoll erzählt und trifft einen mitten ins Herz. Ganz besonders die Entwicklung der Protagonisten und die Beziehung dieser hat mir mehr als nur einmal ein Lächeln ins Gesicht gezaubert, bevor ich irgendwann wegen der Tragik, die dieses Buch mit sich bringt, wieder weinen musste. Ein wirklich starkes, emotionales Buch, wenn auch mit kleineren Schwächen.

Kitty 
         
Dir hat der Beitrag gefallen? Dann mach doch auch andere darauf aufmerksam!

8 Comments

  • Miss Duncelbunt 18. Dezember 2015 at 22:46

    Jetzt hast du mich verdammt neugierig auf das Buch gemacht! Es ist gerade heute mit der Post bei mir eingetroffen ^-^

    Liebe Grüße 🙂

    Reply
    • Kitty 20. Dezember 2015 at 12:16

      Dann mach dich auf ein richtiges Gefühlsgewitter gefasst, Liebes. Ich hoffe sehr, dass es dir auch gut gefallen wird.
      Wie weit bist du denn schon?
      GLG
      Kitty ♥

      Reply
    • Miss Duncelbunt 26. Dezember 2015 at 11:43

      Gestern wurde das Buch beendet. Was habe ich geheult ^^
      Ich fand es sogar besser als Tfios, muss ich sagen 😀

      Liebe Grüße ♥

      Reply
    • Kitty 29. Dezember 2015 at 10:13

      Echt? Also ich muss ja sagen, dass ich es jetzt nicht besser fand, aber da sieht man mal wieder, wie unterschiedlich die Geschmäcker sind. 🙂
      Hab einen schönen Tag.
      GlG
      Kitty ♥

      Reply
  • René u. Jessi Swiecik 19. Dezember 2015 at 9:15

    Hi 😀
    Auf das Buch bin ich auch schon sehr neugierig, klingt echt interessant und sehr tiefgründig! Schade nur, dass du ein bisschen gebraucht hast, um in die Geschicht zu kommen!

    Liebe Grüße
    Jessi

    Reply
    • Kitty 20. Dezember 2015 at 12:18

      Es ist auch sehr tiefgründig und interessant. Ja, mit dem Anfang konnte ich echt nicht allzu viel anfangen, aber dann hat es mich total gepackt und auch immens berührt.
      Hoffe du hast keine Startschwierigkeiten, wenn du es lesen solltest. 😉
      GlG
      Kitty ♥

      Reply
  • Lottasbuecher 20. Dezember 2015 at 19:50

    Hallöchen meine liebe Kitty,
    ich fand das Buch einfach wunderbar. Das hat mich sowas von gefesselt, dass ich gar nicht anders konnte als es einfach so durchzulesen. Ich habe es echt unheimlich geliebt. Hach! Ich schmachte mal noch ein wenig vor mich hin. 😀

    Liebst, Lotta
    PS: Du hast sicher gesehen, dass ich dich verinkt habe 😉

    Reply
    • Kitty 21. Dezember 2015 at 11:03

      Mir hat das Buch auch ziemlich gut gefallen, wenn doch nur meine anfänglichen Schwierigkeiten nicht gewesen wären. 🙁
      Ja, hab ich bereits entdeckt, war schon bei dir stalken. 😉 Danke, liebes. ♥
      *drück dich*

      Reply

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.