Rezension:
Tammy Cohen – Während du stirbst

Posted on 21. November 2015 by Dörte

 

 

416 Seiten |  Blanvalet | Autorin | Leseprobe

„Sehr wahrscheinlich werde ich TOT sein, bevor Sie das hier zu Ende gelesen haben.“

Drei Dinge gibt es über Jessica Gold zu wissen: Sie ist neunundzwanzig Jahre alt, sie hat eine Knopfphobie, und sie wurde entführt. Von einem Fremden, der sie zwölf Tage lang in seiner Wohnung gefangen hält, sie mit perfiden Grausamkeiten quält, sie angekettet in einer Hundehütte am Fuß seines Bettes schlafen lässt. Und jeden Tag überreicht er seinem Opfer ein Geschenk – eines grausamer als das nächste –, bis Jessica am zwölften Tag sicher weiß: Der Mann wird sie töten. Doch Jessica hat ein Geheimnis, von dem niemand etwas ahnt …

 

 

 

 

Jessica lebt in einer einigermaßen glücklichen Beziehung. Sie weiß, was sie will und ist ebenfalls sehr erfolgreich im Job. Jessica ist eher zurückgezogen und hat außer ihrem Freund und ihrer Familie keine wirklichen sozialen Kontakte. Und selbst die Wenigen, die sie hat, bezeichnen sie sehr oft als „seltsam“.
Dominic ist charmant und weiß daher genau, wie er es schafft, die Frauen um seinen Finger zu wickeln. Seine strahlenden Augen bringt die Frauenwelt schon zum Schmelzen, bevor er überhaupt ein Wort gesagt hat. Er hat eine „magische“ Aura, die sich augenscheinlich keine entziehen kann. Doch was sich hinter seiner Fassade verbirgt, wird sich erst später herausstellen…
Kim ist die leitende Ermittlerin in diesem Fall. Sie ist verheiratet, hat zwei Kinder und möchte in ihrem Job hoch hinaus. Ob sie den Preis, den dieser Erfolg mit sich bringen würde, allerdings bezahlen wird, stellt sich erst im Laufe der Geschichte raus.
„Du wirst es darin ganz kuschelig haben“, sagte er und zeigte auf die kleine Öffnung der Hundehütte. „Ich habe eine Decke und einen Napf mit Wasser hineingetan.
Als ich angefangen habe, diesen Thriller zu lesen, war ich schon auf den ersten Seiten, bei den ersten Zeilen total gefangen und fasziniert. Jessica meldet sich sogleich zu Wort, indem sie dem Leser schildert, dass sie wahrscheinlich bereits tot sein wird, wenn man die Geschichte zu Ende gelesen hat. Diese Aussage hat mich gleich gepackt, denn natürlich war meine Neugierde nach dem „Warum“ geweckt. Diese Frage beantwortet sich auch von Zeit zu Zeit, doch bis dahin wird dem Leser so einiges geboten. Einiges, womit zumindest ich niemals gerechnet hätte.
Während du stirbst ist in zwei Teile unterteilt. Der Erste beinhaltet die Geschichte der Gefangenschaft. Was Jessica erleiden muss, ist zwar mitunter nicht so brutal, wie man es sich aufgrund des Klappentextes denken mag, aber es geht schon sehr unter die Haut zu lesen, wie sie dort in dieser Hundehütte leben muss, was Dominic für Vorstellungen hat und was sie dem Leser in ihren Gedanken mitteilt.
In dieser Zeit erfährt man sehr viel vom Seelenleben der Protagonisten, aber auch vielen zu dem vom männlichen Gegenpart. Dieser hat, wen wundert´s, auch eine ziemlich „spannende“ Vergangenheit, von der er Jessica an jedem Tag, zu jedem Geschenk etwas mehr erzählt. Die Emotionen von Jessica, gerade in diesen Situationen, konnte ich voll und ganz verstehen. Ich denke, nein, ich bin mir sicher, dass ich ebenso darauf reagiert hätte.
Natur oder Erziehung. Ist Dominic Lacey böse zur Welt gekommen, oder ist er erst später böse geworden?Könnten ihre eigenen Kinder durch ihre Abwesenheit in irgendeiner Weise verändert werden, härter gemacht, könnten sie vielleicht sogar soziale Nachteile haben?
Der zweite Teil handelt von Jessicas Geheimnis, welches ja schon im Klappentext angekündigt wird und somit die Spannung richtig gemein in die Höhe treibt. Schon im ersten Teil habe ich mich gefragt, was es damit wohl auf sich haben könnte. Ich habe mir den Kopf zerbrochen und immer ganz genau darauf geachtet, ob sie sich vielleicht irgendwie verplappert. Gab es Hinweise? Nein, die gab es ganz und gar nicht. Als ich endlich erfuhr, um was es sich handelte, habe ich meinen Mund gar nicht mehr zubekommen, so überrascht war ich. Mit allem, aber nicht mit sowas hätte ich gerechnet.
Dass die Spannung niemals in den Keller geht, oder gar in der Gänze abbricht, liegt auch an der überaus guten Art und Weise, wie Tammy Cohen ihre Worte aufs Papier gebracht hat. Man ist schon auf den ersten Seite total im Bann der Geschichte und während man darin eingetaucht ist, befindet man sich in einer ziemlich beklemmenden Stimmung, was mir außerordentlich gut gefallen hat.
Zudem finde ich die Aufteilung der Erzähler auch ziemlich gelungen, denn dieser wechselt zwischen Jessica, die sich der Ich-Form bedient, und Kim (auktorial). So lernt man die Ermittlerin ebenfalls ziemlich gut kennen und kann mitverfolgen, was sie herausbekommen hat, oder welche Vermutungen sie gerade anstellt. Zu Kim muss ich noch sagen, dass ich zu ihrem Mann absolut keinen Bezug herstellen konnte. Seine Forderungen an seine Frau empfand ich als viel zu übertrieben und seine Ansichten irgendwie auch nicht mehr ganz so zeitgemäß…
Während du stirbst hat ziemlich viele Wendungen und Überraschungen, die einen ziemlich sprachlos machen. Ich konnte mich der Geschichte einfach nicht mehr entziehen, weil ich Angst hatte, irgendetwas zu verpassen. Sie kommt, fast, ohne Gewalt aus und bescherte mir sehr viele spannende Lesestunden. Für mich ein sehr gelungenes Debüt.
Wenn er die Wahrheit über den gestrigen Tag und das Geschenk gesagt hätte, […] war heute der zwölfte Tag und nur noch ein Päckchen übrig.
Danach würde ich tot sein.
Mit Während du stirbst ist der Autorin ein wirkliches gutes Debüt gelungen, welches von der Spannung lebt und viele Überraschungen bereit hält. Der Thriller ist anders, was ich positiv bewerte. Die Autorin führt ihre Leser immer in andere Sackgassen und macht es einem so sehr schwer, überhaupt auf irgendeine Auflösung zu kommen, bevor man sie schwarz auf weiß vor sich liegen hat. Wer keine Thriller mag, die sehr von Gewalt geprägt sind, ist hier genau richtig.

 

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2 Comments

  • Uwes-Leselounge 22. November 2015 at 8:06

    Hallo Kitty,

    deine Rezi macht mich neugierig auf das Buch. Ich hatte es gestern schon in der Buchhandlung in der Hand, war mir aber nicht sicher, aber jetzt ist es auf meine WuLi gewandert 🙂

    Liebe Grüße,
    Uwe

    Reply
    • Kitty 22. November 2015 at 11:35

      Schade, dass du es nicht gleich mit nach Hause genommen hast, lieber Uwe, denn da entgeht dir echt was. 😉 Ich bin immer noch sprachlos von vielen Dingen, die in diesem Thriller geschehen. Ist echt fantastisch geschrieben und spannend von der ersten bis zur letzten Seite. Ich bin schon sehr gespannt, ob es dir ebenso gut gefallen wird und hoffe, dass es bald von deiner WuLi erlöst und in deinen Händen landen wird. 🙂
      GlG
      Kitty ♥

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