Rezension:
Susanna Ernst – So, wie die Hoffnung lebt

Posted on 10. November 2015 by Dörte

 

380 Seiten |  feelings | Autorin | Kaufen
Katie ist acht Jahre alt, als sie verstummt. Als einzige Überlebende einer schrecklichen Familientragödie kommt das traumatisierte Mädchen in ein Heim, in dem es drei Jahre später auf den dreizehnjährigen Jonah trifft. Der hochintelligente Junge interessiert sich zunehmend für das stumme Mädchen und dringt mit viel Geduld, Einfühlungsvermögen und seinem außergewöhnlichen Talent für die Malerei mehr und mehr zu Katie durch. Doch als aus ihrer langsam wachsenden und schließlich tiefen Freundschaft zarte Liebe keimt, reißt das Schicksal die Jugendlichen auseinander und das Leben wendet sich erneut gegen sie. Knapp siebzehn Jahre später sucht Jonah noch immer nach seiner Katie. Und wirklich, er findet sie endlich wieder – nur erkennt er sie kaum noch. Unter falscher Identität, unter ständiger Observation ihres krankhaft eifersüchtigen Ehemannes, fristet sie ihr Dasein eher, als dass sie wirklich lebt. Und so nimmt Jonah die größte Herausforderung seines Lebens ein zweites Mal an und versucht, Katie erneut zu befreien.

 

 

Katie hat ein solch schweren Schicksalsschlag hinter sich, dass sie fortan nicht mehr spricht. Sie hat sich völlig zurück gezogen und lässt niemanden an sich heran, außer ihrer besten Freundin
Hope. Diese stört sich nicht daran, dass sich Katie nicht mit ihr unterhält, denn sie verstehen sich so gut, dass sie auch völlig ohne Worte miteinander kommunizieren können.
Jonah, der ebenfalls seine Eltern verloren hat, landet in demselben Heim, in dem auch das Mädchenduo wohnt. Er ist schon immer ziemlich klein gewesen und wurde deswegen häufig gemobbt. Jonah ist ziemlich aufgeschlossen und sucht Kontakt zu den anderen Heimkindern. Sein bester Freund wird
Milow, dem er sich anvertraut und mit dem er viel unternimmt. Milows größtes Hobby ist das Essen. Vorzugsweise Süßkram.
„Ich kann nicht“, erwiderte er leise, aber bestimmt. „Dich aufzugeben wäre, als würde ich mein ganzes Leben aufgeben.“
Susanna Ernst ist dafür bekannt, ihren Charakteren Leben einzuhauchen und dem Leser die Emotionen dieser zu seinen eigenen zu machen. Ich erlebe es selten, so sehr mit den Figuren mitzuleiden, als wären deren Probleme, Bedürfnisse und Gefühle meine eigenen. Daher wusste ich genau, dass es sicherer wäre, mir gleich eine Packung Taschentücher bereit zu halten, sobald ich mit diesem Roman starte und was soll ich sagen? Ich sollte Recht behalten…
Bereits das erste Kapitel aus ihrem neuen Roman So, wie die Hoffnung lebt, hat es in sich: Man lernt die achtjährige Katie kennen und ist live mit dabei, wie und warum sie ihre gesamte Familie verliert und somit in einem Kinderheim landet. Die Autorin versteht sich darin, dem Leser das Gefühl zu geben, als würde dieses kleine Mädchen wirklich das Wort erheben und ihre Geschichte erzählen, denn ihr Schreibstil und ihre Wortwahl hat sie perfekt angepasst. Das erste Kapitel endet mit einem lauten Knall, der einem die Tränen über die Wangen laufen lässt, bis man sich anschließend im Kinderheim wiederfindet und den zweiten Protagonisten Jonah kennen und lieben lernt. Dieser ist ein bisschen älter als Katie, hat allerdings ein ähnliches Schicksal hinter sich und ist somit der neueste Bewohner des Kinderheims, in dem auch die Protagonistin lebt.
Beide Protagonisten schließt man sehr schnell in sein Herz. Sie erzählen uns immer abwechselnd ihre Sicht der Dinge in der Ich-Form, was die Figuren für mich so sehr lebendig und authentisch hat werden lassen. Besonders berührt hat mich die Tatsache, dass Katie seit der schrecklichen Tragödie nicht mehr spricht. Das somit verbundene Thema „Mutismus“ hat Susanna Ernst sehr behutsam umgesetzt und gibt dem Leser einen ziemlich tiefen Einblick darüber, wie man mit Betroffenen umgeht. Die einzelnen Szenen, insbesondere jene von Katie, in denen sie dem Leser ja schon berichtet, wie es ihr geht, haben mir an der ein oder anderen Stelle eine Gänsehaut beschert und gingen mir sehr nahe.
Wir tragen die Hoffnung in uns, und sie trägt uns, immerzu.
Und so verschmelzen wir endlich zu einer Einheit.
Die Hoffnung sind wir.
Der Roman ist in zwei Teile aufgeteilt. Im Ersten erleben wie die Geschichte der Hauptfiguren, als sie noch Kinder waren und im zweiten Teil geht es mit ihrem Dasein als Erwachsene weiter. Meinem Empfinden nach, geht der erste Teil eher ans Herz und der Zweite kann zusätzlich noch mit einer stetig ansteigenden Spannung vollends überzeugen. Wenn ich dachte, jetzt ist es geschafft und sie werden endlich glücklich miteinander, haben die Protagonisten einen Haken geschlagen und es ging erneut in eine Richtung, mit der ich nicht gerechnet hätte. Wo ich beim Thema überraschende Wendungen wäre: Diese gibt es in So, wie die Hoffnung lebt ebenfalls zuhauf. Besonders an einer bestimmten Stelle habe ich meinen Mund gar nicht mehr zubekommen, weil etwas total Unvorhersehbares geschah…Die Verbindung zwischen Jonah und Katie ist eine sehr besondere. Man spürt förmlich, wie nah sich die Beiden sind und sich im Laufe der Geschichte sogar noch näher kommen. In ihrer Kindheit weichen sie einander nicht von der Seite und als Erwachsener macht Jonah alles ihm erdenklich Mögliche, um seine große Liebe wiederzufinden. Die Entwicklung der Zwei war sehr nachvollziehbar und äußerst realistisch dargestellt. Ich habe der Autorin jedes Wort abgenommen und war ein Teil ihrer Geschichte. Man  merkt an jedem ihrer Romane, wie viel Liebe sie nicht nur in die Protagonisten oder den Plot, sondern auch in andere „Kleinigkeiten“ steckt. Diese Art Geschichten zu schreiben gefällt mir außerordentlich gut.
Das Ende hat mich zutiefst zufrieden zurückgelassen. Ich habe noch sehr lange über diesen Roman nachgedacht und dies mache ich auch immer noch. Für mich ist So, wie Hoffnung lebt genau so brillant wie Deine Seele in mir.
Zusammen ergeben die Scherben unserer Seelen ein wunderschönnes Mosaik. Ein Kunstwerk, das nur davon lebt, aus zerbrochenen Teilen zu bestehen. Zusammen sind  wir.
Dieses Buch ist ein Volltreffer. Es lebt von Emotionen und einer stetig steigernden Spannung, die es einem unmöglich machen, das Buch aus der Hand zu legen. Man ist mitten im Geschehen und begleitet die zwei Protagonisten auf ihrem Weg. Für mich war es beim Lesen ein Auf und Ab der Gefühle. Erst lacht man, dann weint man und schließlich lacht man unter Tränen. So, wie die Hoffnung lebt ist einfach zum Lachen und zum Weinen schön und ein absolutes Highlight!

 

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8 Comments

  • Katja Wolke 11. November 2015 at 11:13

    Oh man das klingt nach einem richtig guten Buch und es wandert direkt auf die WuLi^^ Danke für deine Rezension 🙂

    Liebe Grüße,
    Katja 🙂

    Reply
    • Kitty 12. November 2015 at 11:53

      Zurecht landet es auf deiner WuLi, denn es ist wirklich ein richtig gutes Buch. 🙂
      Gerne doch. :-*
      GlG
      Kitty ♥

      Reply
  • Martina 11. November 2015 at 17:29

    Das hört sich richtig gut an und wandert ebenfalls gleich auf meine Wunschliste!
    Liebe Grüße
    Martina

    Reply
  • Martina 11. November 2015 at 17:31

    Oh, gibt es den Roman nur als eBook? Schade….ich habe keinen reader. Dann muss ich wohl noch warten, bis es als Buch veröffneltich wird, was ja wohl der Fall sei wird, da es ja schon zwei Bücher der Autorin gibt.
    Liebe Grüße
    Martina

    Reply
  • Nicole Wagner 11. November 2015 at 17:46

    Ach, Kitty, das hört sich nach einem richtig ergreifendem Buch an. Ich muss es mir wohl näher anschauen.

    Liebe Grüße,
    Nicole

    Reply
    • Kitty 12. November 2015 at 11:55

      Das ist es auch. Susanna Ernst bringt mich echt IMMER zum Weinen. 😉
      Die ersten 80 Seiten kann man sich kostenlos runterladen, vielleicht liest du einfach mal rein? 😉
      GlG
      Kitty ♥

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