Kurzrezension:
Sebastian Fitzek – Das Joshua Profil

Posted on 9. November 2015 by Dörte


432 Seiten |  Lübbe | Autor | Leseprobe 

Der erfolglose Schriftsteller Max ist ein gesetzestreuer Bürger. Anders als sein Bruder Cosmo, der in der Sicherheitsverwahrung einer psychiatrischen Anstalt sitzt, hat Max sich noch niemals im Leben etwas zuschulden kommen lassen. Doch in wenigen Tagen wird er eines der entsetzlichsten Verbrechen begehen, zu denen ein Mensch überhaupt fähig ist. Nur, dass er heute noch nichts davon weiß … im Gegensatz zu denen, die ihn töten wollen, bevor es zu spät ist.

»“Joshua hat Sie auserwählt, und Joshua irrt nicht … „«
Zitat aus: „Das Joshua Profil“

Meine Meinung:

Bevor ich anfange möchte ich an dieser Stelle erst einmal kurz erwähnen, dass es empfehlenswert ist, Die Blutschule von Max Rhode vor Das Joshua Profil zu lesen, da beide Bücher ein bisschen zusammenhängen. Denn bei zuerst genanntem handelt es sich um den einzigen Erfolg, den der Protagonist in Das Joshua Profil erzielt hat.
Ich war sehr gespannt auf Das Joshua Profil. Nicht nur, weil Sebastian Fitzek zu meinen absoluten Lieblingsautoren gehört, sondern ebenfalls, weil ich zugegeben von seinem letzten Werk eher enttäuscht, denn begeistert war. Als ich das Buch in den Händen hielt, war ich gleichzeitig gespannt, hatte allerdings auch ein bisschen Angst, dass es mir stellenweise vielleicht auch ein bisschen zu viel des Guten sein könnte, wie letztes Jahr bei Passagier 23. Doch meine Angst sollte sich zum Glück nicht bestätigen.
Gleich der Anfang hat mich wieder einmal dazu gebracht, sogleich in die Geschichte einzutauchen. Ich vergaß alles um mich herum und machte es mir an der Seite des Protagonisten Max Rhode gemütlich. Gemeinsam saßen wir zusammen im Auto und unterhielten uns mit seiner Tochter, die es faustdick hinter den Ohren hat und mir, nicht nur aus diesem Grund, gleich total sympathisch war. Das Buch beginnt eher ruhig. Sebastian Fitzek stellt seine Protagonisten vor und erzählt ein bisschen aus deren Leben. Er bringt dem Leser die Gedanken des erfolglosen Schriftstellers, nämlich Max Rhode, sehr nahe und verständlich rüber und bedient sich dabei am Ich-Erzähler. So konnte ich mich auf der Stelle mit ihm identifizieren und ebenfalls mit ihm mitfühlen.
Die ersten Seiten sind zwar eher ruhig, aber schon dort wurde ich wieder von diesem typischen „Fitzek-Sog“ gefangen genommen. Ich habe sofort mit den Protagonisten sympathisiert und wollte unbedingt wissen, was mit ihnen geschehnen würde. Und wer zum Teufel ist überhaupt Joshua? Lange muss man auf einen kleinen Teil der Antwort nicht warten. Schon bald geschehen Dinge, die den Protagonisten, wie auch den Leser nach Luft schnappen und an seinem Verstand zweifeln lassen. Ist das nun wirklich geschehen? Habe ich mich total oft gefragt. Ich war an einigen Stellen genau so verwirrt, wie Max Rhode, was mir sehr gut gefallen hat, denn dadurch war ich einfach noch tiefer in der Geschichte drin.

»Der Mensch verdrängt. In jeder Stunde seines Daseins. Sonst wäre er nicht überlebensfähig. Würden wir uns dem Grauen stellen, das sich jeden Morgen allein auf den Startseiten der Nachrichtenportale vor uns ausbreitet, wären wir nicht mehr in der Lage, ein normales Leben zu führen.«
Zitat aus: „Das Joshua Profil“
Der Autor versteht es, seine Leser mitzureißen und sie in die Irre zu führen. Es geschahen Dinge, die ich nie für möglich gehalten habe und die mich zum Nachdenken gebracht haben. Nicht nur während des eigentlichen Thrillers, sondern ebenfalls im Nachwort von Fitzek, hatte ich einen dicken Kloß im Hals. Was mich sehr berührt hat, ist die Verbindung zwischen Max und seinem Bruder Cosmo. Letzterer ist pädophil und deswegen gerade in Therapie. Man sollte meinen, dass man als Leser gerade bei einem Pädophilen absolute Abscheu entwickelt, aber irgendwie hat es Sebastian Fitzek geschafft, dass Cosmo mir sogar Leid getan und ich ihn total in mein Herz geschlossen hatte, was mich zugegeben schon ein bisschen schockiert…
Doch nicht nur das Thema Missbrauch wird hier zur Sprache gebracht und vertieft, sondern ebenfalls ein anderer Knackpunkt, von dem ich in dieser Form, zugegeben, bis dato noch gar nichts gehört hatte. Es hat mir Angst gemacht zu erfahren, welche Richtung der Thriller wegen diesem Thema plötzlich genommen hat. Gerade diese Tatsache führte auch dazu, dass ich ab dem Moment nicht mehr einfach nur gelesen habe, sondern mir dabei Gedanken machte, in wie weit ich davon betroffen sein könnte. Ich kann darauf nicht in allen Einzelheiten eingehen, da ich sonst zu viel verraten würde. Nur so viel: Es ist (mal wieder) ein brandaktuelles Thema.
Als ich dachte, nun hat sich alles aufgeklärt, geschah eine andere Wendung und der ganze Kreislauf des Fingernagelkauens ging in die zweite Runde. Ich mag dieses „Noch mal eins Draufsetzen“ vom Autor sehr gerne und wäre ehrlich gesagt auch enttäuscht gewesen, wenn er es bei Das Joshua Profil nicht erneut so praktiziert hätte.
Als ich am Ende angelangt war, war ich zufrieden, ach was sage ich? Ich war begeistert! Der Thriller gibt erneut viel Anreiz zum Nachdenken und hallt sehr lange nach. Er wird von außerordentlich authentischen Protagonisten geleitet, die einen in einer enormen Geschwindgkeit durch die Geschichte hetzen. Einmal begonnen, legt man das Buch nicht ein einziges Mal zur Seite.

Fazit:
Das neueste Werk von Sebastian Fitzek lebt von unglaublicher Spannung von der ersten bis zur letzten Seite. Das Joshua Profil knüpft für mich an die herausragenden Thriller vergangener Zeiten, wie z.B. Die Therapie an, was ich sehr erfreut zur Kenntnis genommen habe. Es hat mir Spaß gemacht dieses Buch zu lesen und ich habe nicht eher mit dem Lesen aufgehört, ehe ich nicht jedes einzelne Wort inhaliert hatte. Fitzek is back – Und zwar sogar noch besser, als sonst!

                              Kitty 
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10 Comments

  • Nadja Küveler 9. November 2015 at 22:02

    Also wir fanden BlutSchule ja beide nicht so super,daher freut es mich umso mehr das dir der Joshua gefallen hat und ich habe Hoffnung geschöpft,lese das Buch wohl am Wochenende in der Sauna 🙂

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    • Kitty 11. November 2015 at 10:56

      Zum Glück wird Die Blutschule hier nur ab und zu mal erwähnt, allerdings finde ich es schon vorteilhaft, wenn man die Geschichte kennt. Ansonsten ist Joshua (Gott sei Dank) komplett anders. Ich hatte ja Angst, dass ich mich hier vielleicht auch langweilen würde und alles ebenso vorhersehbar wäre, aber diese Angst war total unbegründet.
      Hab ganz viel Spaß mit der Lektüre. 🙂 Ich hoffe, es wird dir ebenso gut gefallen, wie mir. 🙂
      GlG
      Kitty ♥

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  • Martin / Buchwellenreiter 9. November 2015 at 22:43

    Hi 🙂

    Eine echt schöne Rezi zu einem tollen Buch. Hab dich durch deinen FacebookPost gefunden. Du hast auf Meinen geantwortet bei BUCHREZENSIONEN 🙂

    Aber ich werde demnächst sicher öfter mal bei dir vorbeischauen.

    Natürlich würde es mich freuen, wenn du mich auf meinem Blog auch mal besuchen kommst.

    Alles Liebe
    Martin

    Reply
    • Kitty 11. November 2015 at 10:57

      Danke schön. 🙂
      Natürlich werde ich mich mal auf deinem Blog umschauen. 🙂
      GlG
      Kitty ♥

      Reply
  • Katja Wolke 10. November 2015 at 15:30

    Das freut mich doch, dass es dich so unglaublich begeistern konnte, nachdem du ja nach der Blutschule nicht so überzeugt warst. Aber es war schon ziemlich gut gemacht, vor allem später der Zusammenhang zwischen beiden und was es einem beim Lesen irgendwie gegeben hat.

    Liebe Grüße,
    Katja 🙂

    Reply
    • Kitty 11. November 2015 at 10:58

      Ja, genau. Deswegen erwähne ich auch, dass es sinnvoller ist, Die Blutschule vorher zu lesen, auch, wenn ich das Buch wirklich, wirklich nicht gut fand.
      ich bin echt froh, dass sich meine Bedenken in Luft aufgelöst haben. Schon auf den ersten Seiten wusste ich, dass es anders werden wird, als Die Blutschule und war darüber richtig, richtig froh. 🙂 Joshua hat mich echt total überzeugt und es freut mich zu lesen, das es dir ebenso ging. 🙂
      GlG
      Kitty ♥

      Reply
  • Martin Hanns 17. November 2015 at 22:07

    Hey Kitty 🙂

    ich bin heute zum ersten Mal auf deinem Blog unterwegs. Aber sicher nicht zum letzten Mal.

    Deine Rezi fand ich echt schön. Und auch für mich ist Sebastian eine feste Größe im Lesejahr. Ich hab mich schon seit vielen Wochen auf sein neues Buch gefreut und war vor Kurzem umso erstaunter und erfreuter, als ich gemerkt habe, dass es sogar 2 Bücher von ihm gibt. Auch wenn bei einem ein gewisser Max Rhode der Autor ist. 🙂

    Zu Beiden habe ich eine Rezi auf meinem Blog geschrieben. Außerdem habe ich ihn vor Kurzem auf einer Lesung in Dresden getroffen. Auch hierüber habe ich ausführlich berichtet.

    Liebe Grüße
    Martin
    buchwellenreiter.blogspot.de

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    • Kitty 22. November 2015 at 11:38

      Hallo Martin 🙂
      Vielen Dank! Es freut mich sehr, dass du "bei mir bleiben möchtest". Herzlich Willkommen im Bücherparadies. 😉
      Ich werde mir gleich mal deine Rezi und deinen Bericht über die Lesung anschauen. Bin ja von Natur aus neugierig. 😉
      GlG
      Kitty ♥

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  • Lottasbuecher 29. November 2015 at 16:56

    Hallöchen meine liebe Kitty,
    endlich mal jemand der meiner Meinung ist! 😀 Ich habe dieses Buch auch von vorne bis hinten genossen! Ich habe es sozusagen verschlungen und war endlich mal wieder von einem Thriller gepackt. So wie es sein sollte. Nach Passagier 23 hatte ich ja erst ein bisschen Angst, aber dieses Buch war einfach nur gut. 😀 Ich freue mich, dass wir uns mal wieder einig sind und habe deine Rezension bei mir verlinkt. 😀

    Liebst, Lotta

    Reply
    • Kitty 30. November 2015 at 10:22

      Ich bin auch schon ziemlich irritiert, weil ich ebenfalls so viele negative Stimmen dazu gehört habe, dabei fand ich es echt großartig. ♥
      *lach* Mir ging es wie dir: Ich hatte nach Passagier 23 ebenfalls Angst, dass es vielleicht erneut nicht so toll werden wird, aber zum Glück haben wir uns ja beide getäuscht und das neueste Werk sehr genossen. 🙂
      Danke für´s Verlinken, Liebes. ♥

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