Kurzrezension:
Max Rhode – Die Blutschule

Posted on 4. November 2015 by Dörte


256 Seiten |  Bastei Lübbe | Autor | Leseprobe 

Eine unbewohnte Insel im Storkower See Eine Holzhütte, eingerichtet wie ein Klassenzimmer Eine Schule mit den Fächern: Fallen stellen. Opfer jagen. Menschen töten. Die Teenager Simon und Mark können sich keinen größeren Horror vorstellen, als aus der Metropole Berlin in die Einöde Brandenburgs zu ziehen. Das Einzige, worauf sie sich freuen, sind sechs Wochen Sommerferien, doch auch hier macht ihnen ihr Vater einen Strich durch die Rechnung. Er nimmt sie mit auf einen Ausflug zu einer ganz besonderen Schule. Gelegen mitten im Wald auf einer einsamen Insel. Mit einem grausamen Lehrplan, nach dem sonst nur in der Hölle unterrichtet wird …

»“Es stimmt. Ihr habt nie gelernt zu töten. Niemand hat es euch beigebracht. Aber keine Sorge, dieses Versäumnis werde ich jetzt nachholen.“«
Zitat aus: „Die Blutschule“

Meine Meinung:

Ein neuer, wenn auch getarnter Fitzek? Dass ich den lesen musste, war mir von vorne herein klar. Allerdings schraubte ich meine Erwartungen eher nach unten, wusste ich doch, dass er sich diesmal in einem anderen Genre versuchen wollte.
Ich fand die ersten Seiten ziemlich interessant. Es war mir zugegeben zwar ein bisschen zu ruhig, aber der Verlauf der Geschichte interessierte mich brennend. Selbst das Übernatürliche, welches irgendwann ins Spiel kam und womit ich im Grunde genommen nicht viel anfangen kann, stimmte mich neugierig. Am Anfang fühlte ich mich sehr an einen alten Horrorfilm erinnert. Eine Familie zieht aus der Großstadt weg in ein Haus, welches lange leer gestanden hat und plötzlich geschehen merkwürdige Dinge. Die Stimmung, die ich während des Lesens hatte, passte völlig ins Bild. Es war schon ziemlich düster, aber so sehr, das ich Angst bekommen habe, nun, so weit kam es leider nicht. Außerordentlich gut gefallen hat mir auch das Setting. Ich konnte den See, den Wald und natürlich auch das Haus förmlich vor Augen sehen, und mummelte mich sogar noch tiefer unter die Decke, als es in der Geschichte regnete und ließ alles auf mich wirken. Ich war irgendwie mittendrin. Der Schreibstil kann sich somit wirklich sehen lassen, denn obwohl die Geschichte eigentlich genau wie der beschriebene Regen vor sich hinplätschert, rast man in einem Affenzahn durch die Seiten, ohne es überhaupt zu merken.

»Komisch, wie die menschliche Psyche manchmal funktioniert, oder? Mit Gewalt gegen Menschen habe ich kaum noch Probleme. […] Aber sobald es um Tiere geht, nein. Das halte ich nicht aus.«
Zitat aus: „Die Blutschule“
Ich finde den Plot außerordentlich gut und hätte mir echt gewünscht, dass ich durch die Geschichte schlaflose Nächte gehabt hätte. Denn es versprach schon ein ziemlich „übler“ Roman zu werden, doch einen wirklichen Schockmoment habe ich zu keiner Zeit erlebt. Mir war alles zu seicht und vor allen Dingen war mir das Übersinnliche auch ein bisschen zu einfach gestrickt. Die Szenen, die „Max Rhode“ beschreibt sind zwar schon ziemlich ekelhaft, insbesondere, wenn er seinen Söhnen mal wieder irgendeine merkwürdige Aufgabe gibt, aber selbst die außerordentlich blutigen Szenen konnten mich absolut nicht schocken und haben mich nicht mal mit der Wimper zucken lassen.
Nächster Kritikpunkt: Die Geschichte wird zwar aus der Sicht von Simon in der Ich-Form erzählt, aber selbst diese von mir bevorzugte Erzählweise konnten mich keinerlei Bindung zu dem Protagonisten aufbauen. Sie waren mir allesamt viel zu blass und nicht wirklich gut durchdacht, was ich außerordentlich schade finde.
Das Ende hätte mich, wenn mich die Geschichte im Allgemeinen hätte überzeugen können, bestimmt die ein oder andere Gänsehaut beschert. Besonders das letzte Kapitel hat es schon in sich und war, im Gegenteil zum restlichen Roman, auch mal nicht vorhersehbar.

Fazit:
Die Blutschule ist zwar an einigen Stellen wirklich eklig und grausam, aber dies reichte mir nicht. Es fehlte mir an Spannung, Überraschungen und auch an besser ausgearbeiteten Protagonisten. Das Übersinnliche war mir persönlich zu viel. Leider bin ich äußerst enttäuscht, kann diesen Roman nicht weiter empfehlen und absolut verstehen, warum Max Rhode in Fitzeks neuestem Thriller Das Joshua Profil als erfolgloser Schriftsteller benannt wird.

                              Kitty 
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6 Comments

  • Tina 4. November 2015 at 22:24

    Hast du das Joshua-Profil schon gelesen? Ich war nicht schlecht überrascht, als ich erfahren habe, dass es "Die Blutschule" tatsächlich als Buch gibt. Das ganze Marketing vorher ist irgendwie an mir vorbeigezogen 😉 Aber ich muss ehrlich sagen, dass ich nicht soo das Interesse habe es noch zu lesen. Das Joshua-Profil war klasse, aber noch mehr in Richtung Horror muss glaube ich nicht sein. Es spricht mich jetzt inhatllich auch nicht so an. Wenn ich mir deine Rezi anschaue, dann ist es glaube ich auch die bessere Entscheidung.

    Liebe Grüße
    Tina

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    • Kitty 8. November 2015 at 11:37

      Nein, das habe ich noch nicht gelesen, aber sobald ich mit meiner aktuellen Lektüre fertig bin, ist es dran. 😉 Ich bin gespannt, in wie fern es vielleicht doch gut war, das ich Die Blutschule vorher gelesen habe. Aber ich habe auch irgendwie Angst, dass mir das Buch auch nicht so zusagen wird. 🙁 Ich lasse mich einfach mal überraschen. 😉
      GlG
      Kitty ♥

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  • Nicole Wagner 5. November 2015 at 8:50

    Hallo Kitty,

    schade, dass du enttäuscht worden bist! Ich werde dieses Buch sicher einmal in Angriff nehmen, denn neugierig bin ich schon. Aber gut, dass ich meine Erwartungen vorher noch etwas runterschraube.

    Liebe Grüße,
    Nicole

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    • Kitty 8. November 2015 at 11:38

      Ich will dir ja keine Angst machen, aber ich bin auch nicht mit so hohen Erwartungen rangegangen, weil es vorher schon hieß, dass es natürlich kein typischer Fitzek ist. Trotzdem war ich echt enttäuscht und habe jetzt sogar Angst davor, Das Joshua Profil zu lesen. 🙁

      Reply
  • Katja Wolke 5. November 2015 at 16:59

    Deine Meinung kann ich voll und ganz nachvollziehen, auch wenn es bei mir wohl eher auf 3 Wolken hinaus laufen wird. Aber es ist eben auch kein richtiger Fitzek und deshalb auch gut so 😉

    Liebe Grüße,
    Katja 🙂

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    • Kitty 8. November 2015 at 11:39

      Stimmt. Ich glaube, ich wäre sogar noch enttäuschter, wenn Fitzek das nicht unter einem Pseudonym rausgebracht hätte. Mal schauen, wie Das Joshua Profil ist. Das werde ich nämlich, wenn alles gut geht, heute noch anfangen. 🙂
      GlG
      Kitty ♥

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