Rezension:
Jonathan Stroud – Der Wispernde Schädel

Posted on 3. Juli 2015 by Dörte


 Lockwood & Co. #2 | 512 Seiten |  cbj | Autor | Leseprobe 

Dank des spektakulären Erfolgs im Fall der seufzenden Wendeltreppe ist Lockwood & Co. nun eine der angesagtesten Geisteragenturen Londons. Doch inzwischen wird die Metropole bereits von einer Reihe neuer grausiger Ereignisse erschüttert: In einer beispiellosen Diebstahlserie werden mächtige magische Artefakte entwendet und deren Hüter grausam ermordet. Als dann auch noch auf einem Friedhof ein schauerlich eiserner Sarg geborgen wird, dessen Inhalt unter mysteriösen Umständen verschwindet, steht fest: Ein klarer Fall für Lockwood & Co.! Nur wenn das Team um Anthony Lockwood, Lucy und George ihre ganze Genialität im Umgang mit übernatürlichen Ereignissen in die Waagschale wirft, kann es ihnen gelingen, die Verschwörung, die hinter all dem steckt, aufzudecken.

!Achtung! Band 2 der Reihe!

Meine Meinung:
Inhalt
Es sollte ein normaler Auftrag werden, nichts Ernstes. Doch dann kommt alles anders, als das Team von Lockwood & Co. sich vorher ausgemalt hat. Zuerst wird George von einem ominösen Spiegel wie magisch angezogen und dann verschwindet dieses Artefakt auch noch spurlos. Zwischen der Geisterjagd macht es sich die Agentur nun zur Mission mehr über den Spiegel und deren Hintergründe herauszufinden. Dies ist allerdings auch noch nicht alles, was den Agenten alles widerfahren wird…

»Langes schwarzes Haar flatterte um den Schädel, und in der linken Augenhöhle sah man noch die Überreste eines Augapfels, die andere Augenhöhle war leer. An den vorspringenden Wangenknochen hingen verweste Hautfetzen und der Unterkiefer baumelte schief über dem Schlüsselbein.«
Zitat aus: „Der Wispernde Schädel“
Charaktere
Anthony ist auch im zweiten Band der Reihe äußerst verschlossen. Aber dies hat mir gut gefallen, denn es macht neugierig auf die weiteren Bände. Ich frage mich wirklich, ob wir irgendwann in den Genuss kommen werden, das „Oberhaupt“ der Agentur so richtig kennen zu lernen.
Lucy wird mir immer sympathischer. Sie hat während der Zeit bei Lockwood  Co. schon einiges gelernt. Und diese Wissen setzt sie hervorragend auf der Jagd nach Geistern an. Zudem ist es für mich sehr interessant zu lesen, wie sich ihre besondere Gabe immer weiter entwickelt.
George ist mir mit großem Abstand einfach der Liebste von allen. Er beschäftigt sich mehr mit den Recherchen zu den einzelnen Fällen. Arbeitet sozusagen also eher im Hintergrund. Besonders sympathisch macht ihn seine Trotteligkeit. Man sollte meinen, dass eine solche Charaktereigenschaft auf die Dauer anstrengend wird, bei mir bewirkt sie jedoch, dass ich George immer weiter in mein Herz lasse.

»Das war mal wieder typisch Lockwood. Freundlich, besonnen, mitfühlend. Mein  erster Impuls wäre gewesen, dem Mädchen ein paar saftige Ohrfeigen zu verpassen und sie mit einem kräftigen Tritt in den Hintern in die Nacht hinauszubefördern. Das erklärt auch, weshalb er  unser Anführer ist und nicht ich. Es erklärt außerdem, weshalb ich keine Freundinnen habe.«
Zitat aus: „Der Wispernde Schädel“

Gesamt
„Der Fall ist easy. Das geht ganz leicht. Kurz hin und innerhalb von ein paar Minuten haben wir es hinter uns.“ Wenn Anthony Lockwood so einen Satz von sich gibt, kann man zu einhundert Prozent davon ausgehen, dass mal wieder irgendetwas in die Hose gehen wird und dieser Fall absolut nicht „mal eben schnell“ abgehandelt werden kann. Welche Dinge den Agenten einen Strich durch die Rechnung machen, kann man zu diesem Zeitpunkt zwar noch nicht erahnen, allerdings ist der Weg dahin es zu erfahren, äußerst spannend auch ziemlich lustig.
Aber mal von vorne:
In Der wispernde Schädel geht es gleich wieder richtig gut los. Der Autor befasst sich nicht lange mit drumherum Gerede, sondern wirft seinen Leser gleich in die Geschichte. Es gibt, für alle, die den ersten Teil der Reihe nicht gelesen haben sollten, auch Rückblicke. Allerdings sind diese so kurz gehalten und so rar gesät, dass ich sie weniger als störend, sondern eher als hilfreich empfunden habe.
Die Geschichte wird zu jeder Zeit aus der Sicht von Lucy beschrieben, die uns die Ereignisse in der Ich-Form schildert. Ich bin mir sicher, dass dies einen großen Anteil daran hatte, dass ich mich so gut mit ihr anfreunden konnte. Sie ist eine richtig starke Protagonistin, zwar nicht perfekt, aber absolut authentisch, was ich sehr an ihr schätze.

»Der Tod ist flüchtig: Selbst wenn man auf ihn wartet, rinnt einem der tatsächliche Eintritt durch die Finger. Es ist nicht so wie im Film, wo plötzlich der Kopf auf die Brust fällt. Man sitzt einfach da und wartet darauf, dass etwas geschieht, und dann merkt man plötzlich, dass man es verpasst hat. Bitte weitergehen, hier gibt es nichts zu sehen, nichts mehr, nie wieder.«
Zitat aus: „Der Wispernde Schädel“

Die Story wirkte auf mich äußerst lebendig. Zuerst sind die Settings unglaublich toll beschrieben. Ich hatte des Öfteren das Gefühl, mir den dreien mitzugehen. Mich mit ihnen zusammen in den dunklen Gassen Londons zu bewegen, bzw. auf dem dunklen Friedhof neben ihnen zu stehen, was mir manchmal ein äußerst beklemmendes Gefühl beschert hat. Und dann sind da noch die Dialoge, die so herrlich erfrischend und manchmal ziemlich lustig zu lesen sind. Hier steht natürlich George im Vordergrund, der mit seinen verrückten Experimenten allerlei, ich nenne es mal, Unruhe stiftet, aber auch der Schädel, der diesem Buch den Titel geschenkt hat, kann sich auf jeden Fall sehen lassen. An dieser Stelle möchte ich aber natürlich nicht allzu viel verraten.
Trotz der schon ziemlich düsteren Stimmung bin ich förmlich durch die Seiten geflogen, weil es einfach niemals langweilig wird. Jonathan Stroud schafft es einfach seine Leser bei der Stange zu halten und ist grundsätzlich für die ein oder andere Überraschung gut.
Ich kann sagen, dass ich mich im Hause von Lockwood & Co. schon äußerst zu Hause fühle und ich bin absolut geschockt darüber, wie die Geschichte endete. So einen miesen Spoiler hätte ich wirklich nicht erwartet. Aber wie ich schon sagte: Der Autor ist eben immer für eine Überraschung gut…
In Kürze:
Positiv
Spannend.
Alle Charaktere sind auf ihre Art einfach fantastisch.
Ganz besonders George.
Witzige Stellen lockern die eher düstere Stimmung auf.
Der Schreibstil ist sehr angenehm zu lesen.
Alles wird von Lucy in der Ich-Form geschildert.
Viele Überraschungen,
viele Wendungen, mit denen ich nicht gerechnet habe.
Anthony Lockwood ist immer noch sehr geheimnisvoll, was mich noch neugieriger auf die neuen Bände macht. Bekommen wir da einen besseren Einblick in seine Seele?
Das Ende ist super gemein, aber auch dies lässt mich den nächsten Teil herbei sehnen.
Negativ 
Nichts.

Fazit:
Der wispernde Schädel steht dem ersten Band in Nichts nach, Er ist genau so spannend und gut durchdacht, wie es schon in Die seufzende Wendeltreppe der Fall gewesen ist.
Die Charaktere sind an sich und ihren Aufgaben gewachsen. Mir gefällt die Entwicklung sehr. Zudem hat das gesamte Buch jede Menge Überraschungen zu bieten.
Von mir gibt es auf jeden Fall eine Empfehlung!

Kitty 


Die Reihe:
                                                                                                          26.10.2015
                                              
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3 Comments

  • Nicole Wagner 5. Juli 2015 at 6:53

    Hallo Kitty,

    ich bin sooo froh, dass dir auch Teil 2 gefallen hat. Stimmt, es ist trotz der vielen Toten eine sehr lebendige Erzählung und der Spoiler ist schon gemein. 😀

    Liebe Grüße,
    Nicole

    Reply
    • Kitty 6. Juli 2015 at 8:16

      Den Spoiler? Du meinst den Cliffhanger, oder? Ich hoffe doch sehr, dass ich nicht gespoilert habe in meiner Rezi? :-O

      Reply
  • Biene Ma 6. Juli 2015 at 12:10

    Hey!
    Ach, das ist so eine tolle Reihe… hast du eigentlich schon "Bartimäus" von dem Autor gelesen? Die Reihe ist auch echt zu empfehlen, besonders wenn dir Lockwood&Co gefällt.
    Und stimmt, der Cliffhanger ist echt fies!

    LG Biene (fantastikworldofbooks.blogspot.de)

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