Rezension:
Sebastian Fitzek & Michael Tsokos – Abgeschnitten

Posted on 3. Juni 2015 by Dörte


 400 Seiten |  Knaur. | Fitzek | Tsokos | Leseprobe 

Rechtsmediziner Paul Herzfeld findet im Kopf einer monströs zugerichteten Leiche die Telefonnummer seiner Tochter. Hannah wurde verschleppt – und für Herzfeld beginnt eine perverse Schnitzeljagd. Denn der psychopathische Entführer hat eine weitere Leiche auf Helgoland mit Hinweisen präpariert.
Herzfeld hat jedoch keine Chance, an die Informationen zu kommen. Die Hochseeinsel ist durch einen Orkan vom Festland abgeschnitten, die Bevölkerung bereits evakuiert. Unter den wenigen Menschen, die geblieben sind, ist die Comiczeichnerin Linda, die den Toten am Strand gefunden hat. Verzweifelt versucht Herzfeld sie zu überreden, die Obduktion nach seinen telefonischen Anweisungen durchzuführen. Doch Linda hat noch nie ein Skalpell berührt. Geschweige denn einen Menschen seziert …

Meine Meinung:
Inhalt
Paul Herzfeld fällt aus allen Wolken, als er in einer Leiche die Telefonummer seiner Tochter findet. Nachdem er die Nummer gewählt hat, bestätigt sich das Unfassbare: Seine kleine Hannah wurde entführt. Er setzt fortan natürlich alles daran, sie zu befreien und hält sich genau an die Anweisungen. An diesem Zeitpunkt kann er noch nicht ahnen, auf welche Art von Schnitzeljagd der Täter ihn schicken wird.
Währenddessen findet die Comiczeichnerin Linda tief im Norden, auf Helgoland, eine männliche Leiche, die vielleicht in irgendeiner Form mit der vermissten Hannah in Verbindung stehen könnte…

»Die brutal entstellte Frauenleiche war von einem Obdachlosen in einem Umzugskarton auf dem stillgelegten Freizeitgelände des Spreewaldparks entdeckt worden, als der arme Kerl dort gerade sein Nachtlager aufschlagen wollte.«
Zitat aus: „Abgeschnitten“
Charaktere
Linda hat es nicht wirklich leicht, was ihre Männer-Wahl angeht. Erst kürzlich hat sie sich von ihrem Ex getrennt, der sie nun mehr verfolgt und einfach nicht in Ruhe lassen will. Aus diesem Grund ist sie nach Helgoland geflüchtet: Um in Sicherheit zu sein.
Linda ist für ihr Leben gezeichnet und hat panische Angst. Ruhe findet sie, indem sie an ihren Comics arbeitet.
Paul ist geschieden und sieht seine Tochter sehr selten, bis überhaupt nicht, dabei würde er diese Situation natürlich gerne ändern. Beruflich arbeitet er als Rechtsmediziner und ist schon jahrelang im Dienst. Ich persönlich finde ihn sehr stark gezeichnet, mit Ecken und Kanten, so, wie ich das gerne habe.

»Verdammt, wo bin ich nur wieder reingeraten? Zwei Leichen, eine von mir halb aufgeschlitzt, die andere mit einem Stock im After und ein Hausmeister mit einem Seziermesser im Hals. Und ich stecke fest in einem Leichenkühlschrank.«
Zitat aus: „Abgeschnitten“

Gesamt
Abgeschnitten wird aus drei verschiedenen Perspektiven erzählt. Hierbei handelt es sich erst einmal um Paul, dem Rechtsmediziner, der seine Tochter retten möchte. Um Linda, die wegen ihrem Ex nach Helgoland geflüchtet ist und um ein Opfer, dessen Name ich jetzt natürlich nicht nennen werde. Da uns diese drei Personen auktorial die Geschichte erzählen, verändern sich, je nach Charakter auch immer die Orte, wo wir uns gerade aufhalten. Das Opfer spricht übrigens „Aus der Hölle“ zu uns. Diese Überschrift konnte ich wirklich gut nachvollziehen, denn es ist äußerst heftig, was sie alles miterleben muss.
Der Anfang hat mich zugegeben ein bisschen verwirrt. Es fiel mir nicht so leicht wie sonst, in die Geschichte zu finden, die mir nicht nur Sebastian Fitzek, sondern ebenfalls Michael Tsokos erzählen wollte. Mir fehlte zu Beginn das Tempo, welches sich erst langsam einstellte, sich aber dann bis ins Unermessliche steigerte.
Nach in Etwa den ersten vierzig Seiten ging es dann jedoch ziemlich schnell und auch überaus spannend zur Sache und ich konnte nicht mehr anders, als mit dem Buch festzuwachsen. Es spielt sich so viel ab, nicht nur schriftlich vor meinen Augen, sondern auch bildlich in meinem Kopf, dass ich es ab und zu ein bisschen mit der Angst zutun bekam. Was Linda erlebt, hat mich einige Nerven gekostet, aber auch die Erlebnisse von Paul gingen nicht spurlos an mir vorbei.

»Verdammt, Paul, du hast mir nur gezeigt, wie man Menschen aufschlitzt, nicht, wie man sie repariert.«
Zitat aus: „Abgeschnitten“

Ganz besonders hat mir die Stimmung gefallen, die während des gesamten Buches herrscht. Im Speziellen die Finsternis, die auf Helgoland präsent ist, hat mir eine Gänsehaut beschert. Ich konnte mich so gut mit Linda identifizieren, dass ich mit ihr mitgefühlt und mitgelitten habe. An vielen Stellen teilte mir die Protagonistin ihre Gefühle selbst mit, denn diese Stellen wurden kursiv hervorgehoben und der Erzähler wechselte zur Ich-Form. Die Szenen in der Pathologie waren wirklich alles andere als witzig, jedoch enorm spannend. Jene Bilder, die sich auf Helgoland abspielten, haben mir mit Abstand am Besten gefallen. Ich hatte das Setting vor Augen, konnte den Wind heulen hören und habe mich stets in unmittelbare Nähe von Linda befunden, die ich übrigens weiß Gott nicht beneidet habe.
Mit Paul konnte ich mich auch gut identifizieren. Die Stellen mit ihm erinnerten mich ein kleines Bisschen an einen Roadtrip, bei dem es um Leben und Tod geht und die ein enorm hohes Tempo, sowie eine unfassbar große Spannung mit sich brachten.
Sebastian Fitzek ist dafür bekannt, dass er verschiedene Wendungen in seine Geschichten mit einbaut, mit denen der Leser niemals rechnet. Dies hat er zusammen mit Tsokos auch hier vollbracht. Es war für mich überraschend, welche Dinge sich ereignet haben, welche so plötzlich kamen, dass mir vor Begeisterung der Mund offen stand und mich natürlich noch mehr an das Buch fesselten, was mir eine schlaflose Nacht bescherte und dafür sorgte, dass ich vor dem Zu-Bett-Gehen noch mal eben schnell meine Haustür kontrolliert habe.
Das Ende war für mich sehr schlüssig und ließ mich auch nachdenklich zurück, denn in Abgeschnitten geht es nicht nur um einen Entführer, der seine Opfer bestialisch zurichtet, sondern ebenfalls um die Tatsache, dass das Rechtssystem in Deutschland bei weitem nicht so ist, wie es vielleicht sein sollte. Dieser Aspekt gibt genügend Stoff, der sich auch nach dem Lesen dieses Buches noch eine ganze Weile in meinem Kopf verfestigt hat und mich wohl, wie der gesamte Thriller, so schnell nicht loslassen wird.
In Kürze:
Positiv
Flotter Schreibstil.
Absolut spannend und
temporeich.
Verschiedene, auktoriale Sichtweisen.
Das Setting, besonders auf Helgoland, ist fantastisch.
Gut gezeichnete Charaktere,
mit denen ich mich identifizieren konnte.
Ziemlich brutal, aber nicht überspitzt.
Verschiedene, überraschende Wendungen.
Die Art, wie die Handlungsstränge zu einem werden, ist verdammt gut.
Bietet Stoff zum Nachdenken.
Ist erschreckend und beängstigend.
Negativ 
Es fiel mir zu Beginn schwer, in die Geschichte zu finden. 

Fazit:
Die beiden Autoren haben einen wirklich spannenden, sowie erschreckenden Thriller zu Papier gebracht, der mir sehr oft die Haare hat zu Berge stehen lassen und dazu führte, dass ich meine Haustür vor dem Schlafen gehen kontrollierte. Der Plot ist außerordentlich gut umgesetzt und temporeich zu Papier gebracht worden. Einzig der für mich etwas schwerfällige Beginn führt dazu, dass ich hier nicht meine Höchstwertung von sechs Blümchen auspacke, obwohl es sich bei Abgesschnitten zweifellos um einen Pageturner handelt.

                            Kitty 
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8 Comments

  • Jasi Ich 3. Juni 2015 at 18:19

    Huhu liebe Kitty! ♥

    Das Buch habe ich schon seit einiger Zeit auf meinem SUB und nach deiner tollen Rezension möchte ich es bald mal in die Hand nehmen. Schwerfälliger Anfang klingt zwar nicht so prickelnd, aber für die kommende Hochspannung nehme ich das gerne auf mich. 🙂

    Alles Liebe,
    Jasi ♥

    Reply
    • Kitty 4. Juni 2015 at 9:22

      Danke schön für deine lieben Worte. ♥
      Ich konnte es, als ich es bekommen habe, kaum noch abwarten, es endlich zu lesen. Ich mag den Schreibstil ja super gerne vom Fitzek und auch hier wurde ich nicht enttäuscht und das, obwohl er diesmal gar nicht "alleine" geschrieben hat.
      Bis auf den Anfang fand ich es echt großartig. Ohne Witz: Ich habe echt fast die ganze Nacht durchgelesen und zwischenzeitlich Angst bekommen. Die Stimmung ist echt grandios eingefangen.
      Freut mich, dass ich dafür gesorgt habe, dass du es jetzt bald in die Hand nehmen möchtest: Es lohnt sich!
      Und der Anfang, nun, das dauert ja nicht allzu lange, bis es dann richtig los geht. 🙂
      GlG
      Kitty ♥

      Reply
  • Lottasbuecher 3. Juni 2015 at 19:09

    Hallöchen meine liebste Kitty,
    es ist schon ziemlich lange her, dass ich dieses Buch gelesen habe, aber ich war wirklich begeistert davon. Ich habe es unglaublich schnell verschlungen. Ich kann mich aber nicht mehr dran erinnern, ob ich gut in die Geschichte reinkam oder nicht. Fitzek ist einfach immer ein Erlebnis und das hier war ein Buch der Extraklasse. 😀

    Liebst, Lotta

    Reply
    • Kitty 4. Juni 2015 at 9:23

      Oh ja, das ist Fitzek in der Tat. Keine Ahnung, wie er das immer schafft, aber ich klebe grundsätzlich an den Büchern, weil ich nicht mehr aufhören kann zu lesen.
      Ich kann dir auch gar nicht sagen, warum mir der Einstieg diesmal etwas schwerer gefallen ist, als sonst. Irgendwas hat mir gefehlt, aber zum Glück war diese Phase ja ziemlich schnell vorbei und ich konnte die Geschichte genießen—- und mich gruseln. :-O
      GlG
      Kitty ♥

      Reply
  • Lasszeilensprechen Ayleen 4. Juni 2015 at 5:47

    Hi,

    tolle Rezi, mir hat das Buch genauso gut gefallen wie dir. Für mich eins der besten Bücher von Fitzek
    🙂

    LG Ayleen

    http://lasszeilensprechen.blogspot.com/2015/02/abgeschnitten-sebastian-fitzek-tsokos.html

    Reply
    • Kitty 4. Juni 2015 at 9:26

      Stimmt. Das kann ich so unterschreiben. Bis auf eines habe ich jetzt alle Bücher gelesen und Abgeschnitten reiht sich auf jeden Fall in die Top 3 ein. Ganz oben steht für mich ja Splitter dicht gefolgt von Die Therapie. Aber ich habe ja noch Der Seelenbrecher vor mir. Vielleicht wird durch ihn die Top 3 ja noch mal umgeworfen.
      Deine Rezi schaue ich mir gleich mal an.
      GlG
      Kitty ♥

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  • TheReal Kaisu 5. Juni 2015 at 9:57

    Mich hat damals nicht der Anfang, sondern das Ende gestört!
    Das war mir zu kurz und knapp, bei der ganzen Vorgeschichte… aber von dem Duo würde ich trotzdem wieder ein Buch lesen. Die neuen Fitzeks waren ja nihct so meins 🙁

    Reply
    • Kitty 5. Juni 2015 at 21:30

      Au ja! Ich würde auch noch mal was von den beiden lesen. War echt richtig, richtig gut (bis auf den Anfang)
      Ich muss sagen, dass ich Passagier 23 auch nicht so mochte. Das war mir stellenweise ein bisschen too much. Aber ansonsten kann ich eigentlich überhaupt nichts Negatives sagen, oder eben nur so kleine Sachen, die ich nicht so prickelnd fand.
      Das Ende fand ich persönlich ziemlich gelungen. Aber wie schon gesagt: Der Anfang fiel mir irgendwie schwerer als sonst. Warum auch immer. :-O

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