Rezension:
Kathrin Lange – Gotteslüge

Posted on 14. Mai 2015 by Dörte


Faris Iskander #2 | 416 Seiten |  Blanvalet | Autorin | Leseprobe

Was anfangs wie eine Geiselnahme aussieht, entpuppt sich für Faris Iskander als ein Fall mit ungeahnt persönlicher Dimension: Ein mit einem Sprengstoffgürtel bewaffneter Mann überbringt Faris eine Botschaft. Sie lautet: »Das nächste Mal wirst du auf den Auslöser drücken.« Faris kann sein eigenes Leben retten, als die Bombe explodiert. Doch er ahnt, dass ein alter Feind einen teuflischen Plan für ihn ersonnen hat. Und der schreckt weder vor Entführung zurück noch vor kaltblütigem Mord. Denn schließlich will er Zeuge werden, wie Faris selbst zum Attentäter wird.

 

Meine Meinung:
Inhalt
Faris wird von Alpträumen gequält. Die Szenen, den Bombenanschlages wird er einfach nicht mehr los, genau wie das Bild, wie er seinen Partner einst verloren hat. Er begibt sich in Therapie, obwohl es ihm sehr schwer fällt, über die vergangenen Tage zu reden.
Als er schließlich zu einem neuen Fall gerufen wird, ahnt er noch nicht, dass seine Alpträume bald erneut wahr werden sollen…

»“Faris ist ein einer Beziehung?“ Die Vorstellung schien ihn zu überraschen.
Rühmann schüttelte den Kopf. „Da war kurz was […] hat aber wohl auch nicht so richtig geklappt.“ […] „Wundert mich nicht“, sagte Meyer.
„Warum?“
„Sieh ihn dir doch an!“, Meyer rümpfte die Nase. „Der Mann ist ein Wrack.“«
Zitat aus: „Gotteslüge“
Charaktere
Faris ist schwer gezeichnet. Tief sitzen die Wunden aus seinem alten Fall, die noch längst nicht verheilt sind. Trotz seiner Angst, es könnte noch einmal so weit kommen, macht er alles in seiner Macht stehende möglich, um seinen neuen Fall zu lösen. Dabei ist es ihm allerdings überhaupt nicht gleich, dass es sich hierbei um einen wirklich sehr persönlichen Fall handelt.

»Der Druck, den er empfand, […] fühlte sich an wie eine Rüstung, die drei Nummern zu eng war. Und doch war er eigenartig froh über dieses Gefühl, denn wenn diese Rüstung nicht gewesen wäre, wäre er in tausend Splitter auseinandergeflogen.«
Zitat aus: „Gotteslüge“ -Faris-
Gesamt
Bevor ich meine Begeisterung zu diesem Buch mit euch teile, möchte ich kurz das Cover ansprechen. Es ist grandios. Auf den Bildern sieht man es nicht so genau, aber wenn man das Buch in den Händen hält, ist man ganz begeistert. Es hat so eine Art Glanz, die die einzelnen Bilder hervor hebt. Zudem stehen diese Abbildungen auch ein bisschen ab. Man kann sie fühlen, wenn man drüber streicht. Aber nicht nur vom Optischen her finde ich es ziemlich gelungen, ebenso insgesamt passt es hervorragend, weil die Geschichte in Berlin spielt und man hier den Fernsehturm sehen kann.
Der Inhalt hält, was das Cover verspricht. Es beginnt sofort mit einem Affenzahn und hört auch überhaupt nicht mehr auf. Kathrin Lange schaffte es erneut, mich an den Haaren in die Geschichte zu ziehen und bot mir viele Überraschungen und Wendungen. Ihr Tempo hat mir schon bei ihren anderen Werken gefallen und dieses übernimmt sie auch in ihrem neuesten Thriller. Sie schafft es, den Leser dazu zu bringen, dass es zu einer Qual wird, das Buch auch nur einen einzigen Moment zur Seite legen zu müssen, weil man so gefesselt ist, so neugierig, wie es weiter geht.
Ganz besonders gut gefällt mir ihre Zeichnung von Faris. Er ist ein unglaublich toller Kerl, der mir total oft Leid getan hat. Er ist sowieso schon gezeichnet vom Leben und doch bekommt er ständig noch eine Ladung mehr zu seinem Päckchen, welches auf seinen Schultern lastet. Dabei kommt er allerdings keineswegs so rüber, wie die „typischen“ Ermittler, die fast alle ein Alkoholproblem und eine zerrüttete Ehe haben, sondern ist ein Unikat, deren Charakterisierung ich in dieser Form noch nicht miterlebt habe. Er ist für mich sozusagen der Prototyp der „neuen Ermittler“, den Kathrin Lange erschaffen hat und das Ergebnis konnte mich absolut überzeugen!

»Sie spürte, wie ein tief empfundenes Schluchzen sich in ihrer Brust ausbreitete.
Und ein Dichter schreibt ein Gedicht, sang sie stumm. Und es tanzt und tanzt und tanzt …
Sie korrigierte sich selbst. Das hier. Das war kein Alptraum. Es war die Hölle.«
Zitat aus: „Gotteslüge“
Ich habe schon kurz angerissen, dass der Plot in einem Affenzahn geschildert wird. Ich hatte kaum die Gelegenheit mal durchzuschnaufen und das Geschehene sacken zu lassen, da passierte auch schon das nächste, was mich absolut fassungslos gemacht hat. Das hat er jetzt nicht wirklich getan! habe ich sehr oft gedacht, mit dem Ergebnis, das er es sehr wohl getan hatte. Was Faris eben mit diesen Taten für Steine ins Rollen gebracht hat, muss man selbst erlebt haben, um in den Genuss zu kommen, z.B. eine Verfolgungsjagd der Extraklasse mitzuerleben, und so dicht bei Faris zu sein, dass einem die psychologischen Spielchen des Täters selbst völlig aus dem Tritt bringen. Dies ist übrigens der Punkt, der mich am meisten überzeugen konnte: Im Grunde genommen müsste bei Gotteslüge Psycho-Thriller auf dem Cover stehen, denn das ist dieser Roman meines Erachtens. Der Täter spielt mit der Psyche des Ermittlers um ihn mürbe zu machen. Er sagt selbst, dass jeder Mensch gebrochen werden kann, wenn man nur weiß, wie man es anstellt. Tja und das schafft er so gut, dass auch ich beim Lesen eine Gänsehaut hatte und nicht wusste, was ich denken, oder sagen sollte. Faris kann einem an der ein oder anderen Stelle wirklich Leid tun. Es ist grausam, was er alles erleiden muss!
Wie der Titel es schon sagt, handelt es sich hier u.a. auch um ein „religiöses Problem“, welches von Kathrin Lange mit viel Fingerspitzengefühl sehr gut in die Geschichte eingebracht und umgesetzt wurde. Zudem ist diese Thematik sehr nah an der Realität, was das Buch an sich für mich noch ein bisschen von anderen abgehoben hat. Natürlich ist die Geschichte im Grunde genommen fiktiv, allerdings kommt sie so realistisch rüber, dass man es schon mit der Angst zutun bekommt.
Gemein empfand ich das Ende, welches viel Platz für Spekulationen bietet, aber gleichzeitig auch die Hoffnung schürt, dass es bald einen weiteren Teil dieser Reihe geben wird. Fest steht: Falls es ihn gibt, (was ich hoffe) werde ich ihn auf jeden Fall lesen!
In Kürze:
Positiv
Kathrin Lange überzeugt durch einen fantastischen, flotten Schreibstil.
Die Spannung steigt von Seite zu Seite an.
Faris ist eine neue Art von Ermittler, und konnte mich überzeugen.
Verschiedene Perspektiven, auktorial erzählt.
Gute Identifizierung mit dem Protagonistin.
Überraschungen on mass.
Gelungenes, wenn auch gemeines, offenes Ende.
Negativ
Gar nichts!

 

Fazit:
Ich bin Dank der grandiosen und fesselnden Schreibweise von Kathrin Lange durch die Geschichte gejagt worden, ohne das ich einmal durchschnaufen konnte. Gotteslüge  lebt von einer so großen Spannung, dass man gar nicht anders kann, als es in einem Rutsch durchzulesen. Besonders gut gefallen hat mir, dass der Täter mit der Psyche des Protas spielt, was mir persönlich sehr oft eine Gänsehaut bereitet hat.
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2 Comments

  • TheReal Kaisu 19. Mai 2015 at 12:51

    Ich habe die Kritik hier nicht gelesen, nur den Inhalt, da ich mir jetzt erst Band 1 mal bestellt habe.
    Höre hier nur Lob über die Reihe und da ich denke, dass das auf jeden Fall was für mich ist, muss ich nun auch mal reinschnuppern :3

    Rückmeldung kommt, wenn ich mit Band 1 durch bin (dann zu Bd1 ) und später zu Bd2 🙂

    Reply
    • Kitty 20. Mai 2015 at 8:31

      Ich gehe auch stark davon aus, dass die Reihe was für dich sein könnte. Empfand beide Bücher als äußerst spannend. Kein Wunder also, dass sie auch beide die Höchstwertung von mir bekommen haben. Total empfehlenswert. Hoffe sehr, dass sie dich auch so begeistern können und bin schon sehr gespannt auf deine Meinung.

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