Rezension:
Julie Lawson Timmer – Fünf Tage, die uns bleiben

Posted on 18. Mai 2015 by Dörte

 432 Seiten |  Bastei Lübbe | Autorin

Mara, erfolgreiche Anwältin und liebevolle Ehefrau und Mutter, lebt seit einigen Jahren mit einer schrecklichen Gewissheit: Sie leidet an einer unheilbaren Krankheit. Um ihrem Mann und ihrer kleinen Tochter einen qualvollen Leidensweg zu ersparen und ihnen als glücklicher Mensch in Erinnerung zu bleiben, beschließt sie, sich nach dem Auftreten bestimmter Symptome das Leben zu nehmen. Nun bleiben ihr noch fünf Tage. Fünf Tage, um sich von den Menschen zu verabschieden, die sie am meisten liebt. Fünf Tage, um letzte Spuren in ihren Herzen zu hinterlassen. Fünf Tage, um für immer loszulassen …

 

Meine Meinung:
Inhalt
Als Mara die schreckliche Diagnose „Huntington“ bekommt, beginnt sich ihre Welt zu drehen. Sie steht völlig unter Schock und ist außer sich vor Angst, was diese unheilbare Krankheit aus ihr machen wird. Sie beschließt selbst entscheiden zu wollen, wann sie sich von der Welt verabschiedet und setzt sich eine Frist: Sobald die Krankheit ein bestimmtes Symptom zum Vorschein bringt, gibt sie sich noch Zeit bis zu ihrem nächsten Geburtstag. Dann will sie sich verabschieden.
Mara hat allerdings nicht damit gerechnet, dass ihr bis dahin nur noch fünf Tage bleiben. Fünf Tage, um alles zu regeln; Fünf Tage, um sich von ihrem Mann, ihrer Tochter und ihren Lieben zu verabschieden. Fünf Tage …

»Mara erzählte den Frauen, dass sie nicht so recht verstehen konnte, wieso sie eigentlich so schockiert war. Dass sie auf rationaler Ebene ja schon seit einiger Zeit wusste, dass es für ihre Symptome nur eine Erklärung geben konnte. […] Steph schenkte allen Wein nach und fasste zusammen: „Rationalität und Logik haben wohl nichts zu melden, wenn man plötzlich mit der Diagnose >unheilbar krank< klarkommen muss.“«
Zitat aus: „Fünf Tage, die uns bleiben“
Cover

Ich sehe auf dem Cover Mara mit ihrer Tochter. Sie hält sie an der Hand und verabschiedet sich von ihr, ohne dass die Kleine das überhaupt weiß. Ich finde, es passt außerordentlich gut zur Geschichte. Auch die Farben harmonisieren sehr gut miteinander und sind für mich ein wahrer Eye-Catcher.

»Sie hatte versagt. Ihr Körper hatte versagt, und die Tatsache, dass es mit Anfang vierzig passierte anstatt mit Anfang achtzig, machte es so viel schlimmer. Mara fühlte sich wie ein Dreizehnjähriger, der zum ersten Mal Kondome kauft, oder wie eine Vierzehnjährige, die einen Schwangerschaftstest braucht. Es gab ein festgelegtes Alter, in dem es in Ordnung war, bestimmte Drogerieartikel zu kaufen. Außerhalb dieser Altersgruppe war ein Kauf dieser Produkte verachtenswert und verdächtig.«
Zitat aus: „Fünf Tage, die uns bleiben“
Gesamt
In  5 Tage, die uns bleiben geht es, auch wenn der Klappentext dies sagt, nicht nur um Mara und ihre (vielleicht) letzten fünf Tage, sondern außerdem auch noch um Scott. Dieser wird bald zum ersten Mal Vater und muss sich leider in fünf Tagen von seinem Pflege-Sohn Curtis verabschieden, was ihn außerordentlich mitnimmt. Die beiden Geschichten sind auch ein bisschen miteinander verbunden, was ziemlich gut von der Autorin umgesetzt wurde.
Das Buch ist in fünf Teile aufgeteilt. Sie sind beschriftet mit „Noch fünf Tage“, „Noch vier Tage“, usw. Außerdem wechselt der auktoriale Erzähler ständig zwischen Mara und Scott. So bekommt man immer sehr gut mit, was an den einzelnen Tagen bei den beiden Protagonisten für verschiedene Dinge geschehen sind.
Die Geschichte beider Personen hat mich sehr mitgenommen und schlug mir sehr auf mein Gemüt, was bei diesem außerordentlich „schweren“ Thema allerdings auch kein Wunder ist. An manchen Stellen, die meist Mara betrafen, hatte ich das Gefühl, es würde sich irgendwer auf meinen Brustkorb setzen, und mir so die nötige Luft zum Atmen nehmen. Es war schlimm für mich zu lesen, wie Mara immer mehr abbaut, dies aber bewusst wahrnimmt. Die Krankheit hat sie zu einem komplett anderen Menschen gemacht. Ihre Karriere ist vorbei, sie ist nun Frührentnerin und dies, obwohl sie in ihrem einstigen Leben stets ein Workaholic war.

»Die Frau, die irgendwann einmal drei gute Tage im Büro bewältigen konnte, existierte plötzlich und ohne Vorwarnung nur noch in ihrer Erinnerung.«
Zitat aus: „Fünf Tage, die uns bleiben“
Dadurch, dass das Buch die ganze Zeit über auktorial erzählt wird, hat man die Gelegenheit auch die Emotionen der Nebenfiguren sehr gut vermittelt zu bekommen. Da wäre Maras Ehemann, der so zerrissen ist, es sich aber nicht anmerken lassen möchte. Er ist für seine Frau da und macht alles für sie. Er liebt Mara bedingungslos und kann nichts gegen die Krankheit machen, was ihn total fertig macht. Auch die Gefühle der Tochter werden richtig gut an den Leser gebracht. Ich konnte verstehen, wie sie sich bei einer Szene gefühlt haben muss. Auf der einen Seite beschämt, aber auf der anderen Seite mit einem schlechten Gewissen gespickt, weil sie ja weiß, dass ihre Mom krank ist und nichts dafür konnte…
Doch nicht nur Maras Geschichte hat mich zu Tränen gerührt, sondern auch die von Scott. Ich kann schwer meine eigenen Emotionen in Worte fassen, die ich beim Lesen seiner Geschichte gefühlt habe. Er ist ein so unfassbar guter Mann, so fürsorglich und selbstlos. Es hat mich schwer beeidruckt, welchen Job er betreibt, und dass er selbst weit nach seinen beruflichen Verpflichtungen für seine Schützlinge da ist. Er behandelt den kleinen Curtis wie sein eigenes Kind. Seine Verzweiflung darüber, dass er ihn bald gehen lassen muss, war für mich zum Greifen nah.
Wie ihr seht: Dies ist absolut kein leichtes Buch. Klar, es gibt auch Stellen, an denen bildlich gesprochen die Sonne scheint, allerdings wird diese stets von einem Nebel umhüllt, aus dem es kein Entrinnen zu geben scheint. Die düstere Stimmung wird zwar immer mal wieder von Szenen aus der Vergangenheit aufgelockert, allerdings machte mich dies ab und zu sogar noch trauriger, weil ich so erfahren habe, was die Protagonistin Mara alles hinter sich lassen wird, wenn sie ihren Plan wirklich in die Tat umsetzt. Allen voran wie ihre Familie darauf reagieren würde, hat mich irgendwie in ein tiefes Loch fallen lassen.
Ich muss sagen, dass ich mich bisher weder mit der Huntington Krankheit, noch mit Pflegefamilien großartig auseinander gesetzt habe. Umso besser hat mir die gute Recherche der Autorin gefallen. So habe ich beim Lesen dieses Buches sogar noch etwas gelernt, wenn ich mich mal so salopp ausdrücken darf.
Fünf Tage, die uns bleiben hat mich sehr bewegt und beschäftigt mich immer noch. Ich denke die ganze Zeit darüber nach, wie ich wohl reagieren würde. Ist es die „bessere“ Entscheidung selbst bestimmen zu können wann und vor allen Dingen wie wir aus dem Leben treten wollen, oder ist dies der falsche Weg?
In Kürze:
Positiv
Trotz auktorialer Erzählweise werden alle Emotionen sehr gut auf den Leser übertragen.
Gute Identifizierung zu beiden Protagonisten, wie auch
zu den Nebenfiguren.
Man leider an jeder Stelle mit und
denkt drüber nach, wie man selbst entscheiden würde.
Starke Charaktere, allesamt sehr gut gezeichnet.
Rückblenden in die Vergangenheit ermöglichen ein gutes Hintergrundwissen.
Die Autorin hat gute Recherche betrieben.
Negativ
Gar nichts!

 

Fazit:
Ich bin absolut begeistert und immer noch hin und weg von dieser Geschichte. Sie hat mich zutiefst berührt und in Tränen aufgelöst zurückgelassen. Für mich ist dieses Buch etwas ganz Besonderes. Absolute Leseempfehlung!
                            Kitty 
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12 Comments

  • TheReal Kaisu 18. Mai 2015 at 12:10

    Scheint grad so ein "Trend" zu sein, solche Bücher auf den Markt zu bringen … Klingt nicht schlecht, werd ich aber nicht lesen 😉

    Reply
    • Kitty 19. Mai 2015 at 9:48

      Ja es scheint wirklich ein Trend zu sein. Einer, den ich extrem gut finde, denn ich steh ja total auf solche Geschichten. :-O
      Obwohl es wirklich hervorragend ist, glaube ich aber auch nicht, dass es in dein Beuteschema passt. :-O

      Reply
    • TheReal Kaisu 19. Mai 2015 at 12:48

      Danke für die Bestätigung :3

      Reply
    • Kitty 20. Mai 2015 at 8:26

      Gerne doch. :-O

      Reply
  • Martinas Welt 18. Mai 2015 at 16:45

    Das hört sich sehr gut an….wenn auch sehr traurig. Und ich muss Real Kaisu zustimmen mit dem Trend….aber das gibt es ja immer wieder 😉
    Liebe Grüße
    Martina

    Reply
    • Kitty 19. Mai 2015 at 9:50

      Es ist auch verdammt traurig und zwar das gesamte Buch über. 🙁 Aber es hat mir dennoch sehr gut gefallen, weil es eben zu dem Thema passt. Ich glaube, ich hätte die Geschichte nicht "ernst" nehmen können, wäre es nicht so traurig gewesen.
      Hoffentlich bleibt der Trend noch ne Weile erhalten, denn ich mag solche Bücher echt verdammt gerne. 🙂
      GlG
      Kitty ♥

      Reply
  • Lottasbuecher 21. Mai 2015 at 17:11

    Hallöchen meine Liebe,
    ich bin ja gerade dabei das Buch zu lesen und auch hier habe ich erstmal nicht gelesen, was du geschrieben hast, weil ich mich nciht von dir beeinflussen lassen möchte. :b Ich habe noch gut 150 Seiten vor mir und bin gespannt was jetzt noch kommen wird. Ich mag es bisher sehr gerne, es ist mir nur manchmal einfach zu lang.. so viele Wiederholungen. Das kann ganz schön nerven. 🙁

    Liebst, Lotta

    Reply
    • Kitty 27. Mai 2015 at 13:06

      Echt? Ich empfand es weder als zu lang, noch sind mir viele Wiederholungen aufgefallen. Aber da bin ich ja mal auf deine Rezi gespannt. Vielleicht fällt mir ja das ein oder andere auf, was mir beim Lesen durch die Lappen gegangen ist?
      GlG
      Kitty ♥

      Reply
  • Anonym 14. Juni 2015 at 16:24

    Hallo Kitty,
    Ich habe gerade das Buch zu Ende gelesen und ich fand es sehr fesselnd.
    Immer wieder habe ich gehofft, dass Mara ihre Meinung vielleicht doch noch ändert und dass Scott Curtis doch noch länger erhalten bleibt, als nur ein Jahr.
    Und Julie Lawson Timmer hat es wirklich gut geschafft die Gefühle der Personen zu vermitteln.
    Zwischendurch war ich immer wieder den Tränen nahe, doch wirklich kamen mir erst Tränen, als ich mir die Briefe von Mara an Tom und Laks durch gelesen habe.
    Das Buch war wirklich schön und traurig zu gleich.
    LG Lea

    Reply
    • Kitty 15. Juni 2015 at 17:43

      Das habe ich auch die ganze Zeit gehofft.
      Es freut mich total, dass dich das Buch genau so überzeugen konnte, wie mich. 🙂 Es sollte echt mehr solcher besonderen Exemplare geben. 🙂
      GlG
      Kitty ♥

      Reply
  • Janine B. 15. August 2015 at 22:07

    Grüß' dich liebe Kitty!

    Ich habe dieses Buch vor kurzem erst beendet und auch rezensiert. 🙂 Was soll ich sagen, wenn ich deine Rezension hier lese? – Mir ging es wirklich ganz genauso wie dir! Ich bin SO begeistert von dem Buch. Die beiden Erzählstränge mit Mara und Scott fand ich auch sehr gelungen, da das Buch so nicht nur etwas Trauriges, sondern auch einen hoffnungsfrohen, schönen Part hatte.
    Die Zitate hast du auch sehr schön ausgewählt, muss ich sagen. Eines davon, bzw. einen Teil davon, habe ich auch in meiner Rezension.
    Bei Laurie (Scotts Frau) habe ich mir schon gedacht, was denn bitte mit ihr los ist? Sie kann doch niemandem weismachen wollen, dass sie Curtis ja so lieb hat und dann aber strikt dagegen sein, wenn es heißt, dass er für immer bei ihnen leben soll. Was hat sie erwartet? Das Kinder immer einfach sind? Umso schöner fand ich es dann, dass sie letzten Endes mit dieser Überraschung aufgewartet ist. Das war einfach nur schön und ich habe mich so gefreut – für Scott und Curtis. 🙂

    Ich sag dir, ich habe ja schon ziemlich lange bei keinem Buch mehr geweint, aber hier habe ich am Ende wirklich Rotz und Wasser geheult, als ich die Briefe von Mara an ihren Mann und ihre Tochter Laks gelesen habe. Und vor allem die Situation am Ende mit Mara und ihrem Mann, als sie beschreibt, dass er das ist: der perfekte letzte gemeinsame Moment. – Da sind sie zum ersten Mal gekommen, meine Tränen … und gerade eben tun sie das wieder. Meine Güte ist das traurig. :'-(

    Ich habe deine Rezension in meiner mitverlinkt, ich hoffe, das ist in Ordnung für dich?
    http://janine2610.blogspot.co.at/2015/08/rezension-funf-tage-die-uns-bleiben.html

    Alles Liebe ♥,
    Janine

    P.S.: Du hast in deinem Absatz "Gesamt" in der 7. Zeile "Mara und Jonas" geschrieben. Ich kann mich aber an keinen Jonas in dem Buch erinnern. Ich glaube, du meinst Scott, oder? 😉

    Reply
    • Kitty 22. August 2015 at 11:08

      Erst mal: Ja, es ist natürlich in Ordnung, dass du meine Rezi verlinkt hast. Vielen Dank dafür. 🙂
      Ich kann deine Meinung total nachvollziehen. Mir ging es mit der Frau von Scott genau so. Die war so widersprüchlich.. Aber das Ende war dann einfach nur brillant, nicht?
      Ich habe auch Rotz und Wasser geheult. Es war eben alles so berührend und emotional und da ich ja eh so ein Sensibelchen bin, konnte ich nicht anders.

      Danke für den Hinweis! Da hat sich der Fehlerteufel eingeschlichen, der aber gleich behoben wird. Ich hatte vorher ein Buch gelesen, in dem der Prota Jonas heißt, tja, da bin ich wohl durcheinander gekommen. :-O
      GlG
      Kitty ♥

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