Rezension:
Lucy Clarke – Der Sommer, in dem es zu schneien begann

Posted on 12. April 2015 by Dörte

 Piper | Autorin
Abrupter kann das Schicksal kaum zuschlagen: Als Eva nur wenige Monate nach der Hochzeit ihren Mann durch einen Unfall auf See verliert, erstarrt sie vor Schmerz. Ihr gerade erst begonnenes Leben als glückliche Ehefrau soll schon zu Ende sein? Eva fühlt sich völlig allein in ihrer Trauer und reist nach Tasmanien, um Trost bei Jacksons Angehörigen zu finden. Doch so bezaubernd die australische Insel ist, so abweisend verhält sich Jacksons Familie. Warum nur wollen sein Vater und sein Bruder partout nicht über ihn sprechen? Auf Eva warten schockierende Wahrheiten, die sie zu einem schicksalhaften Sommer in der Vergangenheit führen – dem Sommer, in dem es zu schneien begann.

 

 

Eva ist
eine emotionale Frau. Sie ist natürlich am Boden zerstört, als Jackson sie alleine zurück lässt. Doch selbst in ihrer Trauer besitzt sie eine unfassbar starke Persönlichkeit. Wenn ich zurück blicke und darüber nachdenke, was sie alles erlebt und erleiden muss, ziehe ich meinen Hut vor ihr. Alle anderen wären an all dem sicherlich zerbrochen.
Jackson wirkte auf mich ein bisschen undurchschaubar. Auf der einen Seite merkt man, wie sehr er Eva geliebt hat, aber auf der anderen Seite wollte und konnte ich ihm das auch nicht glauben. Je mehr aus seiner Vergangenheit ans Licht kommt, umso erschütteter war ich…
Saul ist Jacksons Bruder, zu dem er zu Lebzeiten kein gutes Verhältnis mehr hatte. Die Hintergründe werden im Laufe der Geschichte geklärt.
In den vergangenen Wochen hat sie viel über Einsamkeit gelernt. Einsamkeit hat nicht in erster Linie mit abgelegten Orten oder Mangel an Kontakten zu tun – es ist eher das Gefühl, dass etwas aus dir herausgeschnitten wird.
Emotionen werden in diesem Roman sehr, sehr groß geschrieben. Schon am Anfang sind sie so präsent, dass ich erst einmal kurz durchatmen musste. Gleich zu Beginn erleben wir, wie glücklich Eva und Jackson miteinander sind. Lucy Clark hat ihren Roman für mich so bildlich geschrieben, dass ich das Gefühl hatte, mich ständig in Evas Nähe zu befinden. Zudem identifizierte ich mich sogleich mit der Protagonistin, was ihr Gefühlschaos stets auf mich übertrug. Ich habe mit ihr geweint, als klar war, dass Jackson in den Fluten sein Leben gelassen hat und habe mit ihr gelacht, wenn sie zusammen mit ihrer besten Freundin einen über den Durst getrunken hat. Kurz gesagt: Eva und ich waren Eins.
Die Autorin versteht es, mit den Emotionen zu spielen. Ist man im ersten Moment noch himmelhochjauchzend, schwebt man im Nächsten über den Abgrund und hat Angst abzustürzen. Jegliches Gefühl kam mit voller Wucht bei mir an und hat mich in den Magen geboxt. Dadurch, dass dieser Roman schon ein ziemlich ernstes Thema behandelt, wurde an diesen tiefen Gefühlen natürlich nicht gespart. Ich habe Eva einfach alles abgenommen. Was sie getan hat, was sie sagte, einfach alles. Wenn sie weinte, wusste und verstand ich warum. War sie wütend, war ich mit ihr zusammen wütend. Sie besitzt eine sehr starke Persönlichkeit und ist sogleich doch so verletzlich und innerlich zerrissen. Ich mag es total, wie sie von der Autorin gezeichnet wurde: Nicht zu grell, sondern mit dem richtigen Maß an Farbe und nicht zu glatt, sondern mit Ecken und Kanten. Eva ist für mich die liebe Person von Nebenan, mit der ich gerne befreundet wäre.

 

Auch die Nebenfiguren haben genug Farbe abbekommen.
Um nur einen zu nennen, möchte ich da Saul, Jacksons Bruder, besonders hervorheben, denn er ist es, der sich in Tasmanien um Eva kümmert. Zwar sperrt er sich am Anfang noch dagegen sie zu akzeptieren, oder sie gar zu mögen, doch irgendwann sieht er alles mit anderen Augen.
Der Aufbau des Buches hat mir ebenso gut gefallen: Die gesamte Geschichte wird von Eva erzählt. Dabei bedient sich Lucy Clark an der auktorialen Erzählweise. Außerdem werden ab und zu zwischen den Kapiteln noch Absätze von Jackson eingebettet, die ein bisschen mehr von ihm preisgeben. Zu einem besseren Verständnis, wer gerade der Erzähler ist, sind Jacksons Absätze kursiv geschrieben worden.
Am Anfang hatte ich ehrlich gesagt noch Bedenken, ob es so gut ist, wenn man bei einer solchen Geschichte den auktorialen Erzähler wählt, denn ich habe die Erfahrung gemacht, dass so die Emotionen bei mir nicht so ankommen, als wenn alles auch der Ich-Perspektive erzählt wird. Doch wie man weiter oben in dieser Rezension schon lesen konnte, wurde ich positiv überrascht.

 

Nichts zu bemängeln
Lucy Clarks Recherche wirkt sich positiv auf das Buch aus, denn das Setting ist einfach traumhaft beschrieben. Sehr oft habe ich auf dem Sofa gelegen und mich an den tasmanischen Strand geträumt, der einfach wunderschön sein muss. Dass die Autorin eigens für das Setting höchstpersönlich nach Australien gereist ist, merkt man an ihrer Beschreibung der Umgebungen total. Ich hatte ständig einen Film vor Augen mit den Szenen, die ich gerade in ihrem Roman gelesen hatte.
Erwähnenswert ist auch unbedingt die Tatsache, dass ich „Der Sommer, in dem es zu schneien begann“ niemals an den Haaren herbei gezogen, oder gar kitschig fand. Die Autorin hat wirklich einen sehr guten Mittelweg gefunden, um alles realistisch und keinesfalls zu sehr überspitzt darzustellen.
Zu dieser ganzen Lobhudelei meinerseits ist auch noch eine gewisse Spannung vorhanden, die sich gleichmäßig durch das gesamte Buch zieht. Am Anfang möchte man unbedingt wissen, was Jacksons Geheimnis gewesen ist. Hat man dieses erfahren, spitzen sich die Ereignisse sogar noch zu und man klebt wie ein Magnet an der Geschichte fest, weil man es nicht glauben kann, was sich zuträgt und unbedingt erfahren möchte, wie das alles ausgehen wird.
Das Ende fand ich rundum gelungen. Es ist nicht zu plötzlich, nicht vorhersehbar und beinhaltet noch Platz für Spekulationen.
Für mich ist „Der Sommer, in dem es zu schneien begann“ ein absolut empfehlenswertes Buch.
Trauer ist etwas Physisches, denkt sie. Es ist, als würde ihr Körper von innen her aufgefressen, Schicht um Schicht, bis sie vollständig ausgehöhlt sein wird. Sie legt den Kopf auf Jacksons Kissen und atmet mit ihrem Schluchzen den fernen Duft seiner Haut ein.
Mit „Der Sommer, in dem es zu schneien begann“ hat Lucy Clark einmal mehr bewiesen, was für eine großartige Autorin sie ist. Sie schreibt mit viel Herz und überträgt die Emotionen der Protagonisten auf den Leser. Für mich ist dieses neues Werk von ihr ein Highlight!
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8 Comments

  • Nadine Reich 13. April 2015 at 13:46

    Super Rezension 🙂 Mir gefällt total wie du deine Rezensionen strukturierst!
    Da ich das Buch auch bald lese bin ich froh, dass es dir so gut gefallen hat 🙂

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    • Kitty 14. April 2015 at 9:56

      Dankeschön für deine lieben Worte. Das freut mich sehr. 🙂
      Ich hoffe, dir wird das Buch genau so gut gefallen, wie mir. Ganz viel Spaß damit. 🙂
      GlG
      Kitty ♥

      Reply
  • Lottasbuecher 13. April 2015 at 19:22

    Hallöchen liebste Kitty,
    ich weiß nicht ob ich das Buch lesen soll. x: Du hattest mir zwar schon vor einer Weile gesagt, dass es toll war, aber irgendwie kann ich mich nicht durchringen. D: Meine Beste hat es gelesen und gemeint, dass es ganz nett war aber mehr irgendwie auch nicht. Ich weiß nicht.. und ich habe so viele Bücher, die gelesen werden müssen.. wahrscheinlich wird dieses bei mir hinten runter fallen.. o:
    Ganz großes Lob: Das Kätzchen links unten ist weg 😀 Die Blümchen gefallen mir seeehr gut und auch das Pfötchen auf der rechten Seite! 😀

    Liebst, Lotta

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    • Kitty 14. April 2015 at 9:59

      Oh nein. Bloß nicht! Ich bin mir sicher, dass es dir auch gefallen würde, wenn du es liest. Also vielleicht doch eine Chance geben? Du verpasst was. Ehrlich. :-O
      Ich wollte meinen Blog der Jahreszeit anpassen, deswegen ist es jetzt wieder heller hier. Und dadurch, dass ich die Blumen jetzt im Hintergrund habe, hat die Katze einfach nicht mehr gepasst. War ein bisschen viel da unten in der Ecke, also habe ich sie schweren Herzens gelöscht. :-O Und das Pfötchen rechts habe ich schon ewig.
      Freut mich sehr, das es dir gefällt. Mir auch. 🙂
      GlG
      Kitty ♥

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  • Nicole Wagner 15. April 2015 at 14:50

    Hallo Kitty,

    jetzt machst du mich aber neugierig, schon allein den Titel finde ich ja interessant. Ich schaue es mir näher an, bei so einer begeisterten Rezension bleibt mir nichts andres übrig.

    Liebe Grüße,
    Nicole

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    • Kitty 17. April 2015 at 11:01

      Es freut mich sehr, dass ich dich ein bisschen neugierig auf das Buch machen konnte. 🙂 Es ist es auf jeden Fall wert, mal näher angeschaut zu werden. 🙂
      GlG
      Kitty ♥

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  • SabrinasLeseträume 1. Mai 2015 at 17:56

    Hallo Kitty,

    eine tolle Rezension und jetzt hast du mich noch viel neugieriger auf das Buch gemacht… ahhh mein SuB ist doch eh so groß. Wie fies ist das denn 😉
    Nein, ich finde es schön, dass dir das Buch so gut gefallen hat und werde wohl deinem Tipp folgen und es mir auch demnächst zulegen.

    Liebe Grüße und ein Däumchen auf FB
    Sabrina von
    sabrinaslesetraeume.wordpress.com

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    • Kitty 2. Mai 2015 at 11:12

      Danke schön. 🙂
      Ach weißt du, wenn du schon einen so großen SuB hast, dann kommt es doch auf ein Buch mehr oder weniger auch nicht mehr an. :-O Außerdem ist dieser Titel so toll, dass er erst gar nicht auf dem Stapel landet, weil du ihn gleich lesen wirst. :-O
      Nein, mal im Ernst: Es lohnt sich wirklich dieses Buch bei dir einziehen zu lassen. Es ist großartig. ♥
      GlG und danke für das Däumchen 🙂
      Kitty ♥

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