Rezension:
Nathan Filer – Nachruf auf den Mond

Posted on 7. März 2015 by Dörte

Verlag: Knaur.
Autor: Website
320 Seiten

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Klappentext:

»Ich werde Ihnen erzählen, was passiert ist, denn bei der Gelegenheit kann ich Ihnen meinen Bruder vorstellen. Er heißt Simon. Ich glaube, Sie werden ihn mögen. Wirklich. Doch in ein paar Seiten wird er tot sein. Danach war er nie mehr derselbe.«Matthew Homes ist ein begnadeter Erzähler, und Patient der Psychiatrischen Klinik in Bristol. Um dort dem trostlosen Alltag zu entfliehen, schreibt er seine Geschichte auf – und die seines Bruders Simon, der im Alter von elf Jahren während des Campingurlaubs in Cornwall starb. Selbst nach zehn Jahren gibt sich Matthew immer noch die Schuld am Unfalltod seines Bruders. Doch eigentlich ist Simon für ihn gar nicht tot – und Matthew auch kein gewöhnlicher 19-Jähriger. Matthew leidet an Schizophrenie …

 

Meine Meinung:
Inhalt
Matt gibt sich selbst die Schuld am Tod seines Bruders. Er ist untröstlich und zieht sich immer mehr zurück. Ebenso verweigert er es seine Medikamente zu nehmen, denn dann ist Simon wieder bei ihm, redet und spielt mit ihm.
Matthew ist ein begnadeter Zeichner und schreibt sehr gerne Geschichten. Mit einer alten Schreibmaschine bringt er seine eigene zu Papier. Nichts wird dabei verschleiert, sondern alles ausgebreitet. Er erzählt von seiner Zeit in einer Klinik und auch, wie es mit ihm, Simon und seiner Krankheit weiter geht.

Wir sind egoistisch, meine Krankheit und ich. Wir denken nur an uns. Wir biegen uns die Wirklichkeit zurecht, um Botschaften zu empfangen, geflüsterte Geheimnisse, die nur für uns bestimmt sind.
Zitat aus: „Nachruf auf den Mond“

Cover
Das Cover ist einfach hinreißend, Das Blau erinnert mich an den Himmel, die Ameise  auf der Erde passt richtig gut zu Matts Vorhaben eine Ameisenfarm für seinen Bruder zu bauen und natürlich ist hier auch der Mond zu sehen, der eine so große Bedeutung in dieser Geschichte hat. Ich assoziiere mit der Leiter zum Mond die Tatsache, das Matt mit seinem Bruder spricht, denkt, ihn immer noch um sich zu haben. Er ist immer für ihn erreichbar, auch wenn er jetzt näher am Mond, als an der Erde ist.

 

Ich weiß noch, wie ich mit den Fingerspitzen über die Buchrücken fuhr und im Licht der Stehlampe die Autorennamen zu entziffern versuchte. Ich spielte ein Spiel: Ich stellte mir vor, dass der Name auf dem Buchrücken nicht zu der Person gehörte, die das Buch geschrieben hatte, sondern zu derjenigen, der es gewidmet war. Ich stellte mir vor, dass jeder Mensch auf Erden ein eigenes Buch hat und dass ich meines, wenn ich nur lange genug suchte, finden würde.
Zitat aus: „Nachruf auf den Mond“

Gesamt
Es fällt mir nicht leicht, dieses Buch zu rezensieren, weil ich schlicht Angst habe, mit meiner Meinung dem Buch nicht gerecht werden zu können. Die Geschichte kreist noch immer durch meinen Kopf und dies, obwohl ich es bereits vor einer Woche gelesen habe. Ich habe selbst jetzt noch das Echo in meinem Kopf, welches laut nachhallt.
Aber mal von vorne. In „Nachruf auf den Mond“ geht es um Matthew, kurz Matt, der, wie schon in der Kurzbeschreibung angegeben ist, unter Schizophrenie leidet und seinen Bruder Simon schmerzlich vermisst.
Dieses doch sehr sensible Thema hat Nathan Filer auf eine sehr behutsame Art umgesetzt. Matt erzählt uns selbst seine Geschichte in der Ich-Form und nimmt dabei kein Blatt vor den Mund. Man erkennt als Leser schnell, wie lebendig und echt seine Geschichte rüber kommt und hat sehr oft Mitleid mit dem Protagonisten. Man ist sehr nah an ihm dran, eben mit ihm verbunden. Alles, was er schreibt, zeigt seine innersten Gefühle, die er vor anderen eigentlich sehr gerne verbirgt. Das Besondere an der Erzählung ist für mich, dass ich selbst manchmal durcheinander war, weil Matt durch seine Krankheit sehr wirr schreibt. Er wiederholt sich, schreibt manche Absätze noch mal, verändert sie und doch bleibt der Kern dessen, was er geäußert hat, meist derselbe. Zudem springt er ständig in der Zeit und erzählt seine Geschichte in einem Tempo, welches er selbst bestimmt. Dies hört sich für alle, die das Buch noch nicht gelesen haben, vielleicht ein bisschen abschreckend an, doch das ist es wirklich keineswegs. Eher im Gegenteil: Gerade weil er so schreibt, ist der Protagonist für mich absolut authentisch. Matt kann eben nicht so sein, nicht so denken, und nicht so fühlen wie jemand, der kerngesund ist, denn er leidet nun mal an Schizophrenie. Diese Tatsache wurde von dem Autor wirklich fabelhaft umgesetzt. Dieses Durcheinander, welches Matt in sich trägt, hat er auf mich übertragen. Ich konnte mich sehr gut mit ihm identifizieren und dies, obwohl ich keinerlei „Erfahrungen“ mit Schizophrenie gemacht habe, noch jemanden kenne, der unter dieser Krankheit leidet.
Besonders gefällt mir, dass Matt, während er mir seine Geschichte erzählt, mich selbst anspricht. Schon der Anfang des Romans:

»Ich werde Ihnen erzählen, was passiert ist, denn bei der Gelegenheit kann ich Ihnen meinen Bruder vorstellen. Er heißt Simon. Ich glaube, Sie werden ihn mögen. Wirklich. Doch in ein paar Seiten wird er tot sein. Danach war er nie mehr derselbe.«
Zitat aus: „Nachruf auf den Mond“

richtet sich direkt an den Leser und macht einfach neugierig auf das, was wohl noch kommen mag. Dieses persönliche Ansprechen zieht sich wie ein roter Faden durch den gesamten Roman und sorgt für eine ziemlich starke Bindung zu Matt. Ich hatte während des Lesens das Gefühl, dass ich ihm seine gesamten Zettel aus der Hand genommen habe, um sie zu lesen. So persönlich wirkt „Nachruf auf den Mond“.
Wie man unschwer erkennen kann, hat mich dieser Roman komplett überzeugt, doch nicht nur der Inhalt ist einfach wundervoll, auch die Gestaltung ist fabelhaft. Da Matt seine Geschichte schreibt, wann immer er die Zeit dazu findet, variiert z.B. die Schriftart. Am Computer geschrieben ist diese anders, als wenn er an seiner Schreibmaschine sitzt und seine Worte zu Papier bringt. Außerdem wurden kleine Zeichnungen, die er u.a. in der Klinik anfertigt, mit in die einzelnen Kapitel eingebettet, was mir ebenfalls außerordentlich gut gefallen hat.

 

In Kürze:
Positiv
Der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen.
Die gesamte Geschichte wird aus der Sicht von Matt in der Ich-Form erzählt.
Gute Einblicke in die Krankheit.
Emotionale Abschnitte, die mich absolut erreicht haben.
Das Buch hallt sehr lange nach und
hat mich zum Nachdenken gebracht.
Die Zeichnungen, die Matt in der Geschichte anfertigt, sind auch abgedruckt.
Die Schriftart wechselt von Schreibmaschine, zu Computer – Je nachdem, womit der Protagonist gerade schreibt.
Es wirkte für mich alles sehr echt und aus dem Leben gegriffen.
Ein unfassbar tiefsinniger Roman
Negativ
Hier gibt es nichts Negatives zu berichten.
Fazit:
Ich habe viel erwartet und mehr bekommen. Das Buch regt zum Nachdenken an und geht sehr zu Herzen. Es hat mich berührt, ist sehr tiefsinnig und für mich somit ein absolutes Prachtexemplar.
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12 Comments

  • Fiorella Caravagh 7. März 2015 at 20:48

    Hey
    Ich habe das Buch als rezi Exemplar bekommen aber es hatte mich nicht wirklich angesprochen.
    Aber dank deiner Rezension bin ich nun doch neugierig.
    Liebe Grüße
    Fiorella

    Reply
    • Kitty 9. März 2015 at 12:56

      Dann habe ich mein Ziel ja erreicht. :-O Ich wünsche dir genau so viel Spaß dabei, wie ich es hatte, wenn man das bei diesem Thema überhaupt sagen kann. :-O
      GlG
      Kitty ♥

      Reply
  • Elas Büchertruhe 8. März 2015 at 6:52

    Hi,
    danke für die tolle Rezension!
    Du machst richtig Lust darauf, dass Buch zu lesen 🙂
    LG Ela

    Reply
    • Kitty 9. März 2015 at 12:58

      Das ist mein Plan gewesen, liebe Ela. Es sollte wirklich jeder lesen, denn es ist einfach großartig und wenn man es nicht kennt, hat man eindeutig was verpasst, wie ich finde. 🙂
      GlG
      Kitty ♥

      Reply
  • Jacqueline Szymanski 8. März 2015 at 11:35

    Huhu 🙂
    Ich lese es gerade, und bis jetzt kann ich dir nur zustimmen 🙂 Tolle Rezi 🙂

    Liebe Grüße
    Jacqueline

    Reply
    • Kitty 9. März 2015 at 13:02

      Dankeschön.
      Freut mich, dass es dir auch gefällt. 🙂
      GlG
      Kitty ♥

      Reply
  • Lottasbuecher 22. März 2015 at 20:06

    Hallöchen liebste Kitty,
    ich muss sagen, dass ich beim Lesen manchmal einfach viel zu verwirrt war um das Ganze wirklich zu genießen. Aber im Endeffekt ist das Buch absolut authentisch. Ich habe schon mehr als einmal mit Schizophrenen zusammengearbeitet und diese wirren Gedankengänge, das Springen von einem zum anderen. Das ist alles so typisch. Ich bin wirklich froh, dass ich das Buch gelesen habe und es noch ein wenig habe wirken lassen.
    Habe dich in meiner Rezi verlinkt :*

    Liebst, Lotta

    Reply
    • Kitty 24. März 2015 at 13:09

      Am Anfang war ich auch ein bisschen verwirrt, aber als ich mich erstmal an den Schreibstil gewöhnt hatte, wurde es immer besser.
      Ich konnte es auch nicht gleich rezensieren. Es hat ne ganze Woche gedauert, bis ich es hatte sacken lassen. Mir sind vorher einfach nicht die richtigen Worte eingefallen. Aber jetzt bin ich mit dem Ergebnis doch recht zufrieden. 🙂
      GlG
      Kitty ♥

      Reply
  • j125 6. April 2015 at 8:37

    Hey,

    der Klappentext liest sich echt gut, Schizophrenie ist ein interessantes Thema.

    Wooooow. Das Zitat mit der Buchwidmung ist richtig schön. Mir könnte auch mal jemand ein Buch widmen. Aber ich fürchte, wenn überhaupt, werde ich eins jemandem widmen 😀

    Ich mag das ja total gern wenn man mit Schriftarten spielt (wenns sinnvoll ist) und auch sonst kleine Abwechslungen geboten werden.

    Danke für diese tolle Buchempfehlung, es wandert auf jeden Fall auf meine Wunschliste!

    Reply
    • Kitty 7. April 2015 at 13:54

      Fand ich auch. Deswegen musste ich das Buch auch unbedingt haben. Habe bis dahin noch nie ein Buch über das Thema gelesen.
      Stimmt, ich denke, mir wird wohl auch nie ein Buch gewidmet werden, eher widme ich es jemandem. :-O
      Ich mag es ebenfalls sehr, wenn der Aufbau sich von anderen Büchern abhebt und das ist hier absolut der Fall. Die verschiedenen Schriftarten haben mir echt gut gefallen.
      Freut mich, dass ich dich überzeugen konnte, dieses Buch auf deine WuLi zu setzen. 🙂 Bin schon gespannt, wann es bei dir einzieht und wann du es lesen wirst.
      GlG
      Kitty ♥

      Reply
  • Nicole Wagner 20. Mai 2015 at 5:54

    Hallo Kitty,

    eine sehr schöne Rezension! Da wäre mir fast dieses Buch durchgerutscht, weil es mich anfangs überhaupt nicht interessiert hat und ich mir auch die Rezensionen dazu gar nicht erst angesehen habe. Eindeutig! Es ist ein Must-Read.

    Liebe Grüße,
    Nicole

    Reply
    • Kitty 27. Mai 2015 at 13:04

      Danke, Liebes. 🙂
      Die Rezi ist mir total schwer gefallen und ich habe sie auch zig mal umgeschrieben, weil ich damit einfach nicht zufrieden war. Es wäre wirklich schade, wäre dir das Buch durch die Lappen gegangen. Ich finde, es ist was völlig anderes, aber nicht anders schlecht, sondern anders besonders.
      GlG
      Kitty ♥

      Reply

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