Rezension
Anna McPartlin – Die letzten Tage von Rabbit Hayes

Posted on 17. März 2015 by Dörte

 

 

 

Stell dir vor, du hast nur noch neun Tage. Neun Tage, um über die Flüche deiner Mutter zu lachen. Um die Hand deines Vaters zu halten (wenn er dich lässt). Und deiner Schwester durch ihr Familienchaos zu helfen. Um deinem Bruder den Weg zurück in die Familie zu bahnen. Nur neun Tage, um Abschied zu nehmen von deiner Tochter, die noch nicht weiß, dass du nun gehen wirst …

 

 

 

 

 

Grace und Davey waren entsetzt. Grace war sechsundvierzig und ihr Bruder vierundvierzig Jahre alt, doch auf einmal waren sie nur noch hilflose Kinder am Bett ihrer kleinen Schwester, die nicht wussten, was sie sagen sollte, und verzweifelt darauf hofften, dass ihre Mama alles wiedergutmachte.

 

 

Rabbit ist untröstlich, dass sie unfreiwillig die Welt früher verlassen muss, als sie sich das vorgestellt hatte. Trotz ihrer unheilbaren Krankheit ist sie sehr stark und setzt alles daran, dass es ihrer Tochter, auch nach ihrem Tod, gut gehen wird.
Molly ist Rabbits Mutter und der Titan in der Familie Hayes. Sie kämpft wie eine Löwin um ihre Familie und geht dabei keinerlei Diskussionen aus dem Weg.
Jack, das männliche Oberhaupt der Familie wäre sehr gerne so stark wie seine Frau, doch er ist ein so emotionaler Mensch, dass er sich gern von seinen Gefühlen leiten lässt. Es macht ihn tot unglücklich seiner Tochter beim Sterben zuschauen zu müssen.
Juliet ist die 12-Jährige Tochter von Rabbit. Sie ist schon sehr reif und erwachsen für ihr Alter und würde alles tun, damit ihre Mom sie nicht verlässt.
„Und wenn wir das Auto einfach ins Meer steuern?“, sagte Molly plötzlich, als könnt sie Gedanken lesen. „Das wäre zwar den Kindern gegenüber unfair, aber wenigstens würden wir dann zuerst gehen, so wie es die Scheißnatur vorgesehen hat.“
Das Buch ist in neun Teile aufgeteilt. Tag Eins, bis Tag Neun. Zwischen diesen Teilen wird immer mal wieder eine Seite aus Rabbits Blog eingefügt, die ihre Gefühle beschreibt und zeigt, wie sie gerade mit ihrer Krankheit lebt. Da diese Blogeinträge in der Ich-Form geschrieben sind, sind die Schmerzen und Emotionen, die die Protagonistin empfindet für den Leser förmlich zu greifen.
Die restliche Geschichte wird immer mal wieder auktorial aus einer anderen Sicht erzählt. Man sollte meinen, dass durch diese Erzählweise vielleicht die Emotionen, die bei einem solchen Thema sehr relevant sind, vielleicht nicht den Leser erreichen, doch dies ist der Autorin vorzüglich gelungen.
Schon zu Beginn wird man zu einem Teil der Familie Hayes und fiebert mit. Man leidet, lacht und hat das Gefühl selbst mit Rabbit befreundet zu sein. Die Aussicht auf ihren Tod nimmt einen so das ganze Buch über mit.
Anna McPartlin erzählt Rabbits Geschichte mit vielen liebevoll gezeichneten Charakteren, die alle ihre Stärken, sowie ihre Schwächen haben. Besonders hervorheben möchte ich hier Rabbits 12-Jährige Tochter Juliet, die in ihren jungen Jahren schon so viel mitmachen musste und doch niemals daran zerbrochen, sondern eher gestärkt daraus hervorgegangen ist. Für ihr Alter ist sie unglaublich reif, aber dennoch natürlich immens verletzlich. Ich musste oft weinen, wenn die Erzählung aus ihrer Sicht weiter ging, denn es ging mir sehr zu Herzen:
Alles wird gut. Kyle ist nur ein dummer Junge. Er hat keine Ahnung. Bitte, werde wieder gesund, Ma. Bitte, bitte, verlass mich nicht. Ich bessere mich. Versprochen. Ich kümmere mich darum, dass dir nie wieder etwas Schlimmes passiert. Ich verspreche es. Ich schwöre es. Bitte, bitte, bleib bei mir!
Die Gedanken der einzelnen Protagonisten, hier Juliet, werden in kursiver Schrift hervorgehoben und in der Ich-Form erzählt. So bekommt man sämtliche Emotionen mit aller Macht am eigenen Leib zu spüren und zwar von jedem einzelnen Charakter.
Ich musste das Buch häufiger mal zur Seite legen, weil ich durch meinen Tränenschleier schlicht nichts mehr sehen konnte. Hatte ich mich gerade wieder beruhigt und über eine Stelle gelacht, in der Molly, Rabbits Mutter, mal wieder in ein Fettnäpfchen getreten war, wird auf der nächsten Seite erzählt, wie schlecht Jack, Rabbits Vater mit der Situation umgehen kann. Seine Verzweiflung hat mich mürbe gemacht. Ich hätte ihn, so wie alle anderen Charaktere so gern getröstet, aber selbst, wenn ich die Möglichkeit dazu gehabt hätte – Ich hätte nicht die richtigen Worte gefunden.
„Die letzten Tage der Rabbit Hayes“ ist ein Buch, welches den Leser sehr mitnimmt. Ich selbst habe eine Achterbahnfahrt der Gefühle hinter mir, bei der es wirklich heftig zur Sache ging. Zwar ist im gesamten Buch auch immer mal wieder eine Szene, in der man aus dem Schmunzeln nicht mehr raus kommt, doch diese werden grundsätzlich von der bedrückenden Stimmung von dem nahen Tod der Protagonistin überschattet. Sie schwebte quasi wie ein Damoklesschwert ständig über den einzelnen Charakteren und auch über mir selbst.
Was mir sehr gut gefallen hat ist, dass immer mal wieder in der Zeit gesprungen wird. So erfahren wir von Rabbits Jugendliebe Johnny und noch vieles mehr, was die Geschwister in ihrer Jugend so getrieben haben. Man merkt, wie nah sich die Familie steht, wie sie in dieser Situation zusammenhalten und wie sie sich gegenseitig Trost spenden.
Das Buch ist aus dem Leben gegriffen. Es wirkte auf mich äußerst realistisch und ist voller positiver und negativer Emotionen. Ich habe bis zuletzt auf das Wunder gehofft und war am Ende in Tränen aufgelöst. Ob ich allerdings wegen dem doch noch eintretenden Wunder geweint habe, oder weil es kein Happy End gab, das möchte ich an dieser Stelle natürlich nicht verraten.
Mich hat schon lange kein Buch mehr so berührt, wie es die Geschichte von Rabbit Hayes zweifellos getan hat.
„Wenn ich mir von allen Müttern auf der Welt eine hätte aussuchen dürfen, hätte ich dich ausgesucht. Du warst unglaublich. Du bist unglaublich.“ Beiden strömten Tränen über die Wangen.
„Du bist das Beste, das mir je passiert ist, Juliet Hayes.“ […] „Ich weiß, Ma“, sagte Juliet und tupfte ihr mit einem Taschentuch die Tränen weg.
„Die letzten Tage von Rabbit Hayes“ ist ein aus dem Leben gegriffenes Buch, welches einem eine Achterbahnfahrt der Gefühle beschert. Der Autorin ist es gelungen dieses doch sensible Thema mit sehr viel Liebe umzusetzen und bringt einem die Charaktere so nah, dass man das Gefühl hat, selbst ein Teil der Familie Hayes zu sein, die gemeinsam um das Leben von Rabbit kämpft.

 

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18 Comments

  • Julia Kreutzkamp 17. März 2015 at 12:37

    Danke für die schöne Rezension. Ich hatte das Buch gar nicht so auf dem Schirm aber nach deiner Rezi bin ich überzeugt, dass es mir gefallen wird und dass ich es lesen muss 😉 Liebe Grüße julia

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    • Kitty 17. März 2015 at 21:38

      Vielen Dank für deine lieben Worte. 🙂 Es freut mich sehr, dass ich dir das Buch vorstellen konnte und dich sogar davon überzeugt habe, es zu lesen. Ich bin mir sicher, dass es dir gefallen wird. 🙂
      GlG
      Kitty ♥

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  • Lese Blick 17. März 2015 at 17:43

    Mist Mist Mist Kitty!!!
    Auf so ein Buch habe ich gewartet und als ich es gestern bei Jule bei der "Wunsch der Woche-Aktion" gesehen habe, hätte ich aufgrund des Covers nie mit so einer Story gerechnet.
    Auch aus Berufsgründen reizt mich solche Lektüre sehr.

    Fazit: deine tolle Rezi konnte mich total überzeugen und es landet nun ganz weit oben auf meiner WuLi. Manchmal brauch man einfach die ganz großen Emotionen und Bücher, die noch lange nachwirken.

    LG Andrea

    Reply
    • Kitty 17. März 2015 at 21:40

      Stimmt, das brauche ich auch ab und an. Auch, wenn ich dann so sehr weinen muss, dass ich gar nicht weiter lesen kann. 😉
      Freut mich, dass ich dir diesen Titel näher bringen konnte und bin schon gespannt, wie es dir gefallen wird, wenn du in den Genuss kommst, es zu lesen. 🙂
      GlG
      Kitty ♥

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  • Book Experiences 17. März 2015 at 18:06

    Ich MUSS es lesen, das steht fest! Und da ich lange nichts mehr von Anna McPartlin gelesen habe, habe ich mir auf TT gleich noch "Niemand kennt mich so wie du" angefordert 🙂

    Liebste Grüße
    Juliana

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    • Lese Blick 17. März 2015 at 18:38

      Der Name der Autorin sagte mir bisher gar nichts 🙁
      Und beim stöbern ist mir aufgefallen, dass ich sogar ein Buch auf dem SuB habe bzw. es bei TT zum Tausch angeboten hatte. Da habe ich es nun schnell wieder herausgenommen und werde es fein wieder auf meinen SuB Stapel legen.
      Und zwar ist es "Wo dein Herz zu Hause ist"… Kennst ihr das zufällig schon??

      Reply
    • Book Experiences 17. März 2015 at 19:30

      Ehrlich gesagt, bin ich mir nicht sicher, ob ich es schon gelesen habe. "Sowas wie Liebe" und "Weil du bei mir bist" habe ich gelesen, ist aber schon so lange her, trotzdem sind sie mir positiv in Erinnerung geblieben. Da machst du also bestimmt nichts falsch, wenn du es zurück auf den SUB holst 🙂

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    • Kitty 17. März 2015 at 21:45

      "Niemand kennt mich so wie du" kannte ich bis jetzt noch gar nicht. Muss ich mir gleich mal anschauen und auf meine WuLi packen. Die anderen Romane von ihr habe ich gelesen, jedenfalls die Beiden, die du erwähnt hast. Das Erste was ich von ihr gelesen habe, war "Weil du bei mir bist". Da habe ich auch schon die ein oder andere Träne vergießen müssen. Die Autorin hat es einfach echt drauf. 🙂
      @Andrea: Das Buch kenne ich leider noch nicht, aber das wird auf jeden Fall noch nachgeholt. 🙂

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  • Steffis Bücher Bloggeria 18. März 2015 at 18:02

    Huhu meine Liebe,
    da hast du mal wieder ganze Arbeit geleistet! Nun will ich das Buch auch haben!
    Bei derartigen Buchtipps werde ich bei dir ja immer sehr hellhörig!
    Danke für die tolle Vorstellung!
    Fühl dich gedrückt!
    <333

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    • Lese Blick 18. März 2015 at 18:20

      Haha, dann wird das Buch wohl bald bei uns allen einziehen 😀 Supiiiii <3333

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    • Steffis Bücher Bloggeria 18. März 2015 at 18:27

      Schreit nach ner spontanen Leserunde! Aber erst muss ich meinen Reziberg abarbeiten 😉

      Reply
    • Kitty 19. März 2015 at 12:10

      Tut mir Leid, Steffi, dass ich deine WuLi immer so überstrapaziere. :-O Aber wenn es doch nun mal großartig ist? Dann muss ich das doch auch sagen. :-O
      Bei Lovelybooks kann man übrigens gerade insgesamt 50 Exemplare von dem Buch gewinnen, zwecks Leserunde. Nur mal so als Tipp :-O Und zwar hier
      Ich drück euch die Daumen. 🙂
      GlG
      Kitty ♥

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    • Steffis Bücher Bloggeria 19. März 2015 at 12:12

      Muahhhh, habe es gerade bei TT ergatttern können! Dann habe ich zumindest nicht den Stress mit der Leserunde 😉
      Aber trotzdem danke für den Hinweis <3

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    • Lese Blick 19. März 2015 at 14:15

      Du Sau 🙂
      Ich hatte auch kurz drüber nachgedacht, aber dachte "das wird da bestimmt noch nicht zum Tausch angeboten sein"… *düdüdüm* passiert mir nicht nochmal 😛

      Aber DIR gönne ich es natürlich <333

      Reply
  • Lottasbuecher 23. März 2015 at 23:28

    Hallöchen liebste Kitty, <3
    eine wunderbare Rezension zu einem wunderbaren Buch. Es war klar, dass wir uns mal wieder einig sind über dieses Buch! 😀 Wir sind ja so zwei Heulsusen. <3 Hab deine Rezi bei mir verlinkt. :*

    Liebst, Lotta

    Reply
    • Kitty 24. März 2015 at 13:03

      Das sind wir in der Tat. :-O Aber ich glaube, man kann auch gar nicht anders, als hier das Heulen anzufangen, oder?!
      Danke fürs Verlinken, Liebes. :-*

      Reply
  • Book and Lifestyle 27. April 2015 at 21:42

    Vielen Dank für die Rezension! 🙂 Ich wollte das Buch auch mal lesen, steht deshalb auch auf meiner WuLi, aber ich war mir nicht sicher, ob es wirklich was für mich ist. Klingt aber sehr spannend! 🙂

    Liebe Grüße,

    bookandlifestyle.blogspot.de

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    • Kitty 30. April 2015 at 9:53

      Ich kann es dir nur empfehlen. Es ist wirklich grandios! Wenn du es liest, besorg dir unbedingt Taschentücher. Ich bin mir sicher: Du wirst sie brauchen. :-O
      GlG
      Kitty ♥

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