Rezension:
Taylor Jenkins Reid – Neun Tage und ein Jahr

Posted on 17. Dezember 2014 by Dörte

 

Original: Forever, Interrupted
Diana | 368 | Autorin | Leseprobe | Kaufen

 

 

Eine große Liebe und eine besondere Freundschaft
Elsie weiß: Ben ist ihre große Liebe, und so sagt sie Ja, als er nur ein halbes Jahr nach der ersten Begegnung um ihre Hand anhält. Doch neun Tage nach der Hochzeit kommt Ben bei einem Unfall ums Leben. Erschüttert von ihrem Verlust steht Elsie im Krankenhaus Bens Mutter Susan gegenüber – die bisher nichts von ihrer Schwiegertochter wusste. Was mit einem Zusammentreffen voller Ablehnung beginnt, wird die beiden ungleichen Frauen für immer verändern.

 

 

 

Ich höre meinen Herzschlag und kann mich nicht mehr auf das konzentrieren, was der Polizeibeamte sagt. Damit habe ich wirklich nicht gerechnet. Ich dachte, böse Dinge passieren nur überheblichen Menschen, nicht Menschen wie mir, die wissen, wie flüchtig das Leben ist. Die die Autorität einer höheren Macht anerkennen. Aber nun ist es mir doch passiert.

 

 

 

Schon im Oktober bin ich auf dieses Buch aufmerksam geworden und könnte mich echt ärgern, dass ich es nicht auf der Stelle mitgenommen habe. Schon das Cover und der Klappentext versprachen mir eine sehr berührende Geschichte, was ich allerdings geboten bekommen habe, lässt sich gar nicht in Worte ausdrücken.
Die gesamte Geschichte wird aus der Sicht von Elsie in der Ich-Form geschrieben, was mir außerordentlich gut gefallen hat. Ihre Gefühle waren für mich sehr real. Ich weiß gar nicht, wie oft ich in Tränen ausgebrochen bin, weil ich mich so gut mit der Protagonistin identifizieren konnte und ihren Schmerz über den Verlust ihres Ehemannes selbst gespürt habe. Taylor Jenkins Reid geht behutsam und absolut ehrlich mit diesem Thema der Trauerbewältigung um und scheut sich nicht davor wirklich jede kleinste Detail des Gefühlsleben von Elsie zu beschreiben. Ich wurde so von meinen Emotionen überwältigt, dass ich mehrmals eine Pause einlegen musste, weil ich vor lauter Tränen schlicht nicht mehr weiter lesen konnte. Das Päckchen, was die trauernde Witwe zu tragen hat, wurde zu meinem eigenen und lastete schwer auf meiner eigenen Schulter. Die Autorin beschreibt Elsies Situation so einfühlsam und bildlich, dass ich schon auf der ersten Seite den Platz von der Protagonistin eingenommen hatte und somit all ihre Gefühle abbekommen habe.
Schon am Anfang, als der schreckliche Unfall passierte, konnte ich nicht mehr an mich halten. Elsie erlebt dieses Geschehen wie aus einer Seifenblase. Sie möchte es nicht glauben und steht völlig unter Schock. In dieser schweren Zeit steht ihr ihre beste Freundin zur Seite. Sie zieht bei ihr ein und kümmert sich um sie. Man merkt, wie sie irgendwann ihre Grenzen erreicht hat und vor lauter Hilflosigkeit nicht mehr weiß, was sie noch für Elsie tun kann. Wie hilft man jemanden, seine Trauer zu bewältigen?

Ich kann mich nicht mehr erinnern, wann ich eingeschlafen bin, aber ich weiß noch, dass Ben irgendwann flüsterte: „Ich weiß nicht, ob du noch wach bist, aber danke dir, Elsie. Das ist das erste Mal, seit ich erwachsen bin, dass ich vor Aufregung nicht einschlafen kann.“

Auch an dieser Stelle ist es Taylor Jenkins Reid gelungen alles sehr realistisch darzustellen. Jeder Mensch geht anders mit dem Verlust eines geliebten Menschen um. Das wurde von ihr hervorragend umgesetzt. Von Hilflosigkeit bis hin zur völligen Aufgabe ist alles dabei. Die Trauer ist schon bald wie eine Achterbahnfahrt: Mal ist es erträglich und mal fühlt man sich, als wäre man innerlich selbst gestorben.
Ein wichtiger Bestandteil dieses Romans ist die Beziehung, die Elsie zu ihrer Schwiegermutter hat. Ist diese am Anfang noch überhaupt nicht vorhanden, entwickelt sie sich jedoch noch im Laufe der Geschichte.
Zwei Frauen, die einen wichtigen Menschen in ihrem Leben verloren haben, teilen ihre Trauer und stehen sich bei. Es hat mich zutiefst berührt, wie sich ihre Verbindung mit der Zeit entwickelt hat.
Zusätzlich zu meiner Begeisterung, was die Story betrifft, konnte mich auch der Aufbau des Buches absolut überzeugen: Die Autorin springt in der Zeit. Zuerst sind wir in der Gegenwart und sind quasi live dabei, als Ben ums Leben kommt. Anschließend gibt es einen Zeitsprung und wir befinden uns in der Vergangenheit. So erfahren wir sogar, wie Ben und Elsie sich kennen und lieben gelernt haben, was die emotionale Bindung zu beiden Charakteren noch um einiges stärkt. Ich habe Elsie total verstanden, das und warum sie sich in ihren Ehemann verliebt hat und war dann natürlich noch trauriger, dass ihnen nur so wenig Zeit zusammen gewährt wurde.
Wenn man es vorher noch nicht verinnerlicht hatte, dann spätestens wenn man „Neun Tage und ein Jahr“ gelesen hat: Es ist völlig egal, wie lange man einen Menschen liebt: Liebe ist Liebe und der Verlust dessen ist so schmerzhaft, das man es nicht in Worte fassen kann.

„Danke, dass du Elsie geliebt hast. Durch sie habe ich erfahren, dass du genau der Mann geworden bist, den ich mir erhofft hatte. […] Wir schaffen das. Also, egal, wo du bist, amüsiere dich und vergiss uns. Wir kommen zurecht.“
Das ist wahre Liebe. Wahre Liebe ist es, wenn man zu jemandem sagen kann: „Vergiss uns, wir kommen klar“, auch wenn es vielleicht nicht stimmt. Weil vergessen zu werden das Letzte ist, was man möchte.
Der Schreibstil ist sehr flüssig, was dazu führt, dass man die Seiten in Rekordzeit verschlingt. Alles wurde aus der Sicht der Protagonistin in der Ich-Form geschrieben, so dass die vielen Emotionen sehr gut bei mir ankamen, da ich mich mit der Protagonistin identifizieren konnte. Das Buch hat mich zum Lachen und zum Weinen gebracht. Die Zeitsprünge sind sehr gut gelungen. Sie gehen fließend, ohne das sie den Lesefluss beeinträchtigen.

 

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5 Comments

  • Alina 17. Dezember 2014 at 15:11

    Hey du =)

    Habe dieses Buch auch schon gelesen. Als ich das Cover gesehen habe, war ich einfach nur begeistert.
    ABER die Geschichte finde ich total schrecklich. Ich meine Hallo?? Gerade erst verheiratet und total verliebt und denn das…ne ne ne…fand ich echt unmöglich!! Seit dem schicken ich meinen freund auch nicht mehr los mir was ausm Supermarkt zu holen sondern stratze selbst los xD

    Liebe Grüße
    Alina

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    • Kitty 19. Dezember 2014 at 11:45

      Ja stimmt schon: Es ist in der Tat schrecklich. Allerdings hat mir das Buch dennoch sehr gut gefallen, weil die Autorin so wahnsinnig viele, bzw. alle Emotionen auf den Leser übertragen kann.
      Dieses Buch zeigt, wie schnell alles vorbei sein kann. Und das stimmt mich auch traurig. 🙁
      GlG
      Kitty ♥

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  • Lotta Lunatic 18. Dezember 2014 at 7:10

    Hallöchen Liebes,
    nachdem du mich auf Whatsapp schon angefixt hast, musste ich jetzt natürlich unbedingt deine Rezi lesen und kann glaube ich behaupten: Ich muss dieses Buch lesen oo' ! Mir bleibt quasi gar nichts anderes über. 😀 Danke dafür. Mal wieder ein Buch auf meiner Wunschliste. 😀 Was für ein Zufall. Hach ich bin so froh, dass wir beide und so ähnlich sind. Bei dir weiß ich, dass ich mich auf deine Meinung verlassen kann. 🙂
    Ich wünsche dir noch einen wunderbaren Tag!

    Liebst, Lotta

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    • Kitty 19. Dezember 2014 at 11:47

      Ich bin mir 100 Pro sicher, dass dir das Buch genau so gut gefallen wird. Wenn du es zu lesen anfängst: Stell dir unbedingt genügend Kleenex-Boxen daneben. :-O Ich hatte es echt schon ne ganze Weile nicht mehr, dass ich so dermaßen bei einem Buch heulen musste. :-/
      Ich kann das Kompliment nur zurück geben: Auch ich weiß anhand deiner Meinung immer, welches Buch bei mir einziehen darf, und welches nicht. :-*
      Drück dich ♥

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  • Book Treasure #15 - Books and Family 15. Oktober 2018 at 12:52

    […] liest, der ist hier genau richtig. Für mehr Informationen, schaut euch doch einfach mal meine Rezension […]

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