Rezension:
Sebastian Fitzek – Passagier 23

Posted on 21. November 2014 by Dörte


Verlag: Knaur.

Seiten: 432 
Autor/in: Website
Preis: 19,99 € 

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Klappentext:
Jedes Jahr verschwinden auf hoher See rund 20 Menschen spurlos von Kreuzfahrtschiffen. Noch nie kam jemand zurück. Bis jetzt …

Martin Schwartz, Polizeipsychologe, hat vor fünf Jahren Frau und Sohn verloren. Es geschah während eines Urlaubs auf dem Kreuzfahrtschiff „Sultan of the Seas“ – niemand konnte ihm sagen, was genau geschah. Martin ist seither ein psychisches Wrack und betäubt sich mit Himmelfahrtskommandos als verdeckter Ermittler.
Mitten in einem Einsatz bekommt er den Anruf einer seltsamen alten Dame, die sich als Thrillerautorin bezeichnet: Er müsse unbedingt an Bord der „Sultan“ kommen, es gebe Beweise dafür, was seiner Familie zugestoßen ist. Nie wieder wollte Martin den Fuß auf ein Schiff setzen – und doch folgt er dem Hinweis und erfährt, dass ein vor Wochen auf der „Sultan“ verschwundenes Mädchen wieder aufgetaucht ist. Mit dem Teddy seines Sohnes im Arm …

Der erste Satz:
Menschliches Blut:
– 44 Prozent Hämatokrit
– 55 Prozent Plasma
– Und eine hundertprozentige Sauerei, wenn es aus einer punktierten Ader unkontrolliert durch den Raum spritzt.



Meine Meinung:
Inhalt
Martin Schwartz hat vor Jahren seine Familie verloren, während sie sich auf einer Kreuzfahrt befunden haben. Seit diesem Tag ist für den Polizeipsychologen nichts mehr, wie es vorher war. Er hat seinen Lebenswillen fast zur Gänze verloren und stürzt sich somit in lebensgefährliche Jobs. Irgendwann bekommt Martin einen Anruf, er soll auf der Stelle zur „Sultan“ kommen, denn es gäbe Beweise, was mit seiner Frau und seinem Sohn wirklich geschehen ist. Natürlich geht Schwartz dieser Sache nach. Was er nicht ahnen kann: Dass er Dinge erfährt, die lieber im Dunkeln gelassen worden wären.

„Es ist ein Roman mit autobiografischen Zügen. Ich habe die Hauptperson etwas jünger gemacht.“
Anscheinend aber nicht weniger durchgeknallt.
Zitat aus „Passagier 23“

Cover
Die Gestaltung ist einfach traumhaft. Der Schutzumschlag ist beim Bullauge ausgestanzt, was mir wirklich sehr gut gefällt. Aber das Buch kann sich auch ohne Umschlag absolut sehen lassen. Es zeigt das Meer und ist somit für den Titel natürlich hervorragend gestaltet worden.

Bei der Beerdigung ihrer Mutter hatte der Pfarrer gesagt, die Eltern würden erst dann sterben, wenn die Kinder nicht mehr an sie dachten. Er vergaß den umgekehrten Fall zu erwähnen, in dem die Eltern innerlich starben, wenn ihnen nichts weiter als der Gedanke an ihre Kinder blieb.
Zitat aus „Passagier 23“

Gesamt
Sebastian Fitzek ist dafür bekannt einen auf eine Nerven raubende Reise mitzunehmen. Sein Tempo und der Spannungsbogen sind stets sehr weit oben und steigern sich im Laufe seiner dramatischen Geschichten sogar noch. Gerade aus diesem Grund ist er mein absoluter Lieblingsautor – und ich freute mich riesig sein neuestes Werk endlich in den Händen zu halten.
Der Anfang hat mich auch absolut überzeugt. Es ist „typisch Fitzek“. Viele wirre Situationen, die einen an das Buch fesseln, weil man fast umfällt vor Neugierde, wie sich das alles zusammen fügt und schließlich auflöst. Dass ich zu Beginn mit Martin noch nicht allzu viel anfangen konnte, hat mich nicht sonderlich gestört. Ich dachte, dies würde sich im Laufe des Buches bestimmt wieder legen.
Doch leider tat es das nicht. Auf keiner einzigen Seite war mir der Protagonist in irgendeiner Weise nah. Ich konnte mich weder mit ihm identifizieren, noch ihn ins Herz schließen. Er blieb mit das ganze Buch über leider viel zu blass. Jetzt im Nachhinein denke ich darüber nach, ob es vielleicht besser gewesen wäre, wenn er uns die Geschichte aus seiner Sicht in der Ich-Form geschildert hätte. Dadurch wären meiner Meinung nach, mehr seiner Emotionen zu mir durchgedrungen und er wäre mir näher gewesen. Das Problem: Hätte Sebastian Fitzek diese Erzählweise gewählt, hätte er seine Geschichte nicht so aufbauen können, wie er es getan hat.
Der Plot ist wirklich gut. Ich mag es wirklich sehr, dass der Autor immer mal wieder aktuelle Themen in seinen Büchern aufgreift und diese in eine spannende und gut durchdachte Geschichte packt. Vieles hat mich sehr überrascht, als ich es las. Vieles war mir aber leider auch ein bisschen zu viel. Besonders zum Ende hin, empfand ich es sogar als ein bisschen anstrengend, dass immer noch mal wieder was Neues hinzukam. Dachte ich, jetzt ist alles aufgelöst, so kann es stehen bleiben, zaubert Fitzek erneut etwas aus seinem Ärmel und wirft es einem vor die Füße. Im Grunde genommen hat er es, zumindest bei mir, so stets geschafft die Spannung noch mal anzutreiben und mich weiterhin ans Buch zu fesseln, bei „Passagier 23“ war dem aber nicht so. Im Gegenteil. Diese, für mich künstlich herbeigeführte, Spannung wollte einfach nicht bei mir aufkommen. Es war mir schlicht viel zu viel an „Drama“ am Ende. Besonders die „Eingebung“ die Martin kurz vor Schluss hatte, war mir persönlich viel zu sehr an den Haaren herbei gezogen.
Was Sebastian Fitzek erneut außerordentlich gut gelungen ist, ist das Tempo der Geschichte. Keine Ahnung, wie er das schafft, aber ich lese seine Werke stets in einer enormen Geschwindigkeit durch. Bis zu Passagier 23 fand ich seine Thriller auch stets super spannend und aufregend. Hier haben sich jedoch besonders ab der Mitte mal ein paar langweilige Stellen eingeschlichen. Mir kam es so vor, als würde die „Sultan“ mal eben still stehen. Einfach auf dem Meer schwimmen, ohne sich zu bewegen, denn es passierte nichts, was den Handlungsverlauf weiterbrachte.
Zum Glück geht es aber irgendwann wieder weiter. Die Spannung steigt und man ist neugierig, wie sich alles auflösen mag.
Das Ende empfand ich aus oben genannten Gründen nur bedingt gelungen.
Der Epilog hingegen machte dies wieder wett, denn er gibt viel Raum für Spekulationen.

Fazit:
Positiv
Die Schreibweise ist einfach top. 
Wie immer, hat Sebastian Fitzek auch hier ein enorm hohes Tempo an den Tag gelegt. Einmal an gelesen und schon ist man am Ende angelangt und überrascht, wie das so schnell passieren konnte.
Gerlinde ist einfach zu köstlich. Ich habe mich manchmal gekugelt vor Lachen.
Mir kommt das Buch sehr gut recherchiert vor.
In der Print-Ausgabe befindet sich ein Rätsel.
Das Cover ist wundervoll.
Manche Wendungen haben mich überrascht.
Negativ 
Martin empfand ich als zu blass. Ich konnte mich auf keiner einzigen Seite mit ihm identifizieren.
Ab der Mitte des Buches kommt die Geschichte ein bisschen zum Stillstand. Es stellt sich Langeweile ein.
Mit dem Ende kann ich nur bedingt etwas anfangen. Martins „Eingebung“ war mir zu realitätsfern dargestellt.
Sonst konnte mich Sebastian Fitzek mit seiner immer erneut aufkeimenden Spannung total überzeugen, hier war sie mir an einigen Stellen leider etwas zu aufgesetzt. 
Ab und zu bin ich bei den vielen Charakteren ein bisschen durcheinander gekommen.
Selbst als großer und bekennender Fitzek-Fan kann ich diesem Buch leider nur drei Sterne geben. Ich muss sagen, dass es, für mich, leider bisher sein schwächstes Werk ist.

Kitty 
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11 Comments

  • WortGestalt 21. November 2014 at 7:56

    Auch bei Dir, wow, ich glaube, ich habe bisher noch keine wirklich positive Meinung zu dem Buch gelesen. Also so hier in unserer Bloggernachbarschaft. 🙂 Kann deine Kritikpunkte aber sehr gut nachempfinden und weiß nun sicher, dass ich frühestens mal beim TB einen Blick riskieren werde. Hast Du eigentlich "Noah" gelesen? Bestimmt, oder? 😉 Wollte mir nächsten Monat das TB holen, bin schon gespannt, bisher haben mir nur wenige Bücher von ihm gefallen, "Amokspiel" mochte ich sehr. Und der zweite Augen-Band war mir lieber als der erste. 🙂

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    • Kitty 21. November 2014 at 20:51

      Ich habe schon einige positive Rezis gelesen, allerdings ebenfalls nicht in der "Nachbarschaft", sondern eher bei Amazon. Und da scheinen es ein paar auch nicht so lustig zu finden, wenn man negative Kritik zu diesem Buch übt. :-/
      Es ist ja wirklich kein schlechtes Buch, aber so richtig überzeugen konnte es mich nicht. Das haben die anderen Bücher eher geschafft. "Amokspiel" mochte ich auch. Aber meine Lieblinge sind "Die Therapie" und "Splitter". Ich liebe sie. ♥
      "Noah" ist echt gut. Ich habe zwar ein paar Seiten gebraucht, um mich rein zu finden, aber als das geschehen war, habe ich das Buch sehr genossen. Hat auch fünf Blümchen von mir bekommen. Kann ich dir also ans Herz legen. 🙂

      Reply
    • WortGestalt 21. November 2014 at 21:01

      Also ich muss Dir ganz ehrlich sagen, diese amazon-Rezensionen-Sache geht mir langsam echt auf die Nerven. Das ist ja füchterlich da, eigentlich habe ich schon gar keine Lust mehr, meine Texte dort einzustellen. Neben den gekauften Kundenbewertungen gibt es dann ja immer noch die, die eine negative Bewertung mit diesen "War diese Rezension hilfreich?"-Buttons runterdrücken. Gragh, das macht mich missmutig. Finde ich doof…

      Reply
    • TheReal Kaisu 22. November 2014 at 17:04

      *der Philly zustimm*

      Reply
  • Nicole Wagner 21. November 2014 at 20:22

    Mit Fitzek konnte ich mich bisher nicht anfreunden, obwohl ich es schon einige Male versucht habe. Mir sind die Handlungen irgendwie zu überkonstruiert. Aber bei dem Buch reizt mich die Grundthematik. Hm, nach deiner Rezension bin ich wieder unschlüssig. Vielleicht warte ich, bis es in unserer Bibliothek erhältlich ist.

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    • Kitty 21. November 2014 at 20:54

      Ich liebe seine Bücher echt total. Keine Ahnung, wie er mich immer so fesseln kann, aber bislang hat er es echt immer geschafft. Gerade deswegen ist er auch mein absoluter Lieblingsautor, aber bei diesem Buch konnte er mich leider nicht so überzeugen, wie er es sonst immer getan hat.
      Vielleicht wird dir das hier ja gefallen, weil dir die anderen nicht so zusagen?

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  • TheReal Kaisu 22. November 2014 at 17:06

    Ich bin sehr auf das Buch gespannt. Man sagte mir zwar es ist nicht so wie Noah überladen (ja, da war mir manches schon zu viel des Guten), dennoch sind die Zweifel der meisten identisch.
    Abwarten, was meine Leseseele dazu sagt :3

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    • Kitty 5. Februar 2015 at 22:01

      OmG, ich habe diesen Kommentar übersehen. *schäm* *In die Ecke stell* 🙁
      Also ich muss sagen, dass ich "Passagier 23" überladender fand, als "Noah". Bei letzterem hat es zwar auch ein bisschen gedauert, bis ich in der Geschichte drin war, allerdings kam mir das doch um einiges realistischer vor, als der "Passagier". Hast du das jetzt eigentlich schon gelesen?
      Es ist mir echt voll peinlich, dass ich dein Kommentar übersehen habe. Wie konnte mir das nur passieren? Tut mir leid. 🙁

      Reply
  • j125 30. Januar 2015 at 18:38

    Hab ich es doch gewusst 😉
    Ich glaube, dies ist die erste mittelmäßige Meinung die ich von dem Buch lese. Entweder die Leute finden das ganz toll oder echt schlecht. Sehr faszinierend.

    Es sagen ja sehr viele, dass es teilweise zu unrealistisch war, weil so viel passiert.
    Ich hab echt keine Ahnung ob ich das Buch lesen soll oder nicht. 😀 Die Augenreihe hat mir ja echt gut gefallen, aber bei den unterschiedlichen Rezensionen… vielleicht greife ich lieber erstmal zu anderen Fizeks.

    Schönes Wochenende 🙂

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    • Kitty 5. Februar 2015 at 22:05

      Ich empfehle dir echt die anderen Bücher von Fitzek. Der Passagier konnte mich, wie meine Rezi schon sagt, leider nicht so überzeugen.
      Ja, es ist wirklich ziemlich viel absolut überspitzt dargestellt und das war nicht wirklich meins. Weniger ist manchmal eben mehr. *seufz*
      Welches ich dir absolut ans Herz legen kann ist "Die Therapie" und "Splitter". Die zwei von Fitzek sind meine absoluten Favoriten. 🙂

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    • j125 11. Februar 2015 at 10:06

      Die werde ich mir mal merken 🙂

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