Rezension:
Susanna Ernst – Immer wenn es Sterne regnet

Posted on 23. August 2014 by Dörte

 

 

 

360 Seiten |  Knaur. | Kaufen
Adam liebte Grace von ganzem Herzen. Das spricht aus den heimlichen Briefen, die er einst an seine Angebetete schrieb und die Mary Jahrzehnte später findet. Doch was wurde aus dem ungleichen Paar? Sie beschließt, dieser Frage auf den Grund zu gehen. Mary begibt sich auf die Spuren einer großen Liebe und entdeckt dabei etwas, womit sie nie im Leben gerechnet hätte…

 

 

 

 

 

Mary glaubt an die immer währende große Liebe. Ihre romantische Ader hat mir sehr gefallen, wenngleich sie durch ihre rosa rote Brille hindurch manchmal die Realität ein bisschen zu sehr in den Hintergrund drängt.
Adam ist so unfassbar dolle und hoffnungslos in seine Grace verliebt, dass es mir selbst die totalen Schmerzen bereitet hat, ihn so zu erleben. Er schreibt jedoch voller Hoffnung und Liebe an seine Angebetete Briefe, ohne sie jedoch abzuschicken. Zu groß ist seine Angst, dass ihre Familie davon Wind bekommen und sie bestrafen könnte.
Grace steht leider total unter dem Einfluss ihrer Eltern. In der damaligen Zeit nicht verwunderlich. Sie selbst liebt ihren Adam auch sehr, kann jedoch nicht öffentlich zu dieser Liebe stehen und geht bald ihren eigenen Weg…
Jeremy hat in seiner Kindheit etwas sehr gemeines getan und möchte dies nun wieder gut machen. Bedauerlicher Weise ist er aber ein kleiner Feigling und so windet er sich erst eine ganze Zeit lang, ehe er endlich über seinen Schatten springen kann.

Als wir so dasaßen, zischte es mit einem Mal über unseren Köpfen, einmal, zweimal und dann hundertfach. Ich traute meinen Augen kaum, denn, ich weiß wirklich nicht wie ich es anders schildern soll, es regnete Sterne.

Dieser Roman hat mich ein bisschen an „Eine handvoll Worte“ erinnert. Jedenfalls war ein fast identischer Plot zu erkennen, der sich aber zum Glück bald in eine völlig andere Richtung entwickelte. Auch die Umsetzung dieser Geschichte ist eine andere, wie ich finde sogar bessere, als jene von Jojo Moyes. Aber von Anfang an:
Am Beginn der Geschichte lernen wir Adam kennen, der vor lauter Sehnsucht an seine liebe Grace total verzweifelt ist. Er ist mir sogleich ans Herz gewachsen und ich konnte ihn so gut verstehen. Gerade in der vergangen Zeit waren die einzelnen „Klassen“ doch total anders eingestellt, als es in der heutigen Zeit der Fall ist. Eine gut situierte Frau mit einem Mann „zweiter Klasse“ zusammen zu sehen, und dies auch noch in einer Liebesbeziehung, wurde nun mal verpönt. Susanna Ernst hat dieses Thema sehr gut und verständlich aufgegriffen. Auch für jene, die sich mit dieser Ära nicht auskennen, sollte es absolut kein Problem sein, sich mit dieser Problematik auseinandersetzen zu können. Die Abschnitte, in denen Adam zu Wort kommt schreibt die Autorin in der auktorialen Erzählweise, die in der Vergangenheit spielen. Zwischen den einzelnen, in der Gegenwart spielenden Kapitel werden diese immer mal wieder in unregelmäßigen Abständen eingefügt.
Hat man sich ein bisschen mit Adam und seiner Situation befasst, spring die Erzählung zu Mary, die in der Gegenwart lebt und ein ziemlich anstrengendes Leben führt. Sie erzählt uns ihre Geschichte aus der Ich-Perspektive. Die Gegenwart wechselt sich zwischen zwei Erzählern ab: Einmal die oben erwähnte Mary, die schließlich Adams Briefe findet und einmal erzählt uns Jeremy von seinem Leben und was er in diesem alles verbockt hat.
Alle Personen sind auf ihre Art miteinander verbunden, was sich Seite für Seite in einer rührenden, romantischen, aber manchmal auch witzigen Geschichte aufklären wird.

Und schlimm sind nicht die Menschen, die wissen, dass sie noch viel lernen müssen. Schlimm sind nur diejenigen, die glauben, bereits alles zu wissen.

Besonders die Protagonisten sind erstaunlich gut von Susanna Ernst gezeichnet. Man sieht sie vor Augen lebendig werden und ihre eigene Geschichte auf einer Theaterbühne spielen. Dabei wirken sie echt, authentisch und absolut liebenswert. Besonders Jeremy habe ich mit seiner eher zurückhaltenden Art sehr in mein Herz geschlossen. Er ist zwar ein bisschen feige, was man aber auch als Unsicherheit interpretieren könnte.
Wie die Autorin die Geschichte aufgebaut hat, hat mich ehrlich entzückt. Es passiert fast immer irgendwas, womit man so nicht gerechnet hätte.
Ganz besonders toll fand ich Adams Briefe, die ab und zu mal zwischen einem Kapitel auftauchen. Ich wäre fast dahin geschmolzen wie Butter in der Sonne, als ich sie gelesen habe. Sie wirken absolut ehrlich und aufrichtig auf mich, was wirklich sehr schön war. Ich musste an der ein oder anderen Stelle auch fast ein Tränchen vergießen, weil sie den Schmerz den Adam empfunden und damit zum Ausdruck brachte, auf mich übertragen haben.
Besonders hervorheben möchte ich, dass Susanna Ernst ihren Schreibstil den der einzelnen Zeit angepasst hat. So wurde in der Vergangenheit eher ein bisschen „geschwollen“ geredet und in der Gegenwart die moderne Sprechweise gewählt. Ich bin mir sicher, dass nicht viele Autoren in der Lage sind, sich so anzupassen. Genau aus diesem Grund ziehe ich vor Susanna Ernst den Hut, denn dieser Switch ist ihr verdammt gut gelungen.
Mit jeder Seite fügt sich das 5000 Teile Puzzle zusammen, bis es am Ende das Ganze ergibt, womit ich so nicht gerechnet hätte. Eine wirklich schöne Geschichte über Liebe, Schmerz, Hoffnung, Freundschaft und Romantik, die ich wirklich empfehlen kann.

Sprich die Wahrheit, offen und ehrlich, dann wird Dir niemand auf lange bös sein können. Und sind sie es doch, so lass sie nur zieh´n. Echte Freunde vertragen jedes aufrichtige Wort.

Ich wurde absolut nicht enttäuscht. Susanna Ernst hat es erneut geschafft mich in ihre Welt zu entführen und mich vor allen Dingen auch wieder zu einem absoluten Emo zu machen. Was die Autorin für Gefühle in ihre Romane mit einbringt, ist wirklich unfassbar gut. Besonders Adams Briefe rührten mich fast zu Tränen und die Auflösung am Ende hätte besser nicht sein können. Sie regte mich zum Nachdenken an, ob es so wirklich sein könnte… Einzig die paar längeren Phasen des Romans haben mir nicht so gut gefallen.

 

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4 Comments

  • AnnA 23. August 2014 at 6:26

    Tolle rezi 😉
    klinggt ja nach einem.tollen.buch 😉
    ich finde den titel echt toll 😉
    LG Anna

    Reply
    • Kitty 24. August 2014 at 21:50

      Danke. 🙂 Das Buch ist auch wirklich toll und der Titel passt wie die Faust aufs Auge. 😉
      GlG
      Kitty ♥

      Reply
  • Marina 23. August 2014 at 10:50

    Oh, das klingt wunderschön. 🙂 Das Buch ist direkt mal auf die Wunschliste gewandert. 🙂

    Liebe Grüße,
    Marina

    Reply
    • Kitty 24. August 2014 at 21:50

      Freut mich, dass ich dich mit meiner Rezension überzeugen konnte, das Buch auf deine WuLi zu packen. Jetzt muss es nur noch bei dir einziehen. 😉
      GlG
      Kitty ♥

      Reply

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