Rezension:
Linda Castillo – Teuflisches Spiel

Posted on 10. Juli 2014 by Dörte

 

 

Kate Burkholder #5 | 352 Seiten | Fischer | Autor

Eine teuflische Idee – ein göttlicher Plan – eine ewige Schuld –
Kate Burkholders fünfter Fall bei den AmischenAls das gleißende Scheinwerferlicht des entgegenkommenden Fahrzeugs sie blendet, bleibt ihnen nicht einmal mehr die Zeit, um zu schreien. Auf der regennassen Straße im ländlichen Ohio sterben in dieser Nacht drei Menschen. Ein amischer Vater und zwei seiner Kinder. Als Polizeichefin Kate Burkholder die Unfallstelle genauer untersucht, kommen ihr erste Zweifel: War das wirklich ein Unfall, oder steckt noch etwas anderes dahinter?

 

 

Kate steht mit beiden Beinen im Leben und liebt ihren Job. Ihre Gefühle verbirgt sie gerne hinter einen dicken Schutzmauer, denn es fällt ihr schwer, darüber zu reden. Ganz besonders ihre Zuneigung zu Tomasetti kann sie nicht gut in Worte fassen. Sie scheint selbst völlig überfordert von ihren Empfindungen ihm gegenüber zu sein.
Als Polizeichefin ist sie allerdings eine sehr harte und konsequente Frau. Wenn sie einen Fall aufnimmt, setzt sie alles daran ihn so schnell wie möglich abzuschließen – Natürlich im positiven Sinne.
John hat sich Urlaub genommen. Er hat seinem Job kurzzeitig den Rücken gekehrt, um sich um sein eigenen Häuschen kümmern zu können. Das hindert ihn aber nicht daran, seiner Freundin Kate bei dem Buggy-Fall mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. John hängt sehr an Kate und wünscht sich nichts sehnlicher, als endlich mit ihr zusammen zu ziehen. Doch die Polizeichefin weicht diesem Thema geschickt aus…

Seine Worte sollen mich trösten, doch das tun sie nicht. Alles hinzunehmen gehört zu jenen Glaubenssätzen der Amischen, die ich damals wie heute vehement ablehne. Vielleicht weil meine eigene Philosophie so grundlegend anders ist. Ich weigere mich, den Tod von drei unschuldigen Menschen als Teil eines göttlichen Plans zu akzeptieren. Und dem Scheißkerl, der das zu verantworten hat, werde ich ganz bestimmt nicht vergeben.
„Teuflisches Spiel“ beginnt wie ein ruhiger Abendfilm. Die amische Familie ist vom Krankenhaus auf dem Weg nach Hause. Das Wetter ist toll, alles scheint total idyllisch zu sein, doch dann gibt es den großen Knall…
… und ich befand mich mitten in dem Nerven aufreibenden, spannenden, neuesten Thriller von Linda Castillo, in dem ich mich erneut total wohl gefühlt habe. Für die Einleitung benötigt die Autorin gerade einmal vier Seiten. Vier Seiten, in denen ich den größten Teil der Familie Borntrager kennen lernen konnte, mich aber sogleich auch schon wieder von ihnen verabschieden musste. Nach dieser Verabschiedung sagt die Spannung „Hallo hier bin ich“, denn zu diesem Zeitpunkt geht einem nicht mehr aus dem Kopf, ob es sich wirklich nur um einen Unfall handelte, oder vielleicht doch mehr hinter der Sache steckt. Man sichert mit Kate zusammen die Spuren und zermatert sich das Hirn, wie es wohl passiert sein kann. Die Suche nach Zeugen gleicht der berühmten Suche nach der Nadel im Heuhaufen.
Linda Castillo ließ mir keinen ruhigen Moment. Scheint die Spannung den Höhepunkt erreicht zu haben, setzt die Autorin noch mal einen drauf. Schon bald geht es nicht mehr „nur“ um den Buggy-Unfall, sondern auch noch um eine persönliche Sache der Polizeichefin. Wer es bis dahin geschafft hatte das Buch auch mal an die Seite legen zu können, wird es sich spätestens an dieser Stelle verkneifen.
Als unheimlich interessant empfand ich erneut den Hintergrund der amischen Lebensweise, der natürlich auch in diesem fünften Teil eine immens wichtige Rolle spielt. Und genau dies macht Linda Castillos Romane auch zu etwas ganz Besonderem. Bei ihr handelt es sich keinesfalls um die typischen 0815 Thriller. Ihre Art die Spannung zu halten und sogar noch zu steigern hat meinen vollsten Respekt verdient! Wer wie ich gerne Thriller liest, glaubt irgendwann ein spezielles Muster zu erkennen, die allerdings bei Castillo grundsätzlich anders sind. Die Autorin schafft es mit einer Regelmäßigkeit, mich auf die falsche Spur zu führen, um mir hinterher schließlich eine lange Nase zu zeigen.
Auch die zwischenmenschliche Beziehung von Kate und John kommt in „Teuflisches Spiel“ natürlich wieder zur Sprache, aber diesmal werden nur gelegentlich ein paar Dinge eingeworfen. Der Kern bleibt beim Buggy Unfall und bei der anderen, persönlichen Geschichte Kates.
Mattie lächelt zwar weiter, aber ich sehe ein Unbehagen in ihrem Gesicht, das zuvor nicht da war. Sie muss wirklich schon mit genug fertig werden, aber manchmal ist Angst auch gesund, und ein Blick über die Schulter kann einem zuweilen das Leben retten.

Auch mit „Teuflisches Spiel“ hat mich Linda Castillo nicht enttäuscht. Im Gegenteil. Ich war positiv überrascht, denn häufig habe ich schon erlebt, dass bei Reihen von Band zu Band ein Abwärtstrend zu spüren ist. Umso erfreuter bin ich über die Tatsache, dass Castillos Bücher scheinbar immer besser werden. Mit Kate als Hauptprotagonistin hat die Autorin einen sehr starken Charakter erschaffen. Es macht mir immer wieder aufs Neue große Freude mich mit ihr auf Ermittlungsjagd zu begeben. Wer wie ich ein Thriller Fan ist und sich gern mit anderen Kulturen beschäftigt, kann mit dieser Reihe absolut nichts falsch machen. Man muss sie, meiner Meinung nach, einfach gelesen haben.

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Die Reihe: Die Zahlen der Toten  | Blutige Stille  | Wenn die Nacht verstummt  | Tödliche Wut  | Teuflisches Spiel  | Mörderische Angst  | Grausame Nacht  | Böse Seelen  | Ewige Schuld | A Gathering of Secrets

 

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2 Comments

  • lenasbücherwelt 11. Juli 2014 at 15:54

    Meine WuLi wächst und wächst bei jedem Besuch von dir:D <3

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    • Kitty 12. Juli 2014 at 8:01

      Na wie gut, dass bei einem Besuch bei mir nicht dein SuB wächst und es "nur" die WuLi ist. 😉
      Mal im Ernst: Ist doch toll, wenn du auf andere Bücher aufmerksam wird, die dir ansonsten vielleicht durch die Lappen gegangen wären. 😉
      Hab ein wundervolles Wochenende.
      Kitty ♥

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